11.11.2012

Auch Hoyas Synagoge völlig zerstört

Freitagabend eindrucksvolles Gedenken an den 74. Jahrestag der Reichspogromnacht

Von Horst Achtermann

Hoya. In den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 wurde die Hoyaer Synagoge von den Nazis in Brand gesetzt und vollkommen zerstört. Am Freitagabend erinnerte Pastor Andreas Ruh im Rahmen einer Gedenkveranstaltung am Ort des schrecklichen Geschehens in der Deichstraße 31 an dieses Verbrechen.

Die IG Synagoge mit Heike Huth, Monika Stollmann und Henry Meyer führten die zahlreichen Anwesenden zum ersten Mal auf das Synagogengrundstück. In Glasvitrinen wurde der Einband eines Protokollbuches aus dem Jahr 1850 gezeigt, das der Interessengruppe überbracht worden ist. „Leider mit herausgerissenen Seiten, aber als authentischer Gegenstand aus der Synagoge von hohem Wert“, dankte Heike Huth dem Überbringer. Neben einer Teilansicht der Vorderfront der Synagoge zeigt ein weiteres Foto den reich verzierten Ständer auf dem eine der Torarollen befestigt gewesen sein soll. „Dieser Ständer soll von der Synagogengemeinde in Notzeiten gegen Kolonialwaren und Kohlen bei einem Hoyaer Händler eingetauscht worden sein“, berichtet Henry Meyer.

Der Grundriss des Synagogengebäudes mit elf Metern Breite und 19 Metern Länge ergeben 200 Quadratmeter. Die Interessengruppe hatte das Areal mit roten Kerzen sichtbar abgesteckt. „Geben sie ihrer Phantasie freien Lauf“, so Heike Huth, Monika Stollmann und Henry Meyer. Sie führten gedanklich durch die Synagoge. „Das Tonnengewölbe wird getragen von Säulen. Links und rechts befinden sich Pultbänke. Bänke für 40 Männerplätze und auf einer Empore 30 Frauenplätze. Auf der nach Jerusalem, also nach Osten, gerichteten Seite steht der ‚Aron ha Kodesh‘, der Toraschrein. Die Torarollen enthalten den Text der fünf Bücher Mose.“ Die Vortragenden beschreiben den Ablauf eines jüdischen Gottesdienstes und die Einrichtung der Synagoge. Zeitzeugen berichteten, dass vor der Brandstiftung sämtliches Mobilar und Archivgut aus der Synagoge geborgen worden sein soll. „Wo sind all die Schätze geblieben, über 70 Jahre nach der Pogromnacht wäre es doch an der Zeit, dieses Kulturgut, wenn tastsächlich noch vorhanden, zurückzugeben“, so die IG Synagoge.

Pastor Andreas Ruh gedachte zum Schluss der Gedenkfeier an die über 40 Personen, die mit Hoya verbunden waren und durch die Nazis ums Leben kamen. Konfirmanden zündeten zum Gedenken an die jüdischen Familien, die in Hoya lebten, Kerzen

Die Herausgabe der Broschüre des Landschaftsverbandes Weser-Hunte über „Stätten jüdischer Kultur und Geschichte“ in den Landkreisen Diepholz und Nienburg nahm die IG Synagoge zum Ablass, die Hoyaer Synagoge auch dort näher vorzustellen. Die Broschüre ist kostenlos im Rathaus Hoya und bei der Firma Huth zu bekommen.

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Erstellt:
11. November 2012, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 17sec

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