Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) bei ihrem Antrittsbesuch in Israel. Foto: Fabian Sommer/dpa

Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) bei ihrem Antrittsbesuch in Israel. Foto: Fabian Sommer/dpa

Jerusalem 10.02.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Baerbock: Müssen Erinnerung an Holocaust wach halten

Außenministerin Annalena Baerbock hat in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem der von Nazi-Deutschland ermordeten sechs Millionen Jüdinnen und Juden gedacht und zum entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen.

„Es ist unsere unbedingte Verpflichtung, gerade als jüngere Generation die Erinnerung wach zu halten, insbesondere wenn immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen unter uns sind“, sagte sie erkennbar berührt am Donnerstag in Jerusalem.

„Und es ist unsere Verantwortung, unsere Stimme zu erheben gegen Antisemitismus, gegen Hass und Hetze, gegen Ausgrenzung und Gewalt, damit ein solches Menschheitsverbrechen sich nie mehr wiederholt. Damit die Kinder dieser Erde alle eine Zukunft haben.“ Baerbock stockte ein paar Mal die Stimme, es wirkte, als müsse sie mit den Tränen kämpfen.

„Der Gedanke an den Schmerz jedes einzelnen Kindes, jeder einzelnen Mutter, jedes einzelnen Vaters ist kaum zu ertragen“, sagte sie. „Aber Yad Vashem, dieser schmerzvolle Ort, fordert von uns gerade nicht zu verstummen, nicht zu verharren“, schrieb Baerbock auch ins Gästebuch der Gedenkstätte. „Yad Vashem mahnt uns, die Stimmen jener, die das Grauen selbst erlebt haben, zu hören und ihre Worte weiterzugeben.“

Die Ministerin besuchte auch das Denkmal für die Kinder. Als sie in ihrem Statement über die jüdischen Kinder unter den Holocaust-Opfern sprach, stockte Baerbock, die zwei kleine Töchter hat, die Stimme.

Zum Auftakt ihres Antrittsbesuches in Israel und im Nahen Osten entfachte die Grünen-Politikerin in der Halle der Erinnerung eine Gedenkflamme und legte einen Kranz nieder.

Baerbock versichert Israel Deutschlands Solidarität

Bei einem anschließenden Treffen mit ihrem israelischen Amtskollegen Jair Lapid sagte sie in Tel Aviv, die Vergangenheit sei „Auftrag für die Zukunft“. Die deutsche Außenministerin versicherte, der jüdische Staat könne auch unter der neuen Bundesregierung auf Deutschlands Solidarität zählen.

Mit Blick auf den seit Jahren brachliegenden Friedensprozess Israels mit den Palästinensern betonte Baerbock, die Zwei-Staaten-Lösung sei weiterhin „die beste Option“ für beide Seiten. Gemeint ist damit die Bildung eines demokratischen und unabhängigen Palästinenserstaates, der friedlich an der Seite Israels existiert. Zum Ausbau von israelischen Siedlungen im Westjordanland sagte Baerbock, dieser sei „schädlich“ und mit internationalem Recht nicht vereinbar.

Der Status quo sei nicht haltbar und führe immer wieder zur Eskalation, erklärte Baerbock. „Es gibt keine Stabilität ohne Hoffnung.“ Sie lobte erste vertrauensbildende Schritte der neuen israelischen Regierung gegenüber den Palästinensern.

Eine zentrale Aufgabe Israels und Deutschlands sei der gemeinsame Kampf gegen wachsenden Antisemitismus auf der ganzen Welt, sagte sie. Außerdem wolle man den Jugendaustausch zwischen Israel und Deutschland ausbauen.

Anschließend war ein Treffen mit Ministerpräsident Naftali Bennett geplant.

© dpa-infocom, dpa:220210-99-54383/10

Zum Artikel

Erstellt:
10. Februar 2022, 13:09 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 13sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.