Mit der „bluepearl“ sticht der Verein „Trapez“ regelmäßig auf dem Steinhuder Meer in See.  Trapez

Mit der „bluepearl“ sticht der Verein „Trapez“ regelmäßig auf dem Steinhuder Meer in See. Trapez

Steinhuder Meer/Wellie 07.09.2017 Von Die Harke

Bei Flaute braucht es Muskelkraft

Mit Kutter und Jolle sticht der Verein „Trapez" in See / Verantwortung für sich und andere lernen

Noch zwei Monate und die Saison des offenen Wassers ist wieder vorbei. Dann werden auf dem Steinhuder Meer die Stege abgebaut, die Boote aus dem Wasser geholt und ins Winterlager gebracht, wo sie den Winter über repariert, ausgebessert und gestrichen werden, um bereit für die Abenteuer im nächsten Frühling zu sein. Der [DATENBANK=5256]Verein „Trapez“ als Träger der freien Jugendhilfe[/DATENBANK] mit Sitz in Liebenau und Lübbecke hat neben der großen „blue pearl“, die als einziger Kutter auf dem [DATENBANK=3472]Steinhuder Meer[/DATENBANK] segelt, noch die schnelle Jolle „Albatros“ am Steg liegen. „Wechselnde Wetter, Regen, Wind, Sonne sind unsere Herausforderungen, aber es macht gerade deshalb immer viel Spaß“, teilt der Verein mit, der an dieser Stelle sein Kuttersegeln vorstellt, „das sich wegen des geringen Aufwands an Material und Logistik besonders für kurzzeitpädagogische Unternehmungen eignet.“

Der Segelkutter ist ein offener Zweimaster mit Fock-, Groß- und Besansegel. Ursprünglich als Beiboote von Kriegsschiffen genutzt, dienten sie später als sogenannte Marinekutter zur seemännischen Ausbildung. Heute werden die rund acht Meter langen Schiffe mit einer Segelfläche von 35 Quadratmeters als Jugendwanderkutter nachgebaut. Die „blue pearl“ wurde 1969 in Berlin gebaut. Das Boot ist äußerst spartanisch ausgerüstet.

Im Gegensatz zu modernen Yachten, bei denen High-Tech und Feinmechanik Muskelkraft weitgehend überflüssig machen, ist die Verbindung zu Segel, Pinne und Schwert hautnah und direkt. Der Kuttersegler hat Wind und Wellen förmlich in den Händen. Da kein Außenbordmotor zur Verfügung steht, können die Boote bei Flaute nur unter Riemen – umgangssprachlich „Ruder“ – gefahren werden.

Die Segelkutter sind nur dann gut zu manövrieren, wenn mehrere Crewmitglieder – am besten die ganze Gruppe – die entsprechenden Handgriffe ausführen. „Vor allem bei Anfängern sind alle an Bord mental und physisch gefordert, um Segel zu setzen, eine Wende oder Halse zu fahren oder anzulegen“, teilt der Verein mit. Die Manöver müssen sowohl in zeitlicher als auch räumlicher Hinsicht koordiniert und nahezu ständig korrigiert werden, etwa wenn Einzelaktionen fehlerhaft waren oder wenn der Wind auffrischt.

In der Anfangsphase unterstützt der Skipper, also der Bootsführer, die Teilnehmer bei diesen höchst komplexen Aufgaben. Im Gegensatz zum klassischen Segelkurs sei das Ziel „weniger eine Optimierung der Einzelaktionen oder das perfekte Zusammenspiel der Crew, sondern die Übernahme von Verantwortung gegenüber den Crewmitgliedern ebenso wie gegenüber dem Schiff.“

„Wenn ein Crewmitglied im Moment nicht weiß, an welcher Schot wann und wie stark gezogen werden muss, dann soll ihm die Möglichkeit eingeräumt werden, seinen Nebenmann oder seine Nebenfrau zu fragen oder schlichtweg nichts zu tun. Fehler können zugelassen und auch individuell verarbeitet werden.“

„Trapez" setzt seinen Kutter hauptsächlich in der Jugendhilfe ein, aber auch für Gruppen, die Interesse am Segeln und am Rudern haben.

Hightech gibt es an Bord nicht, zur Not müssen die Jugendlichen an die Ruder. Trapez

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Erstellt:
7. September 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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