Friedhelm Henco (79) lebt heute in Australien.
 Henco

Friedhelm Henco (79) lebt heute in Australien. Henco

Langendamm 03.09.2017 Von Die Harke

Bei Manövern sang er das Wolgalied

Friedhelm Henco (79) war 1958 einer der ersten Wehrpflichtigen in Nienburg

60 Jahre 56748 Nienburg: Friedhelm Henco (79) war einer der ersten Wehrpflichtigen in der Langendammer Clausewitz-Kaserne. An den 16. April 1958 kann sich Friedhelm Henco noch genau erinnern. Er war damals 19 Jahre als und hatte seinen ersten Tag bei der Bundeswehr. Heute lebt Henco in Australien, doch er kommt regelmäßig zu Ehemaligentreffen nach Nienburg. Der HARKE schrieb er seine Geschichte: 1957 kam nur das Vorkommando nach Langendamm.Da wurde das Grenanadier-Bataillon 51 aufgestellt. Aber wirklich waren wir die ersten Wehrpflichtigen die dorthin kamen.

Meine Gedanken damals zur Bundeswehr waren sehr positiv, weil mein Leben durch die Bundeswehr verändert wurde. Ich kam als junger Mensch aus einem kleinen 300 Seelendorf in Nordrhein-Westfalen (Makel: arm und Flüchtling), und der Horizont eröffnete sich für mich. Alles war neu und schön, der Alltag war so voller guter Ereignisse, die Kameraden hielten zusammen, und wir wurden durch die Vorgesetzten so geschult, dass wir das beste Batallion unter anderem beim Vergleichsschießen, beim Rommelpreis und beim Prix de Clerc waren.

Die Vorgesetzten waren unsere Vorbilder, es ging gerecht und korrekt zu.

In einer Stube schliefen sechs Rekruten in Zweistockbetten. Die Grundausbildung war drei Monate lang in Langendamm im Grenadierbataillons 51, und wir durften diese drei Monate nicht nach Hause fahren.

In den Gemeinschaftsverpflegungsraum- Mannschaftsspeisesaal- wurden wir vom Unteroffizier vom Dienst (UVD) jeweils zu den Mahlzeiten geführt. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich so ausreichend und gut gespeist habe, deshalb bin ich voll des Lobes bis heute hin. Ich werde im November dieses Jahres 80 Jahre alt und denke heute noch gerne an die Zeit zuurück.

Ich bin in Bochum geboren, wurde dort 1943 lebensgefährlich verwundet (englischer Angriff auf Bochum) und kam dann nach längerem Krankenhausaufenthalt mit meiner Mutter und zwei Geschwistern nach Gotenhafen (heute Gdynia).

1945 flüchteten wir nach Hesselbach. Mein Bruder Hartmut war 1944 dort geboren worden, mein Vater war dort Polizist. Hartmut war dann bei der Flucht gerade ein Jahr alt.

Fast wären wir auf der Wilhelm Gustloff gelandet. Aber mein Onkel hat uns vor diesem schlimmen Schicksal bewahrt. Er kam von Allenstein und sagte meiner Mutter fährt mit dem Zug. So fuhren wir mit dem letzten Zug heraus. Januar 1945.

Bei den Wiedersehenstreffen in jedem Jahr werden die alten Geschichten erzählt.

Leider haben wir jedes Jahr um viele Kameraden zu trauern.

Bei der Bundeswehr habe ich auch viel und gerne gesungen. Daran haben sich viele Ehemalige auch noch gerne erinnert.Eine besondere Begebenheit mit dem Gesang war bei Kameradschaftsabenden oder bei Manövern als Höhepunkt, wenn ich das „Wolgalied“ sang.

In der Nähe von Nürnberg während einer Truppenbetreuungsfahrt waren wir circa 1960/61 mit etwa zwölf Kameraden in einem Gasthaus eingekehrt, und nachdem ich den Zarewitsch (Wolgalied) gesungen hatte kam die Wirtin mit Tränen in den Augen und sagte:, Mein Mann war Soldat an der Wolga und ist vermisst“ Sie war so ergriffen, dass Sie uns sämtliches Essen und alle Getraenke geschenkt hat.

Friedhelm Henco (links) sang als Soldat gern auch das „Wolgalied“. Henco

Friedhelm Henco (links) sang als Soldat gern auch das „Wolgalied“. Henco

Friedhelm Henco war 1958 einer der ersten Wehrpflichtigen in der Clausewitz-Kaserne. Henco

Friedhelm Henco war 1958 einer der ersten Wehrpflichtigen in der Clausewitz-Kaserne. Henco

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Erstellt:
3. September 2017, 21:00 Uhr
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