02.06.2013

Bernd Henke und die Agenda 2020

Junglandwirt aus Holtrup will seine Ackerflächen verdoppeln

Holtrup. „Ich bin Landwirt aus Leidenschaft.“ Das sagt Bernd Henke voller Überzeugung. Der 30-Jährige bewirtschaftet in Holtrup derzeit 20 Hektar, auf denen Triticale, Wintergerste und Winterraps wachsen. „Mais baue ich ganz bewusst nicht an“, sagt der Holtruper, der seine Flächen in den nächsten Jahren verdoppeln will. „Ich nenne das immer: ‚Meine persönliche Agenda 2020‘.“ Bis dahin nämlich will der Nebenerwerbslandwirt 40 Hektar bewirtschaften. „Die Zusagen für die Pachtflächen habe ich schon“, freut sich der engagierte junge Mann, der in Zeiten explodierender Pachtpreise eine besondere Herangehensweise gewählt hat: „Ich habe mich bei potenziellen Verpächtern um Flächen beworben.“ Auf zwei Seiten stellt Bernd Henke sich und sein Konzept vor. Wer an ihn verpachtet, könne sich sicher sein, dass seine Böden gut gepflegt werden. „Ich habe ein spezielles Düngekonzept“, sagt der 30-Jährige, der für seine Äcker einen speziellen Düngeplan ausarbeitet und sie alle drei Jahre beproben und analysieren lässt. Zudem entastet er Bäume, schneidet Hecken zurück und mulcht Grünstreifen. Ein Service, der offensichtlich schon einige Verpächter überzeugt hat. „Das sehe ich auch als Dienst an der Natur“, formuliert der Holtruper seine Philosophie. Damit sich seine Investition in die Böden rechnet, benötigt Bernd Henke allerdings eine langfristige Pachtzusage. „Über zehn bis 15 Jahre mindestens, ich habe auch Flächen mit 20 Jahren“, sagt der Landwirt.

Die Idee, dass er mit seinem Betrieb wachse, sei für ihn nicht neu: „Die gibt es schon lange.“ Dennoch bleibt er auch Realist: „Um davon leben und eine Familie ernähren zu können, bräuchte ich das Zehnfache an Fläche.“ Deswegen arbeitet er nach wie vor in seinem erlernten Beruf als Elektriker in einem großen Industrieunternehmen in Hoya. Dort ist er im Schichtdienst tätig. Eine Arbeit, die ihm Spaß macht. Und die ihm genug Freiraum für seine ambitionierte Leidenschaft lässt, die weit davon entfernt ist, ein Hobby zu sein. Denn ohne Landwirtschaft geht es nicht.

Als Bernd Henke 17 Jahre alt war, stieg er in den Betrieb seines Vaters ein, übernahm auf dem Hof immer mehr Arbeiten. 2005 entschieden sie gemeinsam, die Ferkelproduktion aufzugeben. Eine Entscheidung, die seinem Vater anfangs schwer fiel. Aus heutiger Sicht aber war es nach Ansicht beider die richtige. Bernd Henke konzentrierte sich dann mehr und mehr auf das, was ihm besonders liegt: „Mein Steckenpferd war schon immer der Ackerbau.“ Er baute sich einen Maschinenpark auf, besitzt heute zwei Schlepper, Mulcher, Düngerstreuer, Tiefenlockerer, eine Spritze.

„Ich bin komplett eigenmechanisiert“, sagt der junge Landwirt, der auf seine Unabhängigkeit großen Wert legt. Früher hatten die Henkes viele Arbeiten an Lohnunternehmer vergeben. „Ich habe mich immer geärgert, dass wir das nicht selbst machen konnten.“ Also baut er seinen Maschinenpark seit ein paar Jahren aus, sukzessive und mit dem nötigen Augenmaß. Einzig wenn es um Mähdrescherarbeiten geht, greift er auf die Unterstützung eines Lohnunternehmers zurück. Im vergangenen Jahr hat er den Betrieb von seinem Vater auch offiziell übernommen, stieg in die Verhandlungen über neue Konditionen mit der Bank ein und organisierte seinen Betrieb, mit dem er rundum zufrieden ist.

Sicher, er habe keine klassische Ausbildung zum Landwirt absolviert. Aber mittlerweile kann er auf 14 Jahre Erfahrung in der Landwirtschaft bauen und hat sich umfangreiche Kenntnisse im Pflanzenbau und Pflanzenschutz angeeignet. „Das Wissen, was ich habe, habe ich mir erlesen – und ausprobiert“, sagt der Junglandwirt, der über sich selbst sagt: „Ich bin perfektionistisch veranlagt.“ DH

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Erstellt:
2. Juni 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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