Auf dem Weg ins Klimaparadies?
Landkreis 16.08.2020 Von Edda Hagebölling

Auf dem Weg ins Klimaparadies?

Guten Tag

Nienburgs Klimabilanz ist schlecht. Der Co-Ausstoß pro Kopf und Jahr beträgt aktuell fast 14 Tonnen. Zum Vergleich: Kreisweit liegt dieser Wert knapp über acht Tonnen, bundesweit sind es knapp zehn.

Ähnlich wenig schmeichelhaft der Pro-Kopf-Stromverbrauch: in Nienburg fast 9.000 Kilowattstunden, deutschlandweit: etwas über 7.000. Und zu guter Letzt der Verbrauch von Erdgas. Nienburg: 12.000 Kilowattstunden pro Person, Deutschland: etwas über 10.000. Dem soll jetzt entgegengewirkt werden.

Die Verwaltung hat einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, der – würde er umgesetzt – die Kreisstadt – zumindest gefühlt – ins Klimaparadies katapultieren würde: Ökologische Baugebiete, eine ökologische Straßenbeleuchtung, Photovoltaik- und Windkraftanlagen, energetische Sanierung der kommunalen Gebäude, günstigere Tickets für den – elektrischen – Stadtbus, ein Park&Ride-System, Fahrradstraßen, Verbot von Schottergärten und, und, und...

Steuern soll die Pläne ein eigener Klimaschutzbeauftragter, der nur der Verwaltungsspitze unterstellt ist. Lassen wir uns überraschen.

Optimistische stimmt dieser Vorstoß aber auch noch aus einem anderen Grund: Sollte der Eindruck, dass das Ringen um die „Wissensburg“ schon seit Monaten die komplette Stadtverwaltung lahm legt, doch täuschen? Wär ja schön.

Weniger schön ist dagegen, dass Corona immer noch unseren Alltag bestimmt. Dass mehr Mobilität und mehr Tests zu einem Anstieg der Zahlen führen würden, war zu erwarteten. Obwohl: im Landkreis Nienburg sind aktuell ganze zwei Personen infiziert.

In meinen Augen ein klares Indiz dafür, dass die Vorgaben Abstand, Mundschutz, Händewaschen längst selbstverständlich geworden sind. Auf Seite 2 appelliert Amtsärztin Heike Stiegler jedoch noch einmal eindringlich, die Dokumentationspflicht ernstzunehmen und die Angaben leserlich und vor allem auch wahrheitsgemäß vorzunehmen.

Um diesen Prozess zu beschleunigen, sind die ersten längst dazu übergegangen, die eigentlich längst aus der Mode gekommenen Adressetiketten wieder hervorzukramen. Etikett aufkleben, Uhrzeit und Unterschrift drauf, fertig.

Am Donnerstag sollte Heike Stiegler ja einen Anruf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erhalten. Die Amtsärztin hatte in einem offenen Brief darauf hingewiesen, dass nicht alles, was Politik anordnet, auch zielführend ist. Bayern lässt grüßen. Hätten auch Sie bei dem Telefongespräch gerne Mäuschen gespielt?

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Erstellt:
16. August 2020, 04:23 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 02sec

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