Philipp Keßler DH

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Landkreis 08.12.2018 Von Philipp Keßler

Aufstehen reicht manchmal auch

Guten Tag

Wenn zwei Teams aus nächster Entfernung gegeneinander spielen, ist das in jeder Sportart etwas Besonderes. Und Besonderheiten verdienen eine spezifizierte Vokabel. In diesem Fall: Derby! Je traditionsreicher ein Derby ist, desto frühzeitiger sind meist die Tickets im Vorverkauf vergriffen, desto hitziger ist die Spannung auf den Zuschauerrängen und desto umkämpfter werden die Zweikämpfe auf dem Spielfeld geführt. Eine besondere Schärfe erhalten Derbys aber erst, wenn sich zwei Mannschaften aus der gleichen Stadt begegnen: Der Hamburger SV gegen St. Pauli, Union gegen Hertha BSC Berlin, 1860 gegen die Bayern oder Real gegen Atletico Madrid. Selbst in Nienburg brennt der Baum, wenn in der Fußball-Kreisliga Inter Komata auf den ASC trifft. Ich erinnere kommentarlos an den Spielabbruch im Mai 2017.

Heute Abend dürfen sich alle Fans des runden Spielgerätes auf ein ganz besonderes Derby freuen, das es in dieser Form so noch nie gegeben hat. Das Final-Rückspiel der Copa Libertadores, die südamerikanische Variante der Champions League, wird um 20.30 Uhr ausgetragen. Hoffentlich.

Ausgerechnet die verfeindeten Klubs aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires stehen sich gegenüber: die Boca Juniors und River Plate; das Hinspiel endete 2:2. Das sogenannte Superclasico sorgt jedes Jahr in der Liga für Ausnahmezustände, nun gipfelt das Duell der Duelle in unvorstellbaren Ausmaßen. Denn eigentlich sollte das Rückspiel bereits vor zwei Wochen ausgetragen werden, aber Ausschreitungen vor dem Stadion sorgten für die Spielabsage.

Anhänger von River Plate hatten den Boca-Mannschaftsbus mit Steinen beworfen und so dessen Scheiben zerschmettert. Einige Spieler mussten mit Glassplittern in den Augen ins Krankenhaus, manche atmeten das von der Polizei eingesetzte Tränengas ein und beklagten Übelkeit.

Der Verband Conmebol verkündete zwei Tage später die Neuansetzung: Das Rückspiel wird am 9. Dezember stattfinden. Aber nicht im ehrwürdigen Estadio Monumental von River, sondern in einem anderen Land. Auf einem anderen Kontinent. In Madrid.

Extrem verschärfte Sicherheitsmaßnahmen sollen heute dafür sorgen, dass der Sport doch noch über die Gewaltexesse siegt. Aber ist es dafür nicht schon zu spät?

Wer das Spiel übrigens heute Abend verfolgen möchte, braucht ein Abo beim Streamingdienst DAZN. Vielleicht wird sogar Fußball zu sehen sein.

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Erstellt:
8. Dezember 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 07sec

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