Jeder fünfte Mensch erkrankt im Lauf seines Lebens an einer Depression. Justine Hoffmann und Michelle Beljakow

Jeder fünfte Mensch erkrankt im Lauf seines Lebens an einer Depression. Justine Hoffmann und Michelle Beljakow

The Rake 06.12.2017 Von Die Harke

Auch Kinder können an Depressionen leiden

Die unterschiedlichen Arten von Depressionen

In Deutschland erkranken jedes Jahr ein bis zwei Prozent der Bevölkerung erstmals an Depressionen. Durchschnittlich sind in einem Jahr circa vier Millionen Menschen depressiv krank. Weltweit leiden inzwischen circa 350 Millionen Menschen unter einer Depression, welche zu der häufigsten und gleichzeitig folgereichsten Erkrankung zählt. Jeder fünfte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Depression.

Dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer und suchen in der Regel schneller nach Hilfe. Zudem können Depressionen nicht nur im Erwachsenenalter auftreten, sondern auch in der Kindheit. Anfangs klagen viele Betroffene über einen Leistungsabfall, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Dazu kommen Lustlosigkeit, Freude- und Interessenverlust und häufig auch ein Rückzug aus dem sozialen Leben. Einige Betroffene empfinden Gleichgültigkeit, andere hingegen tiefe Traurigkeit. Major Depression

Bei der Major Depression handelt es sich um eine schwere Form der depressiven Erkrankung. Diese läuft üblicherweise in Episoden ab. Das heißt es gibt Zeitabschnitte, in welchen depressive Symptome bei den Betroffenen auftreten und auch ohne Behandlung verschwinden.

Diese Episoden beginnen meistens langsam, also über mehrere Wochen oder Monate, sie entstehen in seltenen Fällen plötzlich. Die Dauer einer Episode ist unterschiedlich und kann von mindestens zwei Wochen bis über mehrere Jahre reichen. Bei einer Dauer von weniger als zwei Wochen spricht man nicht von einer Major Depression. Allerdings gehen die meisten depressiven Episoden innerhalb von sechs Monaten zurück.

Zu den Hauptsymptomen einer Major Depression zählt die depressive Stimmung, der Interessenverlust sowie die Freudlosigkeit, aber auch der Antriebsmangel und die erhöhte Ermüdbarkeit. Neben diesen Hauptsymptomen, können bei einer schweren Depression zusätzlich psychotische Symptome wie Wahngedanken oder Halluzinationen und depressiver Stupor (Bewegungslosigkeit) auftreten.

Zudem besteht bei den Betroffenen die Tendenz, Suizid zu begehen. Dieses Risiko wird unter anderem durch starke Angst, anhaltende Schlaflosigkeit sowie Hilf- und Hoffnungslosigkeit verstärkt. Deshalb sollte die Depression keinesfalls verharmlost werden, denn es handelt sich hierbei um eine ernstzunehmende psychische Störung.

Psychotische Depression

Bei einem von 100 Betroffenen kommt es zu einer psychotischen Depression, gekoppelt mit Wahnvorstellungen.

Die psychotische (wahnhafte) Depression ist die Steigerung einer schweren Depression, bei der sogenannte Wahngedanken sowie Halluzinationen auftreten. Hier tritt häufig die Problematik auf, dass der Betroffene nicht überzeugt werden kann, dass die Ängste, die er hat, unbegründet sind. Die Unterart der schweren depressiven Störung zeichnet sich durch verschiedene psychotische Merkmale aus. Betroffene leiden unter dieser Art von Depression äußerst stark, da sie Teile ihres Lebens für sie und ihre Umwelt stark beeinträchtigen.

Rund 20 Prozent der Erkrankten leiden neben den depressiven Symptomen zusätzlich unter Wahnvorstellungen. Diese stehen meist in Verbindung zu den depressiven Gedanken. Hierbei gibt es differenzierte Wahnideen. Der Schuld- und Verarmungswahn löst bspw. bei den Betroffenen aus, dass sie sich finanziell „arm“ fühlen. Wichtig hierbei ist, dass dies nicht der Realität entspricht und allein durch die psychotische Depression ausgelöst wird.

Die psychotische Depression weißt viele verschiedene Symptome auf. Diese beginnen häufig mit Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit und Rückzug aus dem sozialen Umfeld.

Das psychotische Krankheitsbild äußert sich durch Trugwahrnehmungen oder mögliche Sinnestäuschungen. Zudem können verschiedene Wahnstörungen auftreten, diese können unterschiedlich ausgeprägt sein und von Stunde zu Stunde variieren.

Fokussiert man sich auf die Depression so sind depressive oder hoch gestimmte Gemütsstörungen Anzeichen für die Erkrankung. Auch hier liegt eine unterschiedliche Ausprägung der Stärke und Länge vor. Des Weiteren treten Symptome wie Unruhe, Wut, Schlafstörungen und verminderter Appetit sowie Suizidgedanken auf.

Bipolare Störung

Die bipolare Störung, auch manisch-depressive Erkrankung genannt, ist eine Erkrankung, bei der sich depressive Episoden mit manischen bzw. hypomanischen Phasen abwechseln. Es folgen also depressive Phasen auf Phasen voller Euphorie und Tatendrang. Diese Erkrankung kann vor allem in jungen Jahren erstmals auftreten. Im Unterschied zur Depression entwickeln sich bei der bipolaren Störung, die typischen manischen Phasen ziemlich schnell. Innerhalb weniger Tage lässt die Manie die Betroffenen vor Energie übersprudeln und treibt sie zu Höchstleistungen.

Bei einer hypomanen Episode kommt es an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen zu einer ungewöhnlich gehobenen oder gereizten Stimmung. Außerdem sind die Betroffenen in dieser Episode unruhig, verspüren eine gesteigerte Aktivität, sind gesprächig oder haben ein vermindertes Schlafbedürfnis.

Bei einer manischen Episode hingegen ist die Stimmung für mindestens eine Woche ungewöhnlich gehoben oder gereizt. Hierbei stellen die Symptome eine Beeinträchtigung der Lebensweise dar. Es treten oft Merkmale wie gesteigerte Aktivität, Ruhelosigkeit, Rededrang oder Ideenflucht auf.

Allerdings berichten rund 75 Prozent der Erkrankten, ihre Erkrankung habe mit einer depressiven Phase begonnen.

Ein bis drei von 100 Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer bipolaren Störung. Anders als bei den rein depressiven Erkrankungen sind Männer und Frauen hier gleich häufig betroffen. Oftmals liegen bei Menschen mit einer bipolaren Störung weitere psychische Störungen vor wie beispielsweise Angst-, Zwangs- und Suchterkrankungen.

Behandlung

Den Begriff Depressionen kann man nicht pauschalisieren, da es verschieden stark ausgeprägte Arten der Depression gibt, deren Behandlung individuell angepasst werden muss.

Bei leichten bis mittelschweren Depressionen wird hauptsächlich die kognitive Verhaltenstherapie, sprich eine Therapie ohne medikamentöse Behandlung, eingesetzt.

Diese Art Therapie versucht schrittweise die negativen und belastenden Gedanken sowie Gefühle zu überwinden und so eine Verbesserung zu erzielen. Hier versucht man, dass der Betroffene sich über seine Gedanken, Einstellungen sowie Erwartungen klar wird, um die belastenden Ansichten zu erkennen und zu verändern.

Die kognitive Therapie setzt den Blickwinkel darauf, dass die Bedeutung, die wir gewissen Dingen zuordnen, unter anderem Ursache dafür sein kann, dass wir gewissen Problematiken in Dingen und Situationen wahrnehmen. Die persönliche Ansicht gilt also als Ansatzpunkt für eine gezielte Veränderung der Gefühlslage.

Diese Art Verhaltenstherapie basiert auf der Annahme, dass Verhaltensweisen erlernt sowie verlernt werden können. Die Zielsetzung liegt hierbei darin, problematische Verhaltensmuster zu erkennen und eine Änderung zu erzielen.

Liegt eine schwere Depression vor, so wird in der Regel eine zusätzliche medikamentöse Behandlung angewandt. Zusätzlich zur Psychotherapie werden Antidepressiva als „Stimmungsaufheller“ verschrieben. Hierbei muss man sagen, dass Medikamente lediglich die Symptome lindern können.

Zusätzlich wird Sport empfohlen, da körperliche Aktivität die Stimmung verbessert und den Antrieb steigert.

Medikamente

Das Antidepressivum ist das am häufigsten verwendete Medikament gegen Depressionen. Wissenswert ist jedoch, dass es unterschiedliche Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen gibt. Sie werden jeden Tag über einen bestimmen Zeitraum eingenommen.

Vermutet wird, dass Depressionen eine verlangsamten Übertragung von Nervenzellen sowie eine Veränderung des Stoffwechsels im Gehirn zugrunde liegen. Antidepressiva wirken auf den Hirnstoffwechsel ein und beeinflussen die Reizübertragung zwischen den Nervenzellen. Allerdings dauert es einige Wochen bis die Tabletten wirken.

Diese Art Tabletten haben jedoch einige Nebenwirkungen. Diese wären unter anderem Mundtrockenheit, Kopfschmerzen sowie Kreislaufprobleme, innere Unruhe und Störungen der Sexualität.

Diese treten meist in den ersten Wochen der Einnahme auf. Hierbei muss man bemerken, dass die Nebenwirkungen von Mensch zu Mensch anders sind. Pflanzliche Arzneimittel kommen ebenfalls vor, um Depressionen zu vermindern. Das gängigste pflanzliche Mittel zur Behandlung wird aus Johanniskraut hergestellt. Diese werden häufig bei leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt.

Frauen sind häufiger von Depressionen betroffen als Männer. Justine Hoffmann und Michelle Beljakow

Frauen sind häufiger von Depressionen betroffen als Männer. Justine Hoffmann und Michelle Beljakow

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Erstellt:
6. Dezember 2017, 21:00 Uhr
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