Pfarrer Thomas Jung. Thomas Jung

Pfarrer Thomas Jung. Thomas Jung

Nienburg 14.09.2019 Von Edda Hagebölling

Auch in Nienburg läuten die Glocken

Fridays for Future und die Kirche: Antworten von Superintendent Martin Lechler und Pfarrer Thomas Jung

„Am 20. September setzt die Welt ein Zeichen, und jede und jeder ist aufgerufen, dabei zu sein: Wir müssen jetzt und nicht irgendwann entscheidende Schritte für den Schutz des Klimas und die Zukunft unserer Erde tun.“ Mit diesen Worten hat Landesbischof Ralf Meister alle Christinnen und Christen Anfang der Woche aufgerufen, sich am kommenden Freitag am globalen Klimastreik aufzurufen.

Wie es die Kirchenoberhäupter vor Ort mit der Fridays-for-Future-Bewegung halten, wollte die HARKE am Sonntag Nienburgs Superintendent Martin Lechler und dem Chef der katholischen Gemeinde, Pfarrer Thomas Jung wissen. Und auch, ob auch in Nienburg dir Kirchenglocken läuten werden.

Superintendent Martin Lechler schreibt:

Das Anliegen der Fridays-For-Future-Bewegung ist auch ein zutiefst biblisches. Schon im Schöpfungsbericht der Bibel gehört es zum Grundauftrag des Menschen, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Die sicht- und spürbaren Auswirkungen des jahrzehntelangen Raubbaus an der Schöpfung erleben wir deutlich wie selten an dem rasanten Klimawandel – verursacht nicht nur durch falsche Entscheidungen durch die Großen in Industrie und Politik, sondern auch durch unser ganz persönliches, oft sehr umweltschädliches Verhalten.

Ein Umdenken auf allen Ebenen ist notwendig, um die gute Schöpfung Gottes für unsere Nachkommen zu erhalten. Deshalb diskutieren wir in vielen kirchlichen Gesprächskreisen, was unser ganz persönlicher Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung sein kann, in Predigten und Ansprachen regen wir zum Nachdenken an und achten bei der Bewirtschaftung unserer kirchlichen Gebäude auf die Möglichkeiten des Umweltschutzes.

Ich finde die Initiative der Fridays-Bewegung junger Menschen ganz großartig und möchte ihnen durch meine Teilnahme an der Demonstration am 20. September meinen Respekt und meine Unterstützung zeigen.

Für alle, denen der Weg der Jugendlichen in die Innenstadt zu anstrengend ist oder die nicht so viel Zeit haben, bieten wir um 12.15 Uhr eine kurze Andacht in der Martinskirche an, zu welcher die Glocken läuten werden, bevor dann um 12.30 Uhr die Abschlusskundgebung auf dem Kirchplatz stattfindet. Ich freue mich, dass etliche Mitglieder unserer Kirchenkreiskonferenz als Ordnerinnen und Ordner die Demonstration begleiten werden.

Und Pfarrer Thomas Jung antwortet:

Wir werden uns als Kirchengemeinde am Klimastreik nicht beteiligen. Gleichwohl halten wir den Klimaschutz für eine der vordringlichsten Aufgaben der Zukunft. Die Generaldebatte im Bundestag am 10. September hat gezeigt, dass die Dringlichkeit des Themas nur bei einer von fünf Fraktionen nicht so richtig angekommen zu sein scheint. Die richtigen gesellschaftlichen Steuerungsmechanismen zu finden, ist keine leichte Aufgabe für die Politik.

Die von Greta Thunberg mutig angestoßene Sensibilisierung hat darüber hinaus breite Bevölkerungsschichten erreicht. Jetzt kommt es auf unserer Sicht mehr darauf an, das eigene Konsumverhalten zu überdenken und klimafreundlicher zu gestalten. Das wird nicht ohne Umdenken und Verzicht gehen, auch wenn die Angebote klimaschädlicher Produkte im Bereich Mobilität, Ernährung, Kleidung, Einkaufsverhalten, Energie- und Ressourcenverbrauch etc. noch so verlockend erscheinen.

Glocken dürfen in der kath. Kirche leider nur zu Gottesdiensten läuten.

Superintendent Martin Lechler Martin Lechler

Superintendent Martin Lechler Martin Lechler

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Erstellt:
14. September 2019, 22:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

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