Die Schweringer Fähre ist eine der Attraktionen am Weserradweg im Kreisgebiet. Der ADFC hatte sich seinerzeit mit dafür ausgesprochen, über diese Weserquerung die Hauptroute des Weserradweges zu legen. Foto: ADFC

Die Schweringer Fähre ist eine der Attraktionen am Weserradweg im Kreisgebiet. Der ADFC hatte sich seinerzeit mit dafür ausgesprochen, über diese Weserquerung die Hauptroute des Weserradweges zu legen. Foto: ADFC

Landkreis 27.03.2021 Von Die Harke

„Beliebt, aber mit Schlaglöchern“

ADFC freut sich über gutes Abschneiden des Weserradwegs, kritisiert aber auch den Zustand an einigen Stellen

Erneut hat es der Weserradweg in die Oberklasse der beliebtesten Fernradwege geschafft. Die Auswertung der Radreiseanalyse, die jetzt digital zum Ende der Reisemesse ITB in Berlin vorgestellt wurde, sieht den Weserradweg auf Platz zwei der beliebtesten Radwege im Bundesgebiet.

„Ein toller Erfolg“, meint Berthold Vahlsing vom ADFC. „Wir freuen uns über die erneut gute Bewertung unseres Fernradweges vor unserer Haustür, sehen aber auch die Probleme.“

Die Radreiseanalyse ist eine bundesweite Umfrage der Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs unter interessierten Radreisenden. Die Untersuchung findet jährlich jeweils am Ende der Reisesaison statt. Sie wird unterstützt vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Ein Schild des Weserradwegs an der Nienburger Fußgängerbrücke. Foto: Schmidetzki

Ein Schild des Weserradwegs an der Nienburger Fußgängerbrücke. Foto: Schmidetzki

In der Auswertung belegt der Elberadweg erneut den ersten Platz, gefolgt vom Weserradweg und dem Ostseeradweg. Im vergangenen Jahr hatten Weserradweg und Elberadweg die Plätze noch getauscht. Bei den beliebtesten Radreiseregionen hat es das Aller-Leine-Tal es auf Anhieb auf den vierten Platz geschafft, nach Ostholstein, Bodensee und Münsterland. Niedersachsen liegt bei den beliebtesten Bundesländern an dritter Stelle. Bayern ist am beliebtesten gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern.

„Interessant war für uns ebenfalls, dass sich die meisten Radler nach wie vor an der Beschilderung orientieren.,“ erklärt Vahlsing. „Wir sehen damit die Bedeutung unserer Radwegepaten unterstrichen, die den Zustand des Radverkehrsnetzes im Landkreis im Auge haben, so auch den Weserradweg.“ Die Auswertung der Befragung weist allerdings auch auf den digitalen Einzug hin. Das Handy würde zunehmend zur Navigation herangezogen. Als beliebteste App gelte hier Komoot vor Google. Fahrradnavigationsgeräte seien, vermutlich wegen der höheren Kosten, von geringerer Bedeutung.

Massiv Einzug gehalten haben bei den Radreisenden die Pedelecs. Nach der Radreiseanalyse fahren 32 Prozent der Radreisenden mit elektrischer Unterstützung. „Wir vor Ort würden diesen Wert bei ca. 80 Prozent der Radreisenden schätzen“, so der Vereinssprecher. Gastgeber und Lokale müssten sich mit Lademöglichkeiten darauf einstellen.

In diesem Zusammenhang wird eine erhebliche Zunahme der Erholungssuchenden mit dem Rad beziffert. Für 2021 geben 69 Prozent an, eine Radreise durchführen zu wollen, davon 79 Prozent im Bundesgebiet.

Der Weserradweg vor Ort

„Etwas irritiert werden aktive Radler in unserer Region über das Ergebnis des Weserradwegs schon sein“, meint der ADFC-Vorsitzende. Beurteilt würden bei der Untersuchung aber nicht eine Region, sondern der gesamte Radweg von Hannoversch Münden bis zur Wesermündung. Nienburg und drumherum sei in manchen Abschnitten nicht wirklich vorzeigbar, wenn es um die Qualität der Wege geht. „Es gibt aber auch wirklich sehr schöne Abschnitte ab Hoya, bei Haßbergen in der Marsch, Rohrsen oder Mehlbergen“, meint der Sprecher. Auch der Radwegbschnitt in Stolzenau an der Weser und zwischen Stolzenau und Landesbergen sei schön und am Thema Weserradweg orientiert.

Leider gäbe es auch eine andere Seite. Schotterwege, Schlaglöcher, verschlissene Pflasterungen und Asphaltflächen seien ab Stolzenau bis Drakenburg, insbesondere zwischen Landesbergen, Liebenau nach Nienburg und in Abschnitten bis Schweringen bei Radfahrern bekannt. Besonders die Kreisstadt sei sehr zurückhaltend. „Die Promenade vom Hafen in Richtung Drakenburg zu fahren ist schon gewöhnungsbedürftig“, so der Verein.

Der ortskundige Radler freue sich über die guten Wege ab halber Strecke nach Drakenburg. Immer noch themenfern führe die Hauptroute des Weserradweges von Estorf durch Nienburg Bruch und Kattriede nach Nienburg. Positive Bewertungen anderer Streckenabschnitte müssten diesen Mangel ausgleichen. In Nienburg bliebe die Führung des Weges unübersichtlich (an der Festwiese und am Kanu-Club/Theater). „Wir sehen deutliche Handlungsbedarf bei den Kommunen“, unterstreicht Vahlsing. Alle Problembereiche seien schon seit längerer Zeit dokumentiert und damit bekannt.

„Unsere Region mit der typischen Marschlandschaft hat schon etwas“, meint der Radler. Man müsste dort aber eben auch fahren können, ohne dass die Satteltaschen abfallen.

Die erhebliche Wertschöpfung durch den Weserradweg in der Region werde immer wieder betont. „Gute Bewertungen gibt es aber nicht umsonst“, so Vahlsing. Vielleicht müsse man neue Abläufe finden, um die Qualität des Weserradweges vor Ort wiederherzustellen. Wir empfehlen den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung dem Weserradweg mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Davon würden auch Naherholungssuchende aus dem Landkreis profitieren.

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Erstellt:
27. März 2021, 19:45 Uhr
Lesedauer:
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