Ist froh, in den neuen Räumlichkeiten in der Düsseldorfer Straße nahezu perfekte Bedingungen für ihre Arbeit bieten zu können: Myriam Stegemann von der Beratungsstelle für Mädchen und Frauen. Foto: Hagebölling

Ist froh, in den neuen Räumlichkeiten in der Düsseldorfer Straße nahezu perfekte Bedingungen für ihre Arbeit bieten zu können: Myriam Stegemann von der Beratungsstelle für Mädchen und Frauen. Foto: Hagebölling

Nienburg 11.07.2020 Von Edda Hagebölling

„Beim Gehen spricht sich‘s besser“

Myriam Stegemann von der Frauen- und Mädchenberatungsstelle war auch während des Lockdowns im Einsatz

In dem Wissen, dass die Frauen sie auch während des Corona-Lockdowns – oder gerade deswegen – brauchten, war Myriam Stegemann von der Beratungsstelle für Frauen und Mädchen in den vergangenen Wochen und Monaten nahezu durchgehend zu erreichen.

Zunächst per Telefon oder E-Mail, aber schon bald auch für ein Gespräch unter freiem Himmel. „Beim Spazierengehen spricht es sich besser“, so die Heilpraktikerin für Psychotherapie und systemische Traumaberaterin. Die neuen Räumlichkeiten in der Düsseldorfer Straße bieten dafür beste Voraussetzungen.

Die Haushälfte mit der Nummer 20 befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Bürgerpark und Meerbach. Der ältere Herr, der dort gelebt hat, hat die Immobilie der Stadt vermacht und die wiederum hat sie dem Nienburger Frauenhaus angeboten. Fast zu schön, um wahr zu sein, in jedem Fall aber ein Beleg dafür, dass die Arbeit der Frauen, die dort arbeiten, wertgeschätzt wird.

Außer der Beratungsstelle für Frauen und Mädchen ist in der Düsseldorfer Straße die BISS, die Nachberatung für Frauen aus dem Frauenhaus und auch die Nachberatung für Kinder, die mit ihren Müttern vorübergehend im Frauenhaus gelebt haben, angesiedelt.

DIE HARKE am Sonntag hatte die einzelnen Angebote in den vergangenen drei Ausgaben vorgestellt. Die heutige Folge über die Arbeit von Myriam Stegemann beschließt die Serie über die Opfer von Gewalt. Dabei ist keinesfalls „nur“ häusliche Gewalt gemeint. „Gewalt hat viele Gesichter und kennt kein Alter“, weiß Myriam Stegemann aus ihrer täglichen Arbeit.

Gerade in den letzten Wochen wurde sie von Frauen angerufen oder angemailt, die unter der Last der Kontaktsperren fast zusammengebrochen sind. Um Hilfe gebeten wird die Beraterin aber auch von jungen Mädchen, denen K.o.-Tropfen verabreicht wurden oder per Whats-App gemobbt werden. Konfrontiert wird Myriam Stegemann zudem immer häufiger mit den Themenbereichen Gewalt in der Pflege und Gewalt unter der Geburt.

Dass die Traumaberaterin nicht nur darauf wartet, dass die Frauen und Mädchen zu ihr kommen, versteht sie für sie von selbst. Stegemann kommt, wenn gewünscht, auch zu den Frauen ins Haus, geht mit ihren Präventions-Projekten in die Kindergärten und Grundschulen und sucht auch die 8. und 9. Klassen auf. „Die Zusammenarbeit mit den Kitas und Schulen ist gut“, so die Mitarbeiterin des Frauenhaus-Vereins.

Wegen der Corona-Auflagen sind zumindest die Besuche in den Kitas und Schulen zurzeit nicht möglich und auch die Kurse, die sie anbietet, um Frauen zu stärken, können momentan nicht stattfinden, sobald all das wieder erlaubt ist, wird sie auch diese Tätigkeiten wieder aufnehmen.

Die Frauen und Mädchen, die zu Myriam Stegemann in die Beratungsstelle kommen, sind begeistert von der wohltuenden Atmosphäre. „Jede von uns hatte die Möglichkeit, sich so einzurichten, wie es ihr gefällt. Dass dieses Gefühl auch auf die Besucherinnen überspringt, liegt auf der Hand“, so die Expertin für Psychologie und Traumaberatung.

Vergessen ist auch die Zeit, in der die Frauen jedes Mal aufschreckten, wenn auf der Straße vor der ehemaligen Beratungsstelle ein Polizei- oder Krankenwagen mit Martinshorn vorbeifuhr. Die Frauen waren nicht selten wie erstarrt, wurden sie doch an unerfreuliche Vorfälle in der Vergangenheit erinnert.

Zu erreichen ist Myriam Stegemann unter der Telefonnummer 05021/61163 oder per E-Mail unter frauen-maedchen-beratung@posteo.de Außerdem informiert sie immer wieder auch per Instagram über ihre Arbeit. frauenhaus-nienburg.de

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Erstellt:
11. Juli 2020, 17:35 Uhr
Lesedauer:
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