Esther Bejarano (Mitte) mit der „Microphone Mafia“. Voigt

Esther Bejarano (Mitte) mit der „Microphone Mafia“. Voigt

Nienburg 21.03.2018 Von Die Harke

Auschwitz-Überlebende war zu Gast

93-jährige Esther Bejarano und „Microphone-Mafia“ in St. Michael

Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano war jetzt zu Gast in der [DATENBANK=831]St. Michaelskirche[/DATENBANK] in Nienburg, um dort aus ihren Erinnerungen zu lesen und ein Konzert zu geben. Bejarano, die im Dezember ihren 93. Geburtstag feierte, wurde als junges Mädchen ins KZ Auschwitz gebracht. Sie überlebte, weil zum Zeitpunkt ihrer Ankunft gerade Mitglieder für ein Orchester gesucht wurden. Bejarano konnte Klavier und Flöte spielen und meldete sich. Man gab ihr ein Akkordeon und ließ sie vorspielen. Mit viel Glück gelang es ihr, den damals bekannten Schlager „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami“ auf dem Akkordeon so gut zu spielen, dass sie in das Orchester aufgenommen wurde. Eindrücklich schilderte sie, wie sie und die anderen Orchestermitglieder fortan dazu gezwungen wurden, bei ankommenden Transporten Musik zu spielen, wohl wissend, dass die allermeisten der ankommenden Menschen direkt in die Gaskammern geschickt wurden. „Wir sollten die Menschen beruhigen. Das war der Plan. Alle sollten denken, wo Musik spielt, kann es ja nicht so schlimm sein. Und wenn hochrangige Bonzen das Lager besichtigten, gab die SS ordentlich mit uns an“, so Bejarano.

Begleitet wurde sie jetzt von ihrem Sohn Joram und dem Rapper Kutlu Yurtseven, der sich seit vielen Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert. Zu dritt gaben sie ein Konzert, bei dem man Bejarano ihr Alter nicht anmerken konnte. Schnell hatte Yurtseven die Lacher auf seiner Seite, als er davon erzählte, Esther Bejarano hätte den Bandnamen „Microphone-Mafia“ ja zuerst für „völlig bescheuert“ gehalten. Mittlerweile habe sie ihn aber so lieb gewonnen, dass sie ihn „eingeenkelt“ habe: ein Wort, das es bestimmt in die nächste Ausgabe des Dudens schaffen werde.

Nach Lesung und Konzert, das gut 50 Besucher gespannt verfolgten und mit lang anhaltendem Applaus bejubelten, erfüllte Bejarano noch geduldig zahlreiche Wünsche nach signierten CDs und Büchern.

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Erstellt:
21. März 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 57sec

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