Ein Pfleger hält die Hand einer Bewohnerin. In 14 Pflegeheimen in Bremen gibt es einen Aufnahmestopp. Foto: dpa

Ein Pfleger hält die Hand einer Bewohnerin. In 14 Pflegeheimen in Bremen gibt es einen Aufnahmestopp. Foto: dpa

Bremen 03.01.2020 Von epd

Aufnahmestopp in 18 Heimen

Oft fehlt es in Bremen an Personal, aber es gibt ein ganzes Bündel an Gründen

Im Land Bremen hat die Heimaufsicht als zuständige Behörde seit Jahresbeginn für eine steigende Zahl von Altenpflegeheimen einen Aufnahmestopp verfügt. Zum Jahresanfang seien es 14 gewesen, zum Jahresende 18, bilanzierte der Sprecher der Sozialbehörde, Bernd Schneider, gegenüber dem epd.

Dafür gebe es ein Bündel von Ursachen. In den meisten Fällen fehle Personal, manchmal verbunden mit daraus resultierenden Pflegemängeln. Vereinzelt komme es auch zu Pflegemängeln, obwohl es am Personal nicht mangele. Für Niedersachsen gibt es laut Sozialministerium keine zentralen Zahlen.

Großes Problem Personalmangel

Damit sind im Land Bremen am Ende des Jahres mehr als zehn Prozent der Pflegeheime betroffen. In Bremen und Bremerhaven arbeiten derzeit nach Behördenangaben 153 Einrichtungen mit knapp 8.000 Plätzen. Zwölf Belegungsstopps seien von der Aufsicht verfügt worden, die übrigen gingen auf eine Vereinbarung mit dem Träger zurück oder die Träger hätten sie sich selbst auferlegt, erläuterte Schneider. Dadurch stünden gut 400 Betten nicht zur Verfügung.

Durch den Personalmangel und die in der Folge gesperrten Betten ist es oft schwierig geworden, pflegebedürftige Menschen in einem Heim unterzubringen – ein Problem, das nicht nur Bremen trifft. Vielerorts in Deutschland gibt es Wartelisten und zu wenig Fachkräfte. So werden nach einem Pflege-Report der AOK im Vergleich zu 2017 bis 2030 allein aufgrund einer älter werdenden Bevölkerung bundesweit zusätzlich rund 130.000 Pflegekräfte in der Langzeitpflege benötigt.

Land hält an Fachkraftquote fest

Heimbetreiber kritisieren, in Bremen müsse im Vergleich zu anderen Bundesländern mehr qualifiziertes Pflegepersonal vorgehalten werden. „Tatsächlich haben wir die Personalschlüssel in den Nachtschichten angehoben – von 1:50 auf 1:40“, sagte Schneider. Das Land halte überdies an einer Fachkraftquote von 50 Prozent fest. „Das bedeutet: Jede zweite Kraft in der Altenpflege muss eine gelernte Altenpflegefachkraft sein.“

Es gebe Bundesländer, in denen seien die Quoten niedriger, räumte Schneider ein. Er bekräftigte aber auch: „Aus unserer Sicht ist die Fachkraftquote essenziell für die Qualitätssicherung. Mit sinkender Fachkraftquote steigt das Risiko von Pflegemängeln. Weil Menschen in einer Pflegeeinrichtung in besonderem Maße schutzbedürftig sind, wollen wir die qualitativen Standards möglichst hochhalten. Derzeit wird ein Absenken der Fachkraftquote daher bei uns nicht diskutiert.“

Aus unserer Sicht ist die Fachkraftquote essenziell für die Qualitätssicherung. Mit sinkender Fachkraftquote steigt das Risiko von Pflegemängeln.

Bernd Schneider, Sprecher der Sozialbehörde

In Niedersachsen verfüge das Sozialministerium nicht über Zahlen zu Aufnahmestopps, sagte Sprecherin Stefanie Geisler dem epd. „Die Aufsicht über Heime für ältere und pflegebedürftige Menschen üben die Landkreise und kreisfreien Städte aus.“ 2017 gab es laut Statistischem Landesamt in Niedersachsen 1.873 stationäre Pflegeeinrichtungen mit knapp 113.500 Plätzze.epd

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Erstellt:
3. Januar 2020, 15:20 Uhr
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