Rebecca Göllner Die Harke

Rebecca Göllner Die Harke

24.08.2015 Von Rebecca Göllner

Berufe und ihre Sprachen

Wissen Sie, was ein 17er-Schlüssel ist, oder ein 500er Glasbaustein? Ich wusste es bis vor Kurzem nicht. Wer die Begriffe benutzt, redet von einem Flaschenöffner und einer Flasche Bier. Das soll angeblich HandwerkerSprache sein. Auch der raue Umgangston gehöre auf dem Bau dazu. Da dürfe niemand zart beseitet sein. Jede Berufsbranche habe, so habe ich es beim Brokser Markt erfahren dürfen, ihren eigenen Sprech. So würden es vor allem auch Pädagogen sein, die nicht „Kannst du mir bitte einmal“ sagen, sondern „Magst du mir bitte“. Aha. Aber auch wir Journalisten benutzen untereinander Begriffe, die im normalen Sprachgebrauch so nicht auftauchen. Einige Beispiele: „Ich schreibe das kalt“. Das bedeutet soviel wie, dass der Redakteur nicht am Ort des Geschehens recherchiert, sondern vom Schreibtisch aus. Dabei benutzt er Informationen, die man aus Archiv-Recherche, am Telefon oder über Nachrichtenagenturen bekommt. Ein weiteres Beispiel: „Unter eins. Unter zwei. Unter drei sprechen“. Bei „unter 1“ darf man Inhalt und Quelle des Gesprächs mitteilen, bekommt man etwas „unter 2“ gesagt, darf man den Inhalt wiedergeben, jedoch ohne die Quelle zu nennen. Eine Erklärung „unter 3“ bedeutet, man kann weder Inhalt noch Quelle preisgeben. Die Information dient also lediglich als Hintergrundwissen. Wichtig dabei ist: Informantenschutz gilt immer. Mich würde interessieren, welche „Sprachen“ es noch gibt.

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Erstellt:
24. August 2015, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 42sec

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