07.04.2013

„Alte Leute, viele Frauen, kleine Kinder“

„Stolperstein“ für Johanne Beermann / Gerd-Jürgen Groß berichtete über das Schicksal der Nienburgerin

Nienburg. Wie berichtet, hat der Kölner Gunter Demnig im Beisein zahlreicher Interessierter im Februar in Nienburg zehn weitere „Stolpersteine“ verlegt. Der Vorschlag, einen der kleinen quadratischen Steine mit der Messinghaube in der Mühlenstraße vor dem Haus mit der Nummer 12 in den Fußweg einzulassen, kam von Gerd-Jürgen Groß. Der Nienburger hatte sich mit dem Schicksal von Johanne Beermann befasst. Anlässlich der Aktion berichtete er: Johanne Beermann wurde am 26. Juli 1891 in Nienburg (vermutlich im Elternhaus, das damals hier stand), geboren. Sie war das vierte Kind des Viehhändlers Moses Beermann und seiner Ehefrau Jeanette, geb. Cohn, aus Liebenau. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Berlin kehrte sie im Mai 1934 nach Nienburg in die Mühlenstraße 12 zurück. Das Haus gehörte seit dem Tod der Eltern ihrem Bruder Paul, dem wohl noch vor der Pogromnacht vom 10. auf den 11. November 1938 mit seiner Familie die Emigration in die USA gelang.

Johanne Beermann blieb und wurde im Alter von 50 Jahren Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Sie wurde am 28. März 1942 verhaftet und gemeinsam mit anderen jüdischen Bürgern der Stadt in die Sammelstelle der Gestapo in der ehemaligen israelitischen Gartenbauschule in Ahlem bei Hannover transportiert. Drei Tage später, am 31. März 1942, fuhr der Deportationszug gegen Mitternacht mit insgesamt 994 Menschen nicht nach Trawniki (wie ursprünglich geplant), sondern in das überfüllte Warschauer Ghetto Dort traf der Zug am 1. April 1942 ein.

Der Ghetto-Älteste Adam Czerniakow notierte in seinem Tagebuch: „Gegen Morgen wurden etwa 1 000 Deportierte aus Hannover, Gelsenkirchen usw. hergeschafft. Sie wurden im Spital in der Lezno-Straße untergebracht... Die Deportierten haben nur kleine Gepäckstücke mitgebracht... Alte Leute, viele Frauen, kleine Kinder“.

Im Juli 1942 begann die SS mit der Räumung des Ghettos und deportierte die jüdischen Einwohner in das Vernichtungslager Treblinka, 65 Kilometer östlich von Warschau. Johanne Beermann war vermutlich dabei und wurde sofort nach dem Eintreffen in einer Gaskammer mit Kohlenmonoxyd ermordet.

„Sie hat nirgendwo ein Grab, deshalb ist es gut, wenn wir nun hier an ihrem letzten Wohnort mit einem Stolperstein an sie erinnern. Ihren Namen gibt es nun wieder in der Nienburger Mühlenstraße,“ betonte Groß.

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Erstellt:
7. April 2013, 00:00 Uhr
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