Stefan Schwiersch DH

Stefan Schwiersch DH

Landkreis 14.04.2018 Von Stefan Schwiersch

Angeborene Rollen

Guten Tag

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob meine liebe Frau mir oder doch unserer Zweitgeborenen eine Freude machen wollte. Jedenfalls hatte sie am Freitagmorgen die Textilien für K2 herausgelegt und obendrauf auf dem kleinen Stapel thronte ihr Bayern-Trikot.

„Uuuiiii, Du bist aber schick angezogen heute“, rief ich ihr zu. „Wie Thomas Müller!“ (Das ist der Lieblingsspieler von K1 und K2). „Willst Du denn heute im Kindergarten Fußball spielen?“ – „Nein“, lächelt sie zurück, „ich bin doch ein Mädchen.“ Woher diese stereotype Denke stammt, dass Mädchen lieber mit Puppen und Jungs lieber Fußball spielen, erschloss sich mir in dem Moment nicht, zumal wir ab und an den Ball im Garten kreisen lassen und ihre linke Klebe nicht ohne ist. Unterschiedliche Vorlieben scheinen angeboren. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie der City University in London.

„Jungen und Mädchen scheinen von Geburt an etwas andere Vorlieben zu haben“, erklärt Entwicklungspsychologin Brenda Todd. „Männliche Babys fühlen sich eher zu mechanischen Bewegungen hingezogen, Mädchen hingegen sind von Gesichtern fasziniert.“ Es scheint also eine gewisse biologische Veranlagung zu geben, welches Spielzeug Mädchen und welches Jungen wählen, und das dürfte auch für den heute noch eher maskulin angehauchten Fuß- ball gelten, während Mädchen anscheinend viel lieber auf Pferden sitzen.

Außerdem: Mit ungefähr zweieinhalb Jahren realisieren Kinder, welchem Geschlecht sie angehören. Von nun an beginnen sie auch, sich der Norm entsprechend zu verhalten. Interessante Erkenntnisse brachte ein Projekt in einem Regensburger Kindergarten. Dort waren die Kinder streng nach Geschlechtern getrennt in einer Bauecke für Jungen und einer Puppenecke für Mädchen.

Eine Auflösung dieser Grenze führte bald dazu, dass die Kinder fast nur noch gemeinsam spielten, dass die Mädchen durch das Spielen mit Klötzen ihre Fähigkeit des räumlichen Denkens verbesserten und Jungen eine Verbesserung ihrer sozialemotionalen Kompetenzen zeigten. Durch Fantasie- und Rollenspiele, mit denen sich zuvor hauptsächlich die Mädchen beschäftigt hatten, lernten sie, besser mit ihren Gefühlen umzugehen und diese zu zeigen.

Zurück zu K2: Die soll eigentlich gar nicht Fußball spielen, uns schwebt da eine lukrative Karriere als Tennisoder Golfspielerin vor, um den lieben Eltern möglichst zeitnah den Ruhestand zu finanzieren. Sicher auch ein Stereotyp, aber die junge Dame hat ja damit angefangen.

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Erstellt:
14. April 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 10sec

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