29 Franzosen besuchten das ehemalige Offizierslager an der Ziegelkampstraße und gedachten der 99 Getöteten Hagebölling

29 Franzosen besuchten das ehemalige Offizierslager an der Ziegelkampstraße und gedachten der 99 Getöteten Hagebölling

Nienburg 02.12.2017 Von Edda Hagebölling

Auf den Spuren der Väter und Großväter

29 Franzosen besuchten ehemaliges Offizierslager an der Ziegelkampstraße und gedachten der 99 Getöteten

Nienburg, Rethem, Heemsen, Wietzendorf und Bergen-Belsen waren die Stationen einer Kurzreise, die 29 Franzosen am vergangenen Wochenende nach Nienburg führte. Die Frauen und Männer, die überwiegend in Paris zuhause sind, wollten sich ein Bild von dem machen, was ihre Väter und Großväter im Zweiten Weltkrieg während ihrer Gefangenschaft in Nienburg und Umgebung erleiden mussten. Begleitet wurden sie am Sonnabend von Hans-Jürgen Sonnenberg. Beim Besuch des ehemaligen Offizierslagers waren außerdem Archivarin [DATENBANK=836]Patricia Berger[/DATENBANK], 1. Stadtrat [DATENBANK=89]Jan Wendorf[/DATENBANK] und Kasernenkommandant Maik Reichert dabei.

Der Langendammer [DATENBANK=6599]Hans-Jürgen Sonnenberg[/DATENBANK] hat bereits in zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen auf die Existenz des Offizierslagers (Oflags) für bis zu 2.000 Kriegsgefangene und das des Stammlagers (Stalag) zu beiden Seiten der Ziegelkampstraße hingewiesen.

Im Verlaufe seiner Recherchen wurde deutlich, dass es die französischen Offiziere in Nienburg noch relativ gut getroffen hatten. Sie waren in Steinbaracken untergebracht, die Zeit der Gefangenschaft konnten sie unter anderem mit Sport, Theater und Musizieren überbrücken. Bis zum 4. Februar 1945. Dazu wird der Zeitzeuge Willi Koch aus Nienburg wie folgt zitiert: Am Sonntag, dem 4. Februar 1945, war das Wetter über Deutschland schlecht, leichter Frost und verhangener Himmel. Der Tag war für die Gefangenen im Oflag in Nienburg trostlos wie viele andere vorher und ohne besondere Vorkommnisse verlaufen, bis um 19.40 Uhr, als im rechten hinteren Teil des Lagers eine Bombe explodierte.

In der etwas weiter entfernten Baracke 19 kamen ebenfalls viele Gefangene ums Leben.

Die Bombe hat sofort 92 Offiziere getötet, dabei 19 deren Körper später nicht identifiziert werden konnten und einen Soldaten. Vier Gefangene verstarben am 5. Februar, einer am 13. und ein weiterer am 23. Februar an den erlittenen Verletzungen. Die vier Zimmer der Baracke 9 und die vier Räume der Baracke 10, die am nächsten am Explosionsherd der Bombe lagen, hatten die meisten Todesfälle (jeweils 26 und 20 getötet). In den drei Zimmern auf der gegenüberliegenden Seite dieser Baracken wurden jeweils 18 und 10 Gefangene getötet. Es kamen 74 von 96 Offizieren innerhalb von 40 Metern vom Einschlag sofort zu Tode. 36 Offiziere überlebten die Explosion in den anderen umliegenden Räumen, die meisten waren jedoch verletzt. Im Zaun und im weiteren Umkreis lagen abgerissene Körperteile verstreut. Fast drei Tage dauerten die Rettungsarbeiten ununterbrochen an.

So gab es insgesamt 99 Todesfälle kurz vor der Befreiung des Lagers im April 1945. Etwa ein Drittel der Getöteten waren höhere Offiziere.

Die Zahl der Verletzten war hoch: 195 Offiziere und 33 Mannschaften und Unteroffiziere

Die Bestattung erfolgte am 9. Februar um 15 Uhr auf dem Leintorfriedhof in Nienburg. Die Getöteten sind mit Lastwagen zum Friedhof gebracht und dort in einer langen Grube beigesetzt worden.

Ein Gedenkstein auf dem Gelände des ehemaligen Oflags, das heute von der Bundeswehr als Ausbildungszentrum für Handwerk und Gebäudemanagement genutzt wird, erinnert an die bei dem Bombenabwurf getöteten 99 Offiziere.

Laut Kasernenkommandant Maik Reichert gibt es Überlegungen, den Gedenkstein öffentlich zugänglich zu machen und mit einer Infotafel oder ähnlichem zu versehen. Bisher kann die Gedenkstätte nur aufgesucht werden, wenn er Besuch angemeldet ist. 1. Stadtrat Jan Wendorf regte im Verlauf des Vormittags an, eine Übersicht über die in Stadt und Kreis Nienburg vorhandenen Gedenkorte anzulegen.

Im weiteren Verlauf ihres Aufenthalts statteten die Reisegruppe der vor kurzem eingeweihten Gedenkstätte in Heemsen und dem KZ Bergen-Belsen einen Besuch ab. Auch machten sie sich über Rethem und Düshorn auf den Weg nach Wietzendorf.

Denn: Zum Kriegsende wurden das Oflag und das Stalag zum Großteil evakuiert. Alle marschfähigen Offiziere und Mannschaften zogen am 5. April 1945 per Fußmarsch zum Lager Wietzendorf. Dort trafen sie am 9. April ein. Die nicht mehr verlegungsfähigen Soldaten blieben in Nienburg. Die deutsche Verwaltung übergab die Schlüssel an den französischen Lagerältesten des Oflag. Verbände der British Army nahmen Nienburg am 9. April ohne Gegenwehr ein und befreiten die Kriegsgefangenen.

Der Gedenkstein zu Ehren der 99 bei einem Bombenabwur getöteten Offiziere. Hagebölling

Der Gedenkstein zu Ehren der 99 bei einem Bombenabwur getöteten Offiziere. Hagebölling

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2. Dezember 2017, 21:00 Uhr
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