Gemeinschaftsfoto nach
Fertigstellung des Badestegs. Heimatverein

Gemeinschaftsfoto nach Fertigstellung des Badestegs. Heimatverein

Liebenau 05.04.2017 Von Die Harke

Badefreuden am Auestrand

Fotoausstellung über den Liebenauer Abschnitt des 85 Kilometer langen Gewässers

Im Zuge der 850-Jahr-Feierlichkeiten in Liebenau zeigt der Auekunst-Verein die Fotoausstellung „Die Aue – Liebenau im Wandel der Zeit“ mit rund 50 historischen Aufnahmen vom Leben an der Aue in den vergangenen 120 Jahren. „Es werden Fotos vom Brückenbau, von der Begradigung der Aue und von Mühlen gezeigt, von Badestegen und Badefreuden am Auestrand – und von Überschwemmungen, Hochwasser und Eis“, heißt es seitens der Organisatoren: „Alle Facetten des Lebens mit dem Fluss werden dargeboten.“ Los geht es am Samstag, 8. April, mit der Eröffnung um 16 Uhr im ehemaligen Schlecker-Markt, früher Kaufhaus Binne.

Die durch Liebenau fließende Große Aue entspringt im Wiehengebirge in Nordrhein-Westfalen und ist etwa 85 Kilometer lang. „Ab Rahden erreicht sie die Norddeutsche Tiefebenen und hat dann nur noch wenig Gefälle, sodass der Hochwasserabfluss oft zu langsam ist“, sagt [DATENBANK=3920]Fritz Binne vom Auekunst-Verein[/DATENBANK]: „Dies schuf über Jahrtausende eine artenreiche Flusslandschaft, andererseits wurde die landwirtschaftliche Nutzung erschwert.“

Deshalb begradigten die Anrainer die Große Aue um das Jahr 1956 herum. „Die biologische Vielfalt ging aber zurück, sodass man ab 1989 im Oberlauf wieder mit der Renaturierung des Flusses begann“, sagt Binne.

In Liebenau wurde die Energie der Wassermenge aus einem Einzugsgebiet von 1500 Quadratkilometern vielfach genutzt. „Neben der herrschaftlichen Kornmühle gab es bis zu 14 Schleif- oder Reckmühlen direkt an der Aue, dem Mühlengraben, am Winterbach und am Glisser Rohrbach“, sagt Binne: „In ihnen wurden unter anderem die berühmten Liebenauer Sensen hergestellt. Um 1900 herum wurde der Markt zunehmend mit industriell gefertigten Sensen versorgt – das Geschäft ging zurück. 1914 wurde die letzte Reckmühle an der linken Aueseite abgerissen.“

Die Aue sei für frühere Generationen nicht nur wirtschaftlich bedeutend gewesen, teilt der Verein mit. Sie habe auch Gelegenheiten zum Baden für Jung und Alt geboten. „Es gab eine Badeanstalt am alten Aue-Platz, Badestellen an der Molkerei und am ,Knie‘. Die Älteren unter uns erinnern sich gern daran, dass auch eine flache Böschung auf dem Schrathof zum Einstieg in die Aue einlud“, sagt Binne: „Bei niedrigem Wasserstand entstand keine 100 Meter vom großen Wehr entfernt sogar eine kleine Insel mit Sandstrand. Hier und vor Binnes Ufertreppe konnte man im Flachwasser Stichlinge mit der Hand fangen. Bei höherem Wasser nutzten die wagemutigen Schwimmer die Große Auebrücke als Sprungbrett.“

Der Auekunst-Verein stellt sich nach der intensiven Beschäftigung mit dem Thema die Frage: „Kann der Schrathof wieder Badestelle werden?“ Die Ausstellung ist nach Binnes Worten eine Möglichkeit, um den Faden aufzunehmen und weitere Aktivitäten im Umfeld der Aue anzustoßen. Binne spricht von Regenerationsmaßnahmen, Ufergestaltung und der Verbesserung der Wasserqualität.

„Die zuständige Landes-Behörde sieht den Ist-Zustand der Aue im Liebenauer Gebiet als bedenklich an, den ökologischen Zustand als unbefriedigend und den chemischen Zustand als schlecht“, sagt Binne: „Der Stickstoffgehalt liegt weit über der Toleranzschwelle, und der Anteil des Nitrats am Gesamtstickstoffgehalt liegt hier im Mittel bei 80 Prozent. Es besteht die Gefahr, dass zusätzlich große, bisher noch im Erdreich gebundene Mengen Nitrat ins Grundwasser oder in die Flüsse gelangen.“

Das Problem ist laut Binne seit Jahren bekannt, aber die Messungen zeigten keine Besserung. Binne: „Auekunst ist im Gespräch mit dem NABU, dem Unterhaltungs- und Landschaftspflegeverband sowie dem Angelverein ASV, um einen entsprechenden Themenkreis für Projekte zu erarbeiten.“

Der [DATENBANK=3918]Vorsitzende des Liebenauer Heimatvereins, Joachim Dude[/DATENBANK], spricht das Grußwort zur Eröffnung. Fritz Binne sagt einige Worte zur Geschichte der Aue und zur Intention der Ausstellung. „Die Fotos stammen aus privaten Fundi interessierter Bürger und zum großen Teil aus dem Archiv des Liebenauer Heimatvereins“, sagt Binne: „Wir danken herzlich der Volksbank Steyerberg und der Stiftung der Sparkasse Nienburg – ihre Spenden haben diese Ausstellung ermöglicht.“

Die Ausstellung läuft bis zum 10. Juni 2017. Geöffnet ist jeweils dienstags und samstags von 16 bis 17 Uhr.

Mehr Infos auf www.auekunst.de

Bau der Brücke am Mühlarm im Jahr 1903. Heimatverein

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Erstellt:
5. April 2017, 21:00 Uhr
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