Zu einer feierlichen Gedenkstunde laden der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke und das Pastorenpaar Anne und Dietmar Hallwaß ein. Foto: Archiv Hagebölling

Zu einer feierlichen Gedenkstunde laden der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke und das Pastorenpaar Anne und Dietmar Hallwaß ein. Foto: Archiv Hagebölling

Heemsen 07.11.2021 Von Die Harke

Aus Respekt vor den Toten: Gedenkstunde mit Kranzniederlegung an Gedenkstätte Heemsen

Zu einer Gedenkstunde mit Kranzniederlegung laden der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke und das Pastorenpaar Anne und Dietmar Hallwaß am kommenden Freitag, 12. November, um 11 Uhr zur Gedenkstätte zu Ehren der 740 toten russischen Kriegsgefangenen unweit der ehemaligen Heemser Mühle ein.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge macht bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam, dass Kriegsgräber zu den letzten Zeugnissen zivilisatorischer Katastrophen zählen – wie dem Überfall der deutschen Wehrmacht vor 80 Jahren auf die Sowjetunion.

Kriegsgräber veranschaulichen, was Menschen anderen Menschen anzutun im Stande sind.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge setzt sich seit hundert Jahren für den Erhalt von Kriegsgräbern als Orte der Trauer und Versöhnung ein. „Aus Respekt vor den Toten sollten wir ihrer Namen und ihrer Geschichte gedenken. So wird jede Kriegsgräberstätte ein Lernort der Geschichte, den zu erhalten es sich lohnt“, betont der Volksbund.

Ein von der Samtgemeinde herausgegebener Flyer erinnert an die unrühmliche Geschichte dieses Ortes. Darin heißt es unter anderem: Während des Zweiten Weltkrieges richtete die Wehrmacht ein Barackenlager in Heemsen ein. Wegen der Nähe zum Bahnhof Rohrsen, wo die Gefangenen eintrafen, lautete die offizielle Bezeichnung „Zweiglager Rohrsen“.

Ursprünglich als „Russenlager“ für sowjetische Kriegsgefangene geplant, wurde es jedoch vorerst zur Unterbringung von französischen Gefangenen genutzt, zunächst für ein landwirtschaftliches Arbeitskommando, von Oktober 1942 bis Februar 1943 dann als Sonderlager für mehr als 500 korsische Offiziere und Soldaten.

Im März 1944 wurde das Zweiglager in ein Lazarett für an Tuberkulose erkrankte sowjetische Kriegsgefangene umgewandelt, zuständig für den gesamten Wehrkreis X. Der Lagerkomplex war mit insgesamt 26 Baracken für eine Belegung mit etwa 500 Gefangenen vorgesehen. Die Gefangenen wurden in der Regel in Güterwaggons nach Rohrsen transportiert.

Bei der Ankunft auf dem Bahnhof waren bereits viele an Entkräftung gestorben. Wer überlebt hatte, musste den Weg zum Lager zu Fuß zurücklegen. Häufig blieben Gefangene erschöpft am Straßenrand liegen – Kameraden brachten sie dann mit einem Karren ins Lager. Die katastrophalen Zustände im Lazarett, die völlig unzureichende Verpflegung, die mangelnde Hygiene und ungenügende medizinische Versorgung trugen dazu bei, dass innerhalb nur eines Jahres 740 Gefangene starben.

Nördlich des Lagers wurde ein Gräberfeld angelegt, auf dem die verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen in Massengräbern beigesetzt wurden – vom Volksmund „Russenfriedhof“ genannt - das Areal der heutigen Gedenkstätte Heemsen. Die Gefangenen brachten die Leichen ihrer Kameraden unter Bewachung auf einem zweirädrigen Karren zum Lagerfriedhof. Dort wurden sie in eine offene Grube gekippt und mit Kalk bedeckt. Bis zu 24 Rotarmisten wurden pro Grab beerdigt. Die genaue Lage einzelner Gräber ist nicht mehr nachvollziehbar.

Die Gedenkstätte in ihrer jetzigen Form wurde am 19. November 2017 eingeweiht.

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Erstellt:
7. November 2021, 16:00 Uhr
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