Die Förderung durch „Spiel des Jahres“ ist bei P.U.R. an dankbare Empfänger gekommen. Björn Henning hat für das Geld neue Spiele angeschafft. Selbstredend ist „L.a.m.a.“ dabei - das Spiel des Jahres. Foto: Lebenshilfe

Die Förderung durch „Spiel des Jahres“ ist bei P.U.R. an dankbare Empfänger gekommen. Björn Henning hat für das Geld neue Spiele angeschafft. Selbstredend ist „L.a.m.a.“ dabei - das Spiel des Jahres. Foto: Lebenshilfe

Nienburg 30.12.2020 Von Die Harke

Beim gemeinsamen Spiel tauen die Menschen auf

Gesellschaftsspiele für die Werkstatt P.U.R. der Lebenshilfe Nienburg

Björn Henning hat Post bekommen. Das ist zunächst nichts Besonderes – ungewöhnlich ist aber der Absender: Das Schreiben kam nämlich vom Förderverein „Spiel des Jahres“. Dort hatte sich der Gruppenleiter der Lebenshilfe Nienburg gGmbH-Werkstatt P.U.R. für Menschen mit seelischer Behinderung um eine Förderung beworben – und er hatte Erfolg.

Der Förderverein von „Spiel des Jahres“ unterstützt jährlich verschiedene Projekte und Einrichtungen, setzt dafür immer einen anderen Schwerpunkt. „In diesem Jahr ging es darum, Menschen mit Handicap an Gesellschaftsspiele heranzuführen“, berichtet Björn Henning. „Da wir hier im Rahmen der begleitenden Angebote ohnehin Spiele einsetzen, bot sich das für uns an.“

Eine seelische Behinderung könne jeden treffen, sagt Einrichtungsleiter Robert Käßler: „Auslöser kann eine Erkrankung sein, Drogenmissbrauch, ein Unfall oder eine Reihe von Schicksalsschlägen, deren Folgen sich aufsummierten.“ P.U.R. gibt dem Leben der Betroffenen Struktur und sorgt dafür, dass ihre Kompetenzen erhalten bleiben und gestärkt werden.

Zu den Kunden der Werkstatt zählen Unternehmen wie BASF oder der Audiotechnik-Hersteller Sennheiser. „Wir produzieren hier buchstäblich für den Weltmarkt“, betont Robert Käßler mit Stolz. Björn Henning formuliert es bildhaft: „Die Vorstellung, dass jemand wie Lady Gaga in ein Mikrofon singt, das wir hier montiert haben – das ist der Hammer.“

Vielen der rund 60 Mitarbeitern mit unterschiedlichsten psychischen Einschränkungen fällt es schwer, Freude oder allgemein Gefühle zu zeigen. „Das ändert sich beim Spielen“, sagt Björn Henning: „Da tauen die Leute auf, man merkt richtig, wie gute Emotionen an die Oberfläche kommen.“

Spiele sind eines der Begleitangebote bei P.U.R. „Unsere Aufgabe ist die Teilhabe am Arbeitsleben, hier wird in erster Linie für Industriekunden produziert“, so der Einrichtungsleiter. „Aber ergänzend zur Arbeit gibt es Begleitangebote zur weiteren Förderung und Begleitung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Das gemeinsame Spielen entspannt, macht Spaß und fördert soziale Kompetenzen.

Dazu werden Brettspiele stark nachgefragt, bislang vor allem Klassiker wie „Monopoly“ oder „Mensch-ärgere-dich-nicht“. Zwar würden auch gern einmal neue Spiele ausprobiert, doch gibt es da oftmals ein Problem: „Bei neuen Spielen stellt die Spielanleitung für viele unserer Mitarbeitenden mit Handicap eine Hürde da“, berichtet Henning. „Die meisten von ihnen sind mit so viel Text überfordert. Ich bin dann quasi der ,Erklärbär‘ und übersetze die Regeln. Und dann geht’s ab!“

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Erstellt:
30. Dezember 2020, 18:12 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 10sec

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