Forensiker ermitteln am Tatort. Foto: Victoria Jones/PA Wire/dpa

Forensiker ermitteln am Tatort. Foto: Victoria Jones/PA Wire/dpa

London 03.02.2020 Von Deutsche Presse-Agentur

Britische Regierung will Umgang mit Terroristen verschärfen

Nach der Terrorattacke in London hat die britische Regierung „fundamentale Änderungen“ im Umgang mit verurteilten Straftätern angekündigt.

„Es gab nichts, was man hätte machen können, um ihn (den Attentäter) bei der bestehenden Gesetzeslage hinter Gittern zu halten“, sagte ein Regierungsmitarbeiter dem Nachrichtensender Sky News. Premier Boris Johnson hatte in der Nacht eine Krisensitzung mit Innenministerin Priti Patel und Vertretern der Polizei einberufen. Das Ergebnis wollte er noch heute vorstellen. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan warf der Regierung „Mangel an Fortschritt“ vor. Die Attacke sei vorhersehbar gewesen, sagte der Politiker der oppositionellen Labour-Partei dem Sender ITV. Der einschlägig vorbestrafte Attentäter Sudesh Amman verletzte mit einer Stichwaffe mehrere Menschen und wurde von Polizisten erschossen, die ihn beschattet hatten. Die Beamten seien Teil einer „vorbeugenden Anti-Terror-Operation“ gewesen, teilte die Polizei mit. Der 20 Jahre alte Täter war erst kürzlich nach der Hälfte einer Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen worden. Der Vorfall ereignete sich in einer belebten Einkaufsstraße im Süden der Hauptstadt. Amman war 2018 zu drei Jahren und vier Monate Haft verurteilt worden, weil er Material für einen islamistisch motivierten Terroranschlag gesammelt und Propaganda verbreitet hatte. Laut dem „Independent“ soll er einmal sogar seine Freundin aufgefordert haben, ihre Eltern zu enthaupten, weil diese Ungläubige seien. Dem „Guardian“ zufolge schrieb er aus dem Gefängnis an die Freundin: „Wenn man keine Bombe herstellen kann, weil dich die Familie, Freunde oder Spione beobachten oder im Verdacht haben, dann nimm' ein Messer, einen Molotow-Cocktail ... oder ein Auto in der Nacht und greife an ...“. Trotzdem kam er Ende Januar vorzeitig auf freien Fuß. Da er weiterhin als gefährlich galt, stand er unter besonderer Beobachtung der Polizei. Der Fall weckt Erinnerungen an eine Messerattacke nahe der London Bridge Ende November. Damals hatte ein auf Bewährung freigelassener Terrorist mitten im Stadtzentrum zwei Menschen getötet und drei weitere verletzt, bevor er von der Polizei erschossen wurde.

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Erstellt:
3. Februar 2020, 10:53 Uhr
Lesedauer:
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