Mit 125 Vikarinnen und Vikaren aus Niedersachsen und Bremen gehört das Kloster Loccum bundesweit zu den größten und ältesten Ausbildungsstätten. Foto: Sina Ettmer - stock.adobe.com

Mit 125 Vikarinnen und Vikaren aus Niedersachsen und Bremen gehört das Kloster Loccum bundesweit zu den größten und ältesten Ausbildungsstätten. Foto: Sina Ettmer - stock.adobe.com

Loccum 19.11.2020 Von Jörn Graue

Ausbildung der Pastoren ist zentrale Aufgabe

Predigerseminar im Kloster Loccum besteht seit 200 Jahren / Eine der größten und ältesten Ausbildungsstätten

Das Predigerseminar im Kloster Loccum besteht an diesem Freitag, 20. November, auf den Tag genau seit 200 Jahren. Schon zwei Jahrhunderte lang werden in den altehrwürdigen Mauern zwischen Weser und Steinhuder Meer künftige evangelische Pastorinnen und Pastoren nach ihrem Studium fit für ihren künftigen Beruf gemacht.

Am 20. November 1820 hielt der damalige Studiendirektor Friedrich Burchardt Köster (1792-1878) die Eröffnungsrede. Zwar hatten bereits seit dem 17. Jahrhundert immer wieder Vikare für eine bestimmte Zeit in Loccum gelebt, um den Konvent des evangelisch gewordenen Klosters zu unterstützen. Doch erst ab 1792 wurde dort systematisch über deren Ausbildung nachgedacht. „Es war eine Zeit massiver Umbrüche“, erläutert die heutige Studiendirektorin Adelheid Ruck-Schröder (54). „Das Zeitalter der Moderne hatte begonnen.“ Heute ist die Ausbildung der Vikarinnen und Vikare die zentrale Aufgabe im Kloster. Um ihnen bessere Lernbedingungen bieten zu können, lässt die hannoversche Landeskirche die historische Anlage bis 2021 für 33 Millionen Euro grundlegend sanieren und erweitern (DIE HARKE berichtete).

Bundesweit gibt es zehn solcher Predigerseminare mit rund 900 Vikarinnen und Vikaren – die Teilnehmerzahlen sind nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nach einem Rückgang im vergangenen Jahrzehnt inzwischen wieder weitgehend stabil. Alle der rund 21000 evangelischen Pastorinnen und Pastoren, die heute in Deutschland tätig sind, haben ein solches Seminar durchlaufen. Mit 125 Vikarinnen und Vikaren aus Niedersachsen und Bremen gehört das Kloster Loccum bundesweit zu den größten und ältesten Ausbildungsstätten.

Studiendirektorin Ruck-Schröder freut sich, dass nach wie vor so viele junge Menschen sich für den Pfarrberuf entscheiden. Denn wie zur Gründungszeit des Predigerseminars sei der Beruf auch gegenwärtig im Umbruch: „Pfarrer sind heute nicht mehr selbstverständliche Amtsträger. Sie sind vielmehr Brückenpfeiler von Christentum und Religion in die Gesellschaft hinein. Sie müssen hinausgehen aus ihrem Pfarrhaus und Verbindungen schaffen“, erläutert sie.

Der Pastor von morgen müsse Tradition und Experimentierfreude miteinander verbinden können, betont die Theologin: „Man muss sich souverän auf dem klassischen Parkett des pfarramtlichen Handwerks bewegen können. Und man muss zugleich in der Lage sein, je nach Situation neue Wege zu finden.“

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Erstellt:
19. November 2020, 07:11 Uhr
Lesedauer:
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