Auch Pastor Michael Weiland hält hier nun 14-tägig „Sprechstunden“ ab, zu denen sich die Bewohner des Landsitzes Hohenholz im Vorfeld anmelden können. Foto: Weiland

Auch Pastor Michael Weiland hält hier nun 14-tägig „Sprechstunden“ ab, zu denen sich die Bewohner des Landsitzes Hohenholz im Vorfeld anmelden können. Foto: Weiland

Eystrup 05.05.2020 Von Die Harke

Besucherfenster eingerichtet

Dazu gibt es Minikonzerte für Bewohner in Eystrup

Möglichst wenig Kontakte, selbst innerhalb des Gebäudes – auch das Pflege- und Betreuungszentrum Landsitz Hohenholz in Eystrup hat zum Schutz seiner Bewohner vor einer drohenden Infektion mit dem Coronavirus drastische Maßnahmen ergreifen müssen. Bis vor Kurzem waren gar keine Besuche von Angehörigen und Freunden möglich. Einzig das Telefon blieb als Verbindung zur Außenwelt.

Die monatlichen Andachten von Pastor Michael Weiland aus Hassel, zu dessen Zuständigkeitsbereich der Landsitz gehört, müssen zurzeit ebenfalls entfallen. Eine Maßnahme, mit der beide Seiten nicht zufrieden sind. „Kirche will gerade in solchen Krisen für die Menschen da sein, ihnen Halt und Hoffnung geben. Das persönliche Gespräch ist dabei durch ein Telefonat kaum zu ersetzen“, sagt Weiland. Doch wie können Menschen erreicht werden, wenn ein Besuch nicht möglich ist?

Eine erste Idee: „Musik geht immer! Kleine Minikonzerte vor dem Gebäude, gespielt von zwei Mitgliedern des Posaunenchors Hassel. Das kommt in die Räume und die Herzen.“, berichtet der Pastor.

Die Musiker wechseln sich dabei für die Konzerte ab. „Für uns ist das eine Win-win-Situation“, erzählt Susanne Bregmann, Leiterin des Posaunenchors. „Die Bewohner freuen sich über die Abwechslung und feiern richtig mit. Und für uns ist es eine Möglichkeit, trotz der Krise, ab und zu aufzutreten, wenn auch in Kleinstbesetzung.“

Not macht erfinderisch auf beiden Seiten. So hat das Team des Landsitzes Hohenholz für persönliche Kontakte eine kreative Lösung gefunden: Ein Besuchsfenster wurde eingerichtet. Liebevoll geschmückt und durch eine Glasscheibe voneinander getrennt zum beiderseitigen Schutz verhindert sie jeden körperlichen Kontakt, ermöglicht aber wieder Besuche der Angehörigen nach vorheriger Anmeldung.

Auch Pastor Weiland hält hier nun 14-tägig „Sprechstunden“ ab, zu denen sich die Bewohner im Vorfeld anmelden können. „Ein bisschen Knastatmosphäre ist das schon, fast so wie in den amerikanischen Filmen, nur ohne Telefon“ beschreibt er das Gefühl in der Zelle. „Aber ich bin froh, wieder persönlich für die Menschen da sein zu können.“ Den Bewohnern ist es egal, dass sie in einer Art Zelle sitzen, sie würden das Gesprächsangebot von Pastor Weiland gerne annehmen. Und so fensterlt der Pastor im Landsitz Hohenholz nun am Besucherfenster – auch das gibt es in Coronazeiten.

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Erstellt:
5. Mai 2020, 05:22 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 07sec

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