15.12.2013

Auch für Alten-Pflegerinnen

In Estorf startet am 6. Januar wieder der Plattdeutsch-Unterricht

Estorf. Plattdeutsch hat keinen leichten Stand. Die einstige „Welt“-Handelssprache ist auf dem absteigenden Ast, das weiß man auch bei der „Arge Platt“ im Heimatverein Estorf. Aber Rudi Niemann und seine Mitstreiterinnen wissen auch, dass es immer noch viele Menschen gibt, die die alte Sprache (besser) beherrschen wollen: Die Nachfrage nach dem Plattdeutsch-Unterricht der Arbeitsgemeinschaft ist ungebrochen. Am Montag, 6. Januar, beginnt der nächste Unterrichts-Block. Zu Zeiten der Hanse, sagt Rudi Niemann, war Platt die Geschäftssprache zwischen London und Nowgorod, Bergen und Köln. Wer Wein nach Danzig oder Pech nach Brügge verkaufen wollte, kam ohne Plattdeutsch nicht aus. Das ist lange her, doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Niedergang der Sprache. „Ich habe damals in der Schule Hochdeutsch noch als Fremdsprache lernen müssen“, erinnert sich der ehemalige Estorfer Bürgermeister, der mit Lieschen Hanske und Elfriede Geberding den Plattdeutsch-Unterricht organisiert.

„Wir wissen, dass wir die Sprache nicht retten können“, sagen die drei. „Aber wir wollen unseren Beitrag leisten, um sie so lange wie möglich zu erhalten.“ Es gebe viele Menschen, die Platt verstünden, sich aber nicht trauten, selbst zu sprechen. Und nicht wenige wollen sie von Grund auf lernen, denn sie zu können, hat Vorteile: „Wer in der Gegend geschäftlich zu tun hat, macht einen guten Eindruck, wenn er Platt kann“, weiß Rudi Niemann. „Selbst wenn Hochdeutsch gesprochen wird – es kommt gut an, wenn man Plattdeutsch beherrscht.“

Junge Frauen, die sich in Nienburg zu Altenpflegerinnen ausbilden lassen, wollten lieber Plattdeutsch als Englisch oder Russisch lernen, denn das macht ihnen die Arbeit mit den Senioren leichter, und es freut die alten Menschen, die vertraute Sprache zu hören. Zwei Plattdeutsch-Grundkurse hat die Arge Platt für einen Bildungsträger bereits organisiert.

Der am 6. Januar in der Scheune Brösking im Scheunenviertel beginnende, acht Schulstunden bis zum 24. Februar umfassende Plattdeutsch-Unterricht beinhaltet zwar auch grundlegendes Regelwerk wie die Grammatik; vor allem geht es den Organisatoren aber um die Praxis: „Am besten lernt man eine Sprache, wenn man sie spricht“, sagen Elfriede Hanske, Lieschen Gerberding und Rudi Niemann.

Informieren kann man sich unter Telefon (0 50 24) 3 64 bei Elfriede Gerberding. DH

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Erstellt:
15. Dezember 2013, 00:00 Uhr
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