Auf der Flucht das Becken gebrochen

Auf der Flucht das Becken gebrochen

Die kurdische Übersetzung des nebenstehenden Textes.

Im Mittelpunkt der heutigen Folge von „Willkommen in Nienburg“ steht der Bericht der Irakerin Seyran. Das Gespräch führte CJD-Mitarbeiterin Nurten Akan. Seyran K. erzählt:

Mein Name ist Seyran K. Ich bin 21 Jahre alt und komme aus dem Irak. Wir sind Ende 2014 nach Deutschland geflohen, seitdem wohne ich mit meiner Familie – meine Eltern und zwei Geschwister – in Haßbergen.

Mein Vater und meine Mutter besuchen momentan zusammen die VHS in Nienburg. Sie wollen dort Ihre B1- Prüfung machen. Wir Kinder gehen auf die BBS in Nienburg. Dort machen wir momentan eine EQ-Maßnahme, damit wir eventuell 2020 eine Ausbildung machen können.

Ich möchte gerne eine Ausbildung als Schneiderin absolvieren. Schon im Irak liebte ich es zu basteln und nähte gerne aus alten Kleidungen neue Stücke. Das mache ich auch heute noch gerne. Ich habe schon als Zehnjährige im Irak gerne genäht, und deshalb möchte ich diesen Beruf gerne erlernen, weil ich mich dieser Aufgabe gewachsen fühle. Mein Ziel ist es, nach meiner Ausbildung meinen Meister zu machen und mich dann damit selbstständig zu machen.

Mein Vater geht neben dem VHS-Kurs manchmal noch als Helfer auf dem Bau arbeiten, damit es uns finanziell besser geht. Der Weg nach Deutschland war sehr kostspielig, deshalb müssen wir heute noch unsere Schulden abbezahlen. Mein Vater sagte damals, dass uns die Flucht etwa 15.000 Euro gekostet habe. Das Geld haben wir uns damals von Bekannten und Verwandten aus Deutschland geliehen.

Wir sind sehr froh, dass wir hier in Deutschland sein können. Alleine schon damit, dass wir hier unseren Abschluss machen können, geht ein riesiger Traum für uns Kinder in Erfüllung.

Meine Mutter, die in der alten Heimat Erzieherin in einem Kindergarten war, ist auf Grund einer Fluchtverletzung nicht voll arbeitsfähig. Sie hat sich auf der Flucht nach Deutschland das Becken gebrochen. Während der zwei Wochen, die wir durch die Berge steigen mussten, ist sie einmal gestützt und sehr tief gefallen. Es dauerte etwa zwei Wochen, bis wir Hilfe bekamen.

Wir sind deswegen in die Berge von Sindschar geflüchtet, weil es in unserem Ort ein Massaker gab. Damals haben wir alles stehen und liegen gelassen und sind einfach geflüchtet.

Die Gesundheit meiner Mutter macht hier sehr große Fortschritte. Sie wurde operiert und bekommt noch heute Therapien, damit es ihr wieder besser geht. Meine zwei anderen Geschwister lernen gerade den Beruf des Malers und Maurers in der EQ- Maßnahme. Auch diese sind sehr zufrieden mit ihrem Job.

Wir haben alle auf Grund unserer Vorgeschichte in der Heimat und des Massakers einen unbefristeten Aufenthalt bekommen. Hierüber sind wir sehr froh. Da wir unsere alten irakischen Pässe und Beweise hatten, warum und wieso wir geflüchtet sind, ging es mit der Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung recht schnell. Dafür sind wir sehr dankbar.

Zum Abschluss wie immer der Hinweis auf das nächste Begegnungscafé der Kirchengemeinde St. Martin. Das Treffen findet am kommenden Dienstag, 6. August, wie immer ab 16.00 Uhr im Gemeindehaus am Kirchplatz statt. Alle sind herzlich eingeladen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg“, das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert und von der HARKE am Sonntag begleitet wird.