Ursula Isenbeck bei der Überreichung des Andachtsbuchs im September 2017. Heimatmuseum Hoya

Ursula Isenbeck bei der Überreichung des Andachtsbuchs im September 2017. Heimatmuseum Hoya

Hoya 25.01.2018 Von Die Harke

Auch auf lokaler Ebene wird erinnert

Am 27. Januar ist Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus / Heimatverein Hoya verweist auf Buch über Familie Isenbeck

Vor 22 Jahren erklärte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum nationalen Gedenktag in Deutschland für die Opfer des Nationalsozialismus. Seit 2005 ist dieser durch einen Beschluss der Generalversammlung der Vereinten Nationen auch internationaler Gedenktag. Das Datum bezieht sich auf die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945. Aus diesem Anlass verweist das [DATENBANK=980]Heimatmuseum Hoya[/DATENBANK] auf das aktuelle Buch von [DATENBANK=979]Elfriede Hornecker[/DATENBANK] „Woher. Wohin. Jüdische Familien im Hoyaer Land.“ Der Heimatverein schreibt: „Die Erinnerung darf nicht enden“, sei ein Teil des Appells von Herzog an die Deutschen gewesen. Doch in vielen Fällen habe die Erinnerung erst wieder aufgenommen werden müssen.

So auch in Hoya, von wo aus zu Beginn der 1990er Jahre Kontakte zu Überlebenden und Nachfahren von jüdischen Mitbürgern der Stadt gesucht wurde. Der bis heute aktive Kontakt zu Marion Blumenthal, die inzwischen Ehrenbürgerin der Stadt und auch Namensgeberin der Oberschule ist, zeuge von dieser Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Weniger im Fokus stehe die Geschichte der Familie Isenbeck. Otto Isenbeck prägte als Stadtdirektor das Bild Hoyas in der Nachkriegszeit und stand im Licht der Öffentlichkeit. Seine jüdische Frau Gertrud entging der Verhaftung und Deportation um Haaresbreite, versteckt und doch allen Hoyaern bekannt. Sie litt bis zu ihrem Tod unter den Ängsten, die über Jahre ihr Leben bestimmt hatten.

Nach jahrzehntelangem Schweigen schrieb ihre Tochter Ursula Isenbeck die Geschichte ihrer Familie auf und übergab sie dem Heimatmuseum Hoya zur Veröffentlichung in dem Buch „Woher. Wohin. Jüdische Familien im Hoyaer Land“.

Bei der Präsentation dieses Buches schenkte sie dem Museum das Andachtsbuch ihrer Mutter – ein viel benutztes, zerlesenes Bändchen, das jüdischen Frauen und Mädchen Texte für kurze Andachten anbietet und damit einen tiefen Einblick in ihre Geistes- und Lebenswelt gewährt

Ursula Isenbeck wünschte sich, dass dieses Geschenk nicht in einer Vitrine verstaubt, sondern von Interessierten ausgeliehen und gelesen wird. Es soll von Hand zu Hand gehen und darf dabei ruhig neue Spuren der Benutzer annehmen. Wer das winterliche Schmuddelwetter für ein Lesestündchen nutzen will, kann sich an das Heimatmuseum Hoya wenden - damit die Erinnerung nicht endet, heißt es abschließend.

Elfriede Hornecker: „Woher. Wohin. Jüdische Familien im Hoyaer Land“ ist erhältlich für 20 Euro, mit DVD (Dokumentation über den jüdischen Friedhof Hoyerhagen) für 25 Euro, bei den örtlichen Buchhändlern und über das Heimatmuseum Hoya.

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Erstellt:
25. Januar 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 14sec

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