Drei Beben wurden in Verden registriert – bis zur Stärke 3,2. Foto: Petrovich12/stock.adobe.com

Drei Beben wurden in Verden registriert – bis zur Stärke 3,2. Foto: Petrovich12/stock.adobe.com

Verden 21.11.2019 Von Die Harke

Erdbeben in der Nachbarschaft

Drei Erdstöße in Verden schrecken die Einwohner auf / Risse im Mauerwerk

Am gestrigen Mittwoch um 18.28 Uhr rumpelte es plötzlich im Nienburger Nachbar-Landkreis Verden: Ein kurzer, aber umso heftigerer Erdstoß mit der Stärke von 3,2 schreckte viele Bewohner der Kreisstadt Verden auf, viele riefen den Notruf. Insgesamt zählten die Beamten der Verdener Polizeiwache 30 Meldungen.

Bewohner berichteten von klappernden Schränken, inzwischen sind auch erste Schäden bekannt. Bei einer Familie in Stedebergen entstanden Risse in der Klinkerwand ihres Hauses. „Wir saßen auf dem Sofa, der Hund lag davor. Dann hat das Sofa vibriert, es knallte laut“, berichtet Laura Ehleben. „Es hat alles gewackelt. Dann war es vorbei. Ich habe mich sehr erschrocken. Man kann sich vorstellen, dass Bodenplatten da in Bewegung kommen. Auch der Hund hat seltsam reagiert.“

Anwohner haben Risse im Mauerwerk ihrer Häuser festgestellt. Foto: NonstopNews

Anwohner haben Risse im Mauerwerk ihrer Häuser festgestellt. Foto: NonstopNews

Nach bisherigen Erkenntnissen gab es zwei weitere Erdstöße. Gegen 20.52 Uhr wurde ein weiterer gemessen, das Epizentrum lag erneut östlich von Bremen in fünf Kilometer Tiefe. Dieser wurde bei einer Stärke von etwa 1,0 jedoch kaum wahrgenommen. Einen wieder deutlich heftigeren Erdstoß gab es um 22.32 Uhr. Nach jüngsten Messungen hatte dieser dritte Erdstoß eine Stärke von 3,0. Die registrierte Schwinggeschwindigkeit war jedoch deutlich höher als beim ersten Beben. Viele Anwohner hatten den dritten Schlag daher als stärker als beim ersten Beben wahrgenommen.

Die Erdstöße waren deutlich stärker als beim letzten Ereignis vor zwei Jahren. Wie auch bei den vorherigen Beben ist ein Zusammenhang mit der örtlichen Erdgasförderung sehr wahrscheinlich. Mehrere Bürgerinitiativen kritisieren seit Jahren die Arbeit am Erdgasfeld Völkersen. Gerade die Region zwischen Langwedel und Verden hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten einige dieser Erdbeben gegeben, nicht jedoch in der heutigen Stärke und Anhäufung. Die oft genannte Darstellung, Fracking sei die Ursache des Erdbebens, ist aber offenbar nicht zutreffend, da die Fracking-Methode offenbar zurzeit nicht angewendet wird. Vielmehr ist davon auszugehen, dass das Absenken von Gesteinsschichten über einer sich leerenden Gaslagerstätte die Erdbeben in Verden und Umgebung ausgelöst haben.

Laura Ehleben (rechts) und ihre Mutter Antje berichten von einem lauten Knall, "alles hat gewackelt". Foto: NonstopNews

Laura Ehleben (rechts) und ihre Mutter Antje berichten von einem lauten Knall, "alles hat gewackelt". Foto: NonstopNews

Am 1. Mai 2014 hatte ein Beben der Stärke 3,1 im benachbarten Syke für wackelnde Wände gesorgt. Das letzte größere Beben in der Region Verden ereignete sich am 22. November 2012 mit einer Stärke von 2,9, zuvor im Jahr 2008 mit einer Stärke von 2,8. Im Dezember 2017 gab es im Bereich Verden Erdstöße mit einer Magnitude von „nur“ 2,5.

Erst bei Tageslicht werden mögliche weitere Schäden sichtbar werden. Martin Busch von der Bürgerinitiative „Walle gegen Gasbohren“ zeigte sich noch am Abend erschrocken über die Stärke und erklärte, was die Ursache sein könnte: „Wir sehen die Ursachen in der Erdgasförderung. Man muss es sich vorstellen wie bei einem Luftballon, aus dem ich Luft lasse. Da lösen sich Spannungen und es lösen sich Erdbeben... es wird nicht weniger, sondern es wird stärker.“

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Erstellt:
21. November 2019, 11:13 Uhr
Lesedauer:
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