Als Vanilleeis noch exotisch war

Als Vanilleeis noch exotisch war

Sturzform, 19. Jahrhundert. Museum Nienburg

„Zuerst schütte man eine Hand hoch Eis in den Eimer, ein paar Handvoll Salz darüber, dann setzt man die mit Creme gefüllte Büchse fest zugemacht hinein, legt an den Seiten rundherum eine Lage Eis, streut eine Handvoll Salz darüber, stellt die Büchse fest und fährt mit dem Eis- und dem Salzstreuen so fort.“ So ähnlich könnte es geheißen haben, als diese kupferne Sturzform Ende des 19. Jahrhunderts in Gebrauch war. Mit Anweisungen wie diesen war der Grundstein gelegt für damals exotisch anmutende Rezepte wie Vanilleeis, Quitteneis oder auch Himbeereis. Eisdekore oder -speisen in verschiedensten Formen und Farben waren Ende des 19. Jahrhunderts in Mode. Häufig wurden zum Beispiel auch Früchte geformt, die dann auf dem Tisch ein optisches Highlight waren.

Rezepte dafür finden sich schon in einem Kochbuch, dessen erste Auflage 1844 erschienen ist.

Bei der Sturzform aus dem Museum fehlt ein Deckel oder eine Platte zum Verschließen oder Stürzen. Neben der Verwendung als Eisform kommt auch die Nutzung als Form für Gelees oder Pudding in Frage. Obschon es zunächst so anmutet, handelt es sich wohl nicht um eine Gugelhupfform, da vergleichbare Formen aus der Zeit weitaus weniger Vertiefungen hatten.

Das Objekt des Monats ist bis Ende Mai während der Öffnungszeiten des Museums Nienburg im Fresenhof zu sehen.