Mädchen und Jungen aus der Jugendwerkstatt des Landkreises Nienburg waren auf den Spuren der deportierten und getöteten jüdischen Familien Nienburgs unterwegs.  Foto: Landkreis Nienburg

Mädchen und Jungen aus der Jugendwerkstatt des Landkreises Nienburg waren auf den Spuren der deportierten und getöteten jüdischen Familien Nienburgs unterwegs. Foto: Landkreis Nienburg

Landkreis 25.07.2020 Von Die Harke

Auf den Spuren der jüdischen Familien

Ausflüge fördern Demokratieverständnis: Jugendwerkstatt erkundete Stolpersteine in Nienburg

Die Jugendwerkstatt Nienburg vermittelt nicht nur fachliche und schulische Qualifikationen. Die Einrichtung fördert mit Besuchen von Orten und Denkmalen der deutschen Vergangenheit auch das Demokratieverständnis junger Menschen. Erst kürzlich haben zehn Jugendliche die Stolpersteine im Stadtgebiet Nienburg erkundet und sich dabei mit der Nazi-Diktatur beschäftigt.

„Mit unseren Ausflügen und der inhaltlichen Vorbereitung setzen wir eine kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit in Gang und merken bei Teilnehmenden häufig eine daraufhin bewusstere Wertschätzung unserer Demokratie“, erläutert Karsten Schröter, Integrations-Coach der Jugendwerkstatt. Die Jugendlichen kommen aus bis zu fünf Nationen und bereiten sich in der Einrichtung gemeinsam auf einen beruflichen Lebensweg vor. Daneben unternehmen sie auch Exkursionen in nahe gelegene Einrichtungen und zu Denkmalen der deutschen Vergangenheit.

Ihren Ausflug Anfang Juli zu den Stolpersteinen im Stadtgebiet haben sie inhaltlich vorbereitet, indem sie sich mit der Lebensgeschichte der auf den Stolpersteinen in Nienburg verewigten Mitmenschen beschäftigt haben. Ein goldener Stein auf dem Straßenboden erinnert an Ernst Rose, der 1938 aufgrund der zunehmenden Repressalien der Nationalsozialisten Nienburg in Richtung USA verließ, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Auf einem anderen Stolperstein ist das Ehepaar Cohn verewigt, das 1941 in das Getto Riga und später nach Stutthof deportiert wurde. Rennée Cohn erlebte die Befreiung durch sowjetische Truppen und Martin Cohn wurde am 23. März 1945 im Konzentrationslager Buchenwald ermordet. Vor dem Hintergrund dieser Lebensgeschichten zeigten sich die jungen Leute beim Rundgang tief betroffen von den Auswirkungen der Nazi-Diktatur.

„Durch die Stolperstein-Tour, einen Besuch der Gedenkstätte Bergen-Belsen, der Pulverfabrik Liebenau oder der Alte Synagoge in Petershagen bekommen die Opfer ein Gesicht“, so fasst es eine Jugendliche zusammen, die an der zweistündigen Exkursion teilgenommen hat und zuvor bereits an anderen Ausflügen zu Gedenk- und Lernstätten teilgenommen hatte. Eine Reaktion, die für Karsten Schröter stellvertretend ist für viele junge Menschen, die an den zahlreichen Exkursionen dieser Art teilgenommen haben. Daher ist er überzeugt davon, dass Demokratieförderung dieser Art auch ungemein effektiv zur Vorbeugung extremistischen Gedankenguts beiträgt.

Die Jugendwerkstatt des Landkreises Nienburg vermittelt Jugendlichen bis 27 Jahren fachliche Qualifikationen für einen Berufseinstieg in den Bereichen Garten- und Landschaftsbau, Metall- und Fahrzeugtechnik, soziale Dienstleistungen und dem BASIS-Bereich für geflüchtete Mitmenschen und begleitet sie dabei sozialpädagogisch.

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Erstellt:
25. Juli 2020, 17:20 Uhr
Lesedauer:
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