Kaepernick. Foto: adobe

Kaepernick. Foto: adobe

Landkreis 08.02.2020 Von Philipp Keßler

Ausradierter Kniefall

Guten Tag

Was war das für ein bombastisches Ereignis: Ein grandioses Football-Spiel gepaart mit einer atemberaubenden Halbzeit-Show – besser hätte sich kein Fan den 54. Super Bowl ausmalen können, an dessen Ende die Kansas City Chiefs – zwar etwas zu hoch, aber verdient – mit 31:20 gegen die San Francisco 49ers durchsetzten.

Und wer zur späten Stunde doch müde im Sessel versunken war, den rüttelte die knackige Halftime-Performance der beiden Pop-Ikonen Shakira und Jennifer Lopez mächtig wach.

Während sich die National-Football-League (NFL) im Hard-Rock-Stadium von Miami selbst zelebrierte, blieb ein Name weit, weit außen vor: Colin Kaepernick. Der ehemalige Quarterback der 49ers, der mit den Kaliforniern 2013 sogar im Endspiel stand, protestierte 2016 gegen die Polizeigewalt gegenüber Andersfarbigen mit seinem berühmten Kniefall während der Nationalhymne.

„Ich werde nicht aufstehen und Stolz für eine Fahne demonstrieren, die für ein Land steht, das Schwarze und andere Farbige unterdrückt“, sagte Kaepernick damals. Viele andere Sportler taten es ihm gleich.

Hierfür musste der talentierte Footballer viel verbale und mediale Prügel einstecken, allen voran von US-Präsident Donald Trump. Die NFL distanzierte sich von ihm. Seit Anfang 2017 hat Kaepernick kein einziges Spiel mehr bestritten, kein Team wollte ihn seitdem aufnehmen.

Nach einem Rechtsstreit soll Kaepernick 2019 fast zehn Millionen Dollar bekommen haben. Man könnte behaupten: Die NFL will ihn zum Schweigen bringen. Sie hat es offenbar geschafft.

Im Vorfeld des Super Bowls wurden die Historien der beiden Teams rauf- und runtergebetet, aber die zurückliegende Final-Teilnahme der 49ers von 2013, bei der Kaepernick eine entscheidende Rolle spielte und an deren Ende San Francisco gegen die Baltimore Ravens knapp mit 31:34 unterlag, schien wie ausradiert.

Keine Rückschau, kein Interview mit Kaepernick oder ehemaligen Gegnern – einfach ignoriert. Der einstige 49ers-Star war nicht einmal Gast bei seinen Ex-Kollegen. Die 49ers und die NFL haben eine große Chance vertan – ein Kniefall vor der eigenen Courage.

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Erstellt:
8. Februar 2020, 07:05 Uhr
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