Stefan Schwiersch DH

Stefan Schwiersch DH

Nienburg 06.01.2018 Von Stefan Schwiersch

Als alles noch viel besser war …

Guten Tag

Wir sind uns doch wohl einig, das früher alles, wirklich alles besser war. Da gab‘s im Winter noch Schnee, der länger als zwölf Stunden liegen blieb, da kostete der VW Golf in der asketischen C-Version mit 55 PS kaum über 12 000 Mark und da glotzten Teenager nicht in jeder Wachminute auf einen Bildschirm in der Größe des Unterteils einer Butterdose und da holten wir uns bereits am Sparkassen-Schalter das richtige Urlaubsfeeling, wenn wir unsere D-Mark in reichlich Peseten umtauschten.

Vorm Fernseher zappten wir nicht hundert Kanäle rauf und runter, weil bei vieren Schluss war. Und es kann ja wohl kein Zufall sein, dass jeder Technik-Markt heute wieder die guten alten Plattenspieler im Angebot hat. Nicht zu vergessen: In Nienburg spielte ein Verbandsligist und der HSV kam wie eine Walze daher und nicht wie ein Harzer Roller. Sollten Sie meiner These über die gute alte Zeit nicht zustimmen, dann haben Sie womöglich die Studien von Terence Mitchell und seinen Kollegen gelesen. Deren Ergebnis: Wir neigen zu dem Glauben, unsere Erlebnisse von damals seien interessanter gewesen, als sie es tatsächlich waren; man spricht von der „Rosige-Vergangenheit-Verzerrung“.

Das gilt verstärkt für die Generation der über 40-Jährigen, die sich besonders gut an die Phasen von 15 bis 25 erinnern können – diese Phase sei besonders prägend, weil wir vieles zum ersten mal erlebten: den ersten Kuss (liebe Grüße, Melanie), der erste Job (Ferienjob beim Pflanzenhof Leeseringen), das erste Auto (Ente).

Das Dumme an der Nostalgie: Vieles verklärt sich im Laufe der Jahre, denn unser emotionales Gedächtnis arbeitet fehlerhaft. Schließlich war die wochenlange Arbeit auf den Feldern vor den Toren Leeseringens eine ganz schöne Schinderei und die Ente war zwar ein originelles, im Winter aber ziemlich unbehagliches und nicht wirklich spritziges Fortbewegungsmittel.

Was sagt uns das? In 25 Jahren werden wir uns wohl wiederum mit einem gewissen Grad an Verklärung an das Jahr 2017 erinnern und vermutlich sagen: „Mensch, war doch ‘ne tolle Zeit, als der HSV noch in der 1. Liga spielte, als man sein Auto noch selbst lenken konnte, als die Nachrichten noch aufs Smartphone gesendet wurden anstatt direkt auf den Chip im Gehirn, der regelmäßig von den frechen Nachbarskindern gehackt wird, weil einem wieder kein sicheres Passwort eingefallen ist. Freuen wir uns drauf!

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Erstellt:
6. Januar 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 13sec

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