Auftragsrückgänge wegen der Corona-Krise: Jörg Baldermann (im Führerhaus sitzend) und Vater Dieter hoffen darauf, für ihren Betrieb in Steyerberg nicht auf Kurzarbeitergeld zurückgreifen zu müssen. Foto: Graue

Auftragsrückgänge wegen der Corona-Krise: Jörg Baldermann (im Führerhaus sitzend) und Vater Dieter hoffen darauf, für ihren Betrieb in Steyerberg nicht auf Kurzarbeitergeld zurückgreifen zu müssen. Foto: Graue

Steyerberg 18.03.2020 Von Jörn Graue

„Andere sind schlimmer dran“

Spediteure aus Steyerberg sorgen sich wegen sinkender Ölpreise und möglicher Kurzarbeit

„Einzelhändler und Hotels trifft es sofort. Die sind schlimmer dran“, sagt Dieter Baldermann (68). Gemeinsam mit Sohn Jörg (47) betreibt er die Firma Transport und Service GmbH Baldermann mit Hauptsitz in Steyerberg. Das Kerngeschäft der rund 50 Mitarbeiter: Der Transport von Roherdöl und Förderrohren sowie das Reinigen von Rohrleitungen mit speziellem Gerät. Aktiv ist das Unternehmen vorwiegend im norddeutschen Raum, teils auch in Dänemark und den Benelux-Staaten.

Was den beiden Geschäftsführern zunehmend Sorge bereitet, ist der dramatisch gesunkene Rohölpreis um mehr als die Hälfte in weniger als einem Monat: „Der Preis lag am 21. Februar noch bei rund 60 Dollar pro Barrel, inzwischen sind es rund 28 Dollar“, berichtet Jörg Baldermann am Mittwochmorgen. 20 Sattelzüge gehören zu der Unternehmensflotte. Einzelne Kunden hätten bereits Aufträge abgesagt, beschreibt der Juniorchef die aktuelle Situation. „Am Sonntagabend hat mich ein Kunde darüber informiert, dass es bei ihm einen Corona-Verdachtsfall geben würde und die Transporte für Montag abgesagt. Zum Glück hat sich der Verdacht nicht bestätigt.“

Komplette Wirtschaft hat mit Corona zu kämpfen

Vater und Sohn Baldermann beobachten darüber hinaus aber auch, dass etwa in der Chemie oder wie jüngst bei Volkswagen die Produktion stark zurückgefahren wird. „Die komplette Wirtschaft hat mit Corona zu kämpfen“, sagt Dieter Baldermann. Weniger Aufträge könnten derzeit mit dem Abbau von Überstunden und Urlaub aufgefangen werden. „Die Fahrer haben einen zeitlichen Puffer von Stunden“, erläutert der Seniorchef. Er geht davon aus, dass der Betrieb noch etwa zwei Wochen ohne Kurzarbeitergeld auskommen könne.

Zum Sicherheitskonzept des Betriebs gehört auch ein Pandemie-Notfallkoffer. Foto: Graue

Zum Sicherheitskonzept des Betriebs gehört auch ein Pandemie-Notfallkoffer. Foto: Graue

In Steyerberg arbeiten zusätzlich zur Geschäftsführung noch vier Mitarbeiter in der Verwaltung und zwei in der Werkstatt. Darüber hinaus gibt es noch eine Werkstatt für Lkw und Pkw in Voigtei. Letztere würden auch etwa 20 Prozent Privatkunden nutzen, so Jörg Baldermann. „Der Betrieb dort läuft.“ Darüber hinaus betreibt TSB noch Lager, zum Beispiel eines für Rohre in Nienhagen im Landkreis Celle, und manche Sattelzüge stehen direkt bei den Kunden.

Pandemie-Notfallplan im Notfallkoffer

Hohe Hygienestandards spielten in dem Unternehmen schon vor der Corona-Pandemie eine große Rolle. So gibt es etwa in Steyerberg an den Eingangstüren Desinfektionsmittel für die Hände. Dies steht laut Jörg Baldermann auch bei den Kunden für die Lastwagenfahrer bereit.

Darüber hinaus hat das Unternehmen einen Pandemie-Notfallplan und einen entsprechenden Notfallkoffer. „Der Plan sieht unter anderem vor, dass auf Fahrgemeinschaften zu verzichten ist“, erläutert Jörg Baldermann, der sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr Steyerberg engagiert und darüber hinaus Sicherheitsbeauftragter innerhalb der Gemeindefeuerwehr im Flecken Steyerberg ist. Der Koffer enthält Desinfektionsmittel sowie Papierschutzmasken und -anzüge. Der Koffer an sich stamme noch aus der Zeit der Vogelgrippe und sei jetzt aktualisiert worden. Zum Einsatz kam er bislang noch nicht. Es sei wichtig, ruhig zu bleiben und positiv zu denken, sagt Dieter Baldermann.

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Erstellt:
18. März 2020, 18:10 Uhr
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