Dominic Thiem mit dem 50.000-Euro-Siegerscheck. Foto: Andreas Gora/dpa

Dominic Thiem mit dem 50.000-Euro-Siegerscheck. Foto: Andreas Gora/dpa

Berlin 19.07.2020 Von Deutsche Presse-Agentur

Am Ende platt: Haas das Zugpferd auf Berliner Tennis-Woche

Für das kleine Finale fehlte Tommy Haas die Kraft, doch was für ein Zugpferd der 42 Jahre alte Tennis-Ruheständler immer noch ist, bewies er eindrucksvoll bei den Einladungsturnieren in Berlin.

Schon vor der mehr als achtbaren Halbfinalniederlage gegen den Weltranglistendritten Dominic Thiem auf dem früheren Flughafen Tempelhof machte Haas die kurzfristige Absage von Alexander Zverev für die Tennis-Woche in der Hauptstadt längst vergessen.

„Hut ab, Tommy war mit Sicherheit das I-Tüpfelchen auf der Veranstaltung“, sagte Turnierdirektorin Barbara Rittner, bevor der Österreicher Thiem mit 6:4, 6:2 gegen Talent Jannik Sinner aus Italien auch die zweite Veranstaltung gewann. Die deutsche Damentennis-Chefin bewunderte die immer noch enorme Fitness des vor drei Jahren zurückgetretenen einstigen Weltranglistenzweiten, der allerdings für das Spiel um Platz drei wegen einer Wadenverletzung passen musste.

Bei den Damen sicherte sich Andrea Petkovic Rang drei mit dem feinen 6:4, 7:6 (7:1)-Sieg über die Weltranglisten-Fünfte Jelina Switolina aus der Ukraine. Das Turnier gewann die Lettin Anastasija Sevastova mit 3:6, 6:3, 10:5 gegen die Tschechin Petra Kvitova.

Ein viertes Match binnen einer Woche wäre für Haas inzwischen zu viel gewesen. „Sobald es über eine Stunde geht, kann ich körperlich nicht mehr das rausholen, was ich möchte“, gestand er am Samstag nach dem 6:7 (4:7), 3:6 gegen Thiem, der zwei Satzbälle des Seniors im ersten Durchgang abwehren musste. „Mein Respekt vor Tommy ist eh riesengroß, und der ist von Tag zu Tag gewachsen“, sagte Rittner.

Auch Veranstalter Edwin Weindorfer schwärmte von einer unglaublichen Leistung, die Haas im Steffi-Graf-Stadion und im Hangar 6 des einstigen Airports erbracht habe. „Das haben wir uns alle nicht erwartet. Körperlich ist er jetzt durch für eine Woche, glaube ich“, sagte der Österreicher und lachte.

Der seit Jahrzehnten in den USA lebende Haas könnte künftig wieder mehr Zeit in Deutschland verbringen, wie er in einem Interview der „Bild“-Zeitung andeutete. Der seit Jahren in Los Angeles ansässige Vater zweier Töchter erklärte: „Ich würde es bevorzugen, wenn sie mal sechs Monate oder ein Jahr in Deutschland zur Schule gehen, Deutsch schreiben und lesen, die Kultur mitbekommen.“ Seine Schwester und seine Eltern leben in der Nähe von München.

In dem Interview äußerte sich Haas auch zu gesellschaftlichen Themen in den USA - so zum Beispiel der Rassismusdebatte nach dem Tod des Schwarzen George Floyd im Zuge eines Polizeieinsatzes. „Diese Bilder gehen um die Welt. Die wollen wir nicht sehen und die können wir nicht verstehen, also ich zumindest nicht.“ Über US-Präsident Donald Trump zu sprechen, sei sehr schwierig, räumte Haas ein, der auch die Staatsbürgerschaft seiner Wahlheimat besitzt. „Trump hat viel Neues gebracht für einen, der das Land regiert. Was er teilweise von sich gibt, ist sicher nicht korrekt als Präsident der Vereinigten Staaten, das wissen wir.“

Zverevs Absage für Berlin kommentierte Haas erneut zurückhaltend: Es gebe immer Dinge, wo man sich frage, ob man das Richtige getan habe oder ob man etwas anders hätte machen können.

© dpa-infocom, dpa:200719-99-845756/6

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Haas-Aussagen auf "Bild"-Homepage hinter Bezahlschranke

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Erstellt:
19. Juli 2020, 19:34 Uhr
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