09.12.2012

Als Zehnjähriger dem KZ-Arzt Mengele begegnet

Die schlimmste Begegnung im Leben des Hugo Höllenreiner war, als der zehnjährige Junge vor dem Auschwitz-Arzt Josef Mengele stand, der ihn und Hugos Bruder wie viele andere Sinti-Kinder mit seinen sadistischen, pseudowissenschaftlichen Experimenten quälte. Das war 1943, das Jahr in dem Hugo Höllenreiner mit seinen Eltern und fünf Geschwistern nach Auschwitz deportiert wurde. Die Zeit im „Zigeunerlager“ in Auschwitz-Birkenau hat sich unauslöschlich ins Gedächtnis Hugo Höllenreiners eingebrannt. Erst im hohen Alter war es ihm möglich, über seine schrecklichen Erlebnisse zu berichten. Hugo Höllenreiner wurde am 15. September 1933 in München geboren. Sein Vater war dort Pferdehändler und Fuhrunternehmer. Gleich nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, so erinnert sich der Zeitzeuge, wurden „Schlag auf Schlag den Sinti und Roma wie den Juden die elementarsten Rechte genommen“. Die Familie verlor die deutsche Staatsbürgerschaft, die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, Läden und der Besuch kultureller Einrichtungen wie Kinos wurde ihnen verboten. Was viele nicht wissen: 1938 wurden auch Sinti Opfer der Novemberpogrome. Am 16. Dezember 1942 folgt dann der Erlass Heinricht Himmlers, „Zigeunermischlinge, Rom-Zigeuner und Angehörige zigeunerischer Sippen balkanischer Herkunft .. in einer Aktion von wenigen Wochen in ein Konzentrationslager einzuweisen.“ Reichspropagandaminister Goebbels hatte den Stab über ihnen gebrochen: wie die Juden sollten die „Zigeuner“ vernichtet werden. Der Gedanke der „Vernichtung durch Arbeit“ sei der beste, äußerte Goebbels in einer Besprechung.

All dies hat Hugo Höllenreiner als Kind hautnah erlebt. Im März 1943 war es dann so weit. Polizisten umstellten das Haus der Familie in München. Mit zahlreichen Leidensgenossen wurden die Höllenreiners nach Auschwitz verschleppt, später ins KZ Ravensbrück, nach Mauthausen und schließlich im März 1945 noch nach Bergen Belsen.

Mittlerweile lebt Hugo Höllenreiner in Ingolstadt. Wegen der Diffamierungen, denen die Sinti und Roma auch heute noch ausgesetzt sind, hat er jahrelang über seine Erlebnisse geschwiegen. Bis heute ist der Völkermord an den Sinti und Roma kaum bekannt.

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Erstellt:
9. Dezember 2012, 00:00 Uhr
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