21.04.2013

Bei bundesweitem Wettbewerb auf Platz 1

Elf Vertreter aus Heemsen, Liebenau, Marklohe und Steimbke auf Exkursion im Ilzer Land

Heemsen/Liebenau/Marklohe/Steimbke. Im Rahmen der Vorbereitung für das Programm „Stadtebauförderung (Teil kleine Städte und Gemeinden) haben elf Vertreter aus den vier Samtgemeinden Heemsen, Liebenau, Marklohe und Steimbke (HeLiMaSt) Exkursion nach Niederbayern ins Ilzer Land durchgeführt. Das Ilzer Land ist der Arbeitstitel für eine Kooperation von neun Städten und Gemeinden, die – rund 30 Kilometer nördlich von Passau am Fluss Ilz gelegen –, sich seit 2005 im Rahmen einer Kooperation mit bundesweit anerkanntem Erfolg zusammen organisiert hatten. Die Kooperation erfasst rund 34 000 Einwohner auf 300 km² und ist damit von den Strukturen mit der Kooperation „HeLiMaSt „vergleichbar, die aus dem Modellprojekt Umbau statt Zuwachs hervorgegangen ist.

Mit dabei waren auch 31 Begleiter des Projekts aus Emmerthal und Aerzen sowie aus fünf weiteren Kooperationen aus dem Bereich Südniedersachsen, die vom den Projektbetreuern, dem Planungsbüro Brundniok und Lange/Puche, gebündelt wurden, um das Erfolgsrezept eines schon langjährig erfolgreichen Netzwerks kennen zu lernen.

Die neun Kommunen im Ilzer Land haben neun Handlungsfelder bearbeitet – von interkommunaler Zusammenarbeit bis zu Projekten der Ländlichen Entwicklung war eine sehr ganzheitliche Herangehensweise Leitmotiv, den Herausforderungen des demografischen Wandels und der Strukturveränderungen zu begegnen. Beim bundesweiten Wettbewerb „Engagement für die Region 2010“ hat das Ilzer Land mit seinem Projekt Bürgernetzwerke im Ilzer Land den 1. Platz erreicht.

Jeder der Bürgermeister hat für ein Thema Verantwortung und Koordination, egal ob haupt- oder ehrenamtlich tätig und egal ob Hauptbetroffener oder nur interessiert. So hat z.B im Tourismus ein Bürgermeister Ideen entwickelt, der vergleichsweise geringe Übernachtungsahlen hat, und doch wurde u.a. sein Werbefilm „Entdecke das Unerwartete“ auf dem internationalen Filmtourismus-Festival ART&TUR in Portugal mit einem zweiten Preis ausgezeichnet.

Überhaupt ist Gemeinsamkeit oder Stärke durch Einigkeit ein zentrales Erfolgsrezept des Ilzer Landes. Sie überwindet auch Parteigrenzen; in der Kooperation Ilzer Land sind die neun Bürgermeister drei verschiedenen Parteien zuzuordnen. Und jeder hat was vorzuweisen:

Im Markt Perlesreut (ungefähr so groß wie die Gemeinde Liebenau) erläuterte Bürgermeister Manfred Eibl die Maßnahmen zur erfolgreichen Revitalisierung des historischen Ortskernes. Die gezielte Zusammenarbeit der lokalen Banken – Volksbank und Sparkasse haben als Konsortium gemeinsam die Sanierung und Investitionen begleitet – war ein wichtiger Schlüssel, dem Ort ein lebendiges Zentrum wiederzugeben.

In dem historischen Stadtgrundriss, der noch etwas von der mittelalterlichen Baudichte erahnen lässt, war an Parkraum nicht zu denken. Deshalb wurden leerstehende Gebäude zu Parkscheunen umgebaut. Es gelang unter anderem ein Sportfachgeschäft mit rund 1 000 Quadratmeter Verkaufsfläche am Marktplatz anzusiedeln, das aus bis zu 30 Kilometern Entfernung seinen Kundenstamm rekrutiert. Weitere Gebäudesanierungen bis zu 3,6 Millionen Euro sind geplant. Ein langsamer aber nachhaltiger Prozess, denn die Hauptstraße ist nach gut fünf Jahren wieder vorzeigbar und wird auch für viele Feste genutzt.

Kommunikation über die Arbeit in den einzelnen Handlungsfeldern hat dafür gesorgt, dass der Prozess nicht abbrach, oder der Neid Stadt/Umland destruktiv geworden wäre. Nur so war auch ein interkommunales Gewerbegebiet möglich, das auch in der Kooperation „HeLiMaSt“ geprüft werden soll.

Das Ilzer Land hat viel Anerkennung und Auszeichnung erfahren. Entscheidend aber war die ressortübergreifende Förderung mit bis zu 80 Prozent, die möglich wurde, weil alle beteiligten Ministerien und Fördergeber die Kooperation ernst genommen haben, während einzelne Bürgermeister in der Vergangenheit schon Mühe hatten, einen Gesprächstermin zu bekommen. Es war natürlich auch erkennbar, dass die Rahmenbedingungen der Städtebauförderung in Bayern sehr großzügig angelegt sind, z.B. weil auch private Investitionen gefördert werden können.

Die Erfahrungen sollen dazu beitragen, die anstehende Antragstellung für das Städtebauförderungsprogramm aussichtsreicher zu machen und den Aufstellungsprozess dafür zu beschleunigen.

Für die Kooperation fasste Bürgermeister Friedrich Wilhelm Koop als Sprecher der Gruppe das Ergebnis der Exkursion zusammen: „Die Kommunen an der Ilz haben einen langen Weg der Kooperation zurückgelegt, dessen Erfolge jetzt erkennbar sind – bei allen Besonderheiten der bayrischen Rahmenbedingen – sind viele Strukturen und Erfolgsrezepte übertragbar. Unser langer Weg ins Ilzer Land hat sich gelohnt“.

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Erstellt:
21. April 2013, 00:00 Uhr
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