In Potsdam ist ein Baum wegen des Sturmtiefs Zeynep auf einen Weg gefallen. Foto: Fabian Sommer/dpa

In Potsdam ist ein Baum wegen des Sturmtiefs Zeynep auf einen Weg gefallen. Foto: Fabian Sommer/dpa

Berlin 20.02.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Wetterdienst: Sturmlage noch bis morgen durchstehen

Sturm und kein Ende: Mit „Antonia“ bringt in der Nacht auf Montag ein weiteres Sturmtief vor allem im Nordwesten und Westen teils orkanartige Böen. Erst ab Montagabend beruhige sich das Wetter, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach.

„Die Sturmlage müssen wir bis zum Montag noch durchstehen“, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. „Antonia“ kann der DWD-Prognose zufolge beim Durchzug von Nordwest nach Südost nicht nur Böen mit bis zu 115 Kilometer pro Stunde Windgeschwindigkeit bringen, sondern auch kräftige Schauer und Gewitter.

In der Nacht (22.00 Uhr bis 9.00 Uhr) könne es in Teilen der Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern orkanartige Böen in Verbindung mit Schauern und einzelne Gewittern geben, warnte der DWD am Sonntagnachmittag. Es müsse mit entwurzelten Bäume, herabstürzenden Dachziegeln und örtlichen Blitzschäden gerechnet werden.

Gefahr geht von Bäumen aus

Besondere Gefahr geht zudem von Bäumen aus, wie DWD-Experte Adrian Leyser erklärte: Schon durch die vorangegangenen Stürme in Mitleidenschaft gezogene und in stark aufgeweichtem Boden stehende Bäume könnten leicht umstürzen.

Ab Sonntagabend, 21.00 Uhr, soll der Wind deutlich zulegen und in Verbindung mit einer Kaltfront von Nordwest nach Südost durchs Land ziehen, heißt es vom DWD. Zwischenzeitlich bestehe die Gefahr heftiger Stürme und orkanartiger Böen mit bis zu 115 km/h Windgeschwindigkeit. Dazu müsse mit kräftigen Schauern und Gewittern gerechnet werden. Der DWD kündigte für die Nacht besonders im Westen Orkanböen an. Auch an der Ostsee können orkanartige Böen bis in den Montagvormittag hinein anhalten. Über der Mitte sei die Gefahr von schweren Sturmböen allerdings nicht ganz so hoch.

Am Morgen erreicht die Kaltfront dann das Alpenvorland. Besonders in Südbayern seien orkanartige Böen nicht ausgeschlossen. Zum Mittag beruhige sich die Unwetterlage dann etwas. „Aber auch der Montag bleibt ein windiger, stürmischer Tag mit viel Regen“, so der Meteorologe. Oberhalb von 400 bis 600 Metern falle Schnee. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 5 und 11 Grad, im Bergland bleibt es etwas kühler.

Gegen Abend werde der Wind dann spürbar ausgebremst und ab Dienstag entspanne sich die Lage deutlich. „Der Wind wird die Woche aber weiter Thema bleiben“, erklärte der Meteorologe. „Allerdings wird das eine ganz andere Hausnummer als das, was wir in diesen Tagen erleben.“

Unfälle und Schäden durch „Ylenia“ und „Zeynep“

In den vergangenen Tagen hatten die Orkantiefs „Ylenia“ und „Zeynep“ tödliche Unfälle und immense Schäden verursacht. Wegen der Räumung umgestürzter Bäume und beschädigter Oberleitungen müssen Bahnreisende vor allem im Norden Deutschlands weiter mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Bis mindestens Montagnachmittag werde es starke Beeinträchtigungen geben, teilte die Bahn mit.

Sturmtief „Ylenia“ hatte von Mittwoch an gewütet, mindestens drei Menschen waren bei Unfällen gestorben. „Zeynep“ hatte darauf folgend zum Start ins Wochenende für Sturmflut im Norden, Ausfälle im Bahnverkehr und Unfälle auf den Straßen gesorgt. Mindestens drei Menschen starben in Deutschland. Hamburg erlebte erstmals seit 2013 wieder eine sehr schwere Sturmflut mit mehr als 3,5 Metern über dem mittleren Hochwasser. In der Hansestadt stürzten zudem bei einem viergeschossigen Wohnhaus Teile der Fassade ein, in Bremen krachte ein 55 Meter großer Baukran in ein im Rohbau befindliches Bürogebäude. In Bad Zwischenahn (Niedersachsen) kippte eine rund neun Meter hohe Fichte auf ein Klinikgebäude, verletzt wurde niemand. Die Nordseeinseln Wangerooge und Langeoog büßten erhebliche Teile ihres Badestrandes ein.

Bahn: Sturmschäden

stärker als erwartet

Die schweren Stürme in den vergangenen Tagen haben im Streckennetz der Bahn noch mehr Schäden hinterlassen als zunächst gedacht. Dies sei bei weiteren Erkundungsfahrten und Helikopter-Flügen festgestellt worden, teilte die Deutsche Bahn mit. „Seit Beginn der Unwetterserie am Mittwochabend waren zwischenzeitlich insgesamt über 6000 Kilometer des Streckennetzes nicht befahrbar“, sagte ein Sprecher. Derzeit seien noch 874 Kilometer Bahnstrecken von Schäden betroffen, hieß es am Sonntagmittag.

Besonders im Norden und Nordosten Deutschlands müssten Reisende bis mindestens Montagnachmittag mit starken Beeinträchtigungen rechnen. Die Bahn riet dazu, Reisen von und nach Hamburg möglichst zu verschieben. Zwischenzeitlich seien jedoch zwischen Hamburg und Hannover wieder Fernverkehrszüge unterwegs - mit Umleitung über Bremen und 60 Minuten längerer Fahrtzeit. Seit dem Mittag gebe es auch wieder Züge von Stuttgart beziehungsweise München über Köln - Dortmund nach Bremen und Hamburg.

Extrem betroffen sei unter anderen die Strecke zwischen Hannover und Hamburg. Hier seien reihenweise Bäume umgemäht und kilometerlange Schäden an den Oberleitungen zu verzeichnen. Zudem müssten Oberleitungsmasten teilweise komplett neu gesetzt werden. Im Bereich Uelzen südöstlich von Hamburg muss die Oberleitungskonstruktion auf einer Länge von 600 Metern komplett neu aufgebaut werden.

Metronom stellt Zugverkehr wieder ein

Aufgrund der neuen Unwetterwarnung stellt die Eisenbahngesellschaft Metronom den Zugverkehr am Sonntag wieder schrittweise ein. Nach 21.00 Uhr seien keine Züge von Metronom, Enno und Erixx mehr unterwegs, kündigte das Unternehmen in Uelzen an. Voraussichtlich bis Montagnachmittag sei ein Bus-Notverkehr geplant. Am Sonntag waren zunächst auf vielen Strecken wieder Züge gefahren, es kam allerdings zu Zugausfällen, Verspätungen und Fahrplanabweichungen.

© dpa-infocom, dpa:220220-99-210975/19

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Erstellt:
20. Februar 2022, 17:51 Uhr
Lesedauer:
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