Referentin Sabine Dralle (links) mit Elisabeth Meyer von den Landfrauen. Landfrauen

Referentin Sabine Dralle (links) mit Elisabeth Meyer von den Landfrauen. Landfrauen

Hoya 28.02.2018 Von Die Harke

„Ausverkauf der Friedhöfe verhindern“

Nachhaltige Bestattungskultur war Thema bei den Hoyaer Landfrauen

Die Flucht aus traditionellen Bestattungsformen ist auch auf dem Lande angekommen. Immer mehr verwaiste Grabstellen auf heimischen Friedhöfen lassen diese Tendenz erkennen. Individuell aber kostengünstig soll die Bestattung sein, die Grabpflege einfach und anspruchslos, heißt es in einer Mitteilung der Hoyaer Landfrauen. Welche Optionen es für Friedhofsbetreiber gibt dieser Tendenz entgegenzuwirken, und wie eine unkomplizierte aber trotzdem würdevolle Grabpflege aussehen kann, darüber referierte Sabine Dralle aus Uelzen, Beraterin für Garten, Hof- und Dorfgrün der Landwirtschaftskammer Hannover, bei den Hoyaer Landfrauen. „Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.“ Mit diesen Worten Immanuel Kants eröffnete Sabine Dralle ihren Vortrag. Es sei wichtig, einen Ort zum Trauern zu haben. Früher seien es die Reihengräber oder die Wahlgrabstätten gewesen, eingerahmt von Hecken und altem Baumbestand, die Ruhe und Stille ausstrahlten und dem Friedhof seinen Charakter verliehen.

Die Pflege der Gräber sei durch die Familien sichergestellt worden, Tradition und Gemeinschaftssinn standen im Vordergrund. Der Friedhof sei ein Rückzugsort, ein Ort der Begegnung und der Besinnung gewesen und insbesondere Zeuge unserer Geschichte.

Heute erhalte der Friedhof in Zeiten der Globalisierung und einer steigenden Mobilität der Menschen einen anderen Stellenwert. Die emotionale Bindung zu den Verstorbenen werde nicht mehr an die Nachkommen vermittelt. Der Friedhof werde oftmals auf seine ursprüngliche Funktion reduziert und die soziale und kulturelle Bedeutung vergessen.

Das Niedersächsische Bestattungsrecht und die Friedhofsatzungen der Gemeinden stellten dabei oft eine Hürde dar und ließen nur einen engen Rahmen für Innovationen. Und trotzdem, so die Referentin, sei seitens der Friedhofsbetreiber Flexibilität und Ideenreichtum gefragt. Einige alternative Formen, wie Baumbegräbnisstätten, Gemeinschaftsgräber, Friedwälder, anonyme oder auch teilanonyme Rasengräber, stellte Sabine Dralle vor. Auch hinsichtlich der muslimischen Neubürger und ihren kulturellen Bestattungsriten sei Flexibilität und Kreativität gefragt. Positiv stellte sie die Möglichkeit einiger Friedhöfe heraus, die eine Bestattung von Föten ermöglichten.

Aber auch dann, wenn die Entscheidung für eine traditionelle Erdbestattung gefallen ist, beständen Möglichkeiten einer pflegeleichten Anlage der Begräbnisstätte. 60, 25 und 15 – diese Zahlen betonte Dralle dabei immer wieder: 60 Prozent des Grabes sollten mit Bodendeckern bewachsen sein, 25 Prozent mit der sogenannten Rahmenbepflanzung und 15 Prozent mit saisonaler Wechselbepflanzung.

An vielfältigen Beispielen stellte sie dies den Landfrauen vor Augen. Wenn sich dann noch die Symbolik des Grabsteines im Beet widerspiegele, dann sei ein wirklich würdevoller Ort der Erinnerung geschaffen.

Als Bodendecker empfahl die Uelzenerin je nach Struktur des Bodens Teppichzwerkmispeln, Porzellanblümchen oder auch Rebhuhnbeeren. Ihr persönlicher Favorit sei die Waldsteinia. Darüber hinaus empfahl die Gartenexpertin Bodendecker bei der Erstbepflanzung möglichst dicht zu pflanzen und lieber bei der Neuanlage zu investieren als jahrelang auf ein deckendes Grün zu warten.

Abschließend äußerte die Referentin den Wunsch, dass das Thema „Tod und Bestattung“ wieder zur Normalität und eine emotionale Bindung zum Friedhof auch bei nachwachsenden Generationen zur Selbstverständlichkeit werde. Sie zitierte die Ballade des „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“. Auf seinen Wunsch hin wurde ihm eine Birne mit ins Grab gelegt. Daraus wuchs ein Birnbaum, von dem Kinder sich auch Jahre nach seinem Tode Birnen pflücken durften.

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Erstellt:
28. Februar 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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