Zugvögel wie diese Alpenstrandläufer benötigen ruhige Schutzgebiete am Steinhuder Meer, wie hier am Ostufer des Sees, um für den Weiterzug in den Süden Nahrungsreserven anfressen zu können. Foto: Brandt

Zugvögel wie diese Alpenstrandläufer benötigen ruhige Schutzgebiete am Steinhuder Meer, wie hier am Ostufer des Sees, um für den Weiterzug in den Süden Nahrungsreserven anfressen zu können. Foto: Brandt

Steinhuder Meer 09.09.2020 Von Die Harke

Anpassung dringend erforderlich

ÖSSM ruft Notgemeinschaft zu mehr Sachlichkeit auf

Derzeit befindet sich die Aktualisierung der Landschaftsschutzgebietsverordnung „Seefläche Steinhuder Meer“ im öffentlichen Beteiligungsverfahren.

Die ist erforderlich, um die naturschutzfachlichen Vorgaben der Europäischen Union in geltendes Recht umzusetzen. Die Notgemeinschaft und die Steinhuder-Meer-Tourismus-Gesellschaft kritisierten jüngst die Aktualisierung der alten Verordnung durch die Region Hannover und schössen dabei weit über das Ziel hinaus, so die Ökologische Schutzstation Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM).

„Die aktuell noch gültige Landschaftsschutzgebietsverordnung, die das Steinhuder Meer derzeit abdeckt, stammt vom 12. Juni 1981 und wurde tatsächlich noch nach dem Reichsnaturschutzgesetz ausgewiesen“, so Thomas Beuster, Geschäftsführer der ÖSSM, der eine Novellierung der Verordnung und Anpassungen an die EU-Vorgaben als dringend erforderlich bezeichnet.

Das Steinhuder Meer gehört zu den wertvollsten und wichtigsten Vogelschutzgebieten Deutschlands und ist von der Bundesrepublik Deutschland als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung gemeldet worden. Zigtausende Wat- und Wasservögel rasten hier jährlich auf den Weg in die nordischen Brutgebiete bzw. in deren südlichen Winterquartiere.

Außerdem brüten seltene und zum Teil sehr scheue Vogelarten am See und bis zu 40.000 Vögel überwintern auf diesem gleichzeitig. „Wenn man nicht nur Lippenbekenntnisse zum Umwelt- und Naturschutz will, dann muss man für die Vogelmengen auch Rückzugsräume schaffen“, so Brandt: „Nur 17 Prozent der Wasserfläche stehen derzeit unter Naturschutz und davon wäre aufgrund der niedrigen Wasserstände ohnehin nur etwa ein Viertel für den Wassersport nutzbar.“

In dem Entwurf zur neuen LSG-Verordnung ist eine Wasservogelschutzzone vorgesehen, die zum Schutz der Zugvögel eine Sperrung von weiteren drei bis vier Prozent der Wasserfläche für nur sechs Wochen im Jahr vorsieht. „Das ist in Kombination mit dem nur wenige Menschen betreffenden Winterfahrverbot der Mindestumfang dessen, was naturschutzfachlich erforderlich ist“, so Brandt.

Von der Notgemeinschaft Steinhuder Meer und dem Geschäftsführer der Steinhuder-Meer-Tourismus-Gesellschaft, Willi Rehbock, erwarten Beuster und Brandt in der Diskussion mehr Sachlichkeit.

So zu tun, als ob der Naturschutz für den Tourismus keinen Spielraum lassen würde, sei falsch und das gezielte Streuen von Falschinformationen sei angesichts der steigenden Zahl von Naturbeobachtern unter den Touristen auch nicht zeitgemäß, heißt es dazu abschließend.

Zum Artikel

Erstellt:
9. September 2020, 17:49 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 03sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.