Bewährung für Drogendealer

Bewährung für Drogendealer

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Ein 46-jähriger Mann aus Nienburg ist vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte im Dezember 2017 und Januar 2018 in der Wohnung seiner Eltern diverse Drogen an Konsumenten verkauft. Der Angeklagte verteidigte sich selbst, nachdem die angekündigte Rechtsanwältin nicht erschienen war. Neben der Anklage wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz war der 46-Jährige auch angeklagt worden, einen nach dem Waffengesetz verbotenen Gegenstand besessen zu haben. Es handelte sich dabei um ein sogenanntes „Butterfly-Messer“.

Als Zeuge wurde ein Nienburger Polizist vernommen, der seinen Angaben zufolge seit etwa 20 Jahren Drogendelikte bearbeitet. Er sagte: „Vor der Wohnung der Eltern ist es zugegangen wie in einem Taubenschlag. So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Seinen weiteren Angaben zufolge sind die Konsumenten zum Teil für ein paar Minuten in die Wohnung oder auf die Terrasse gegangen. Auf der Terrasse seien die gekauften Drogen teilweise sofort konsumiert worden.

Auf den Vorhalt der Aussage des Polizeibeamten sagte der Angeklagte, dass es sich um Freunde gehandelt habe, die ihn besucht hätten. Dies wurde durch die Dokumentation der Polizei widerlegt, wonach sich die Konsumenten nur bis zu fünf Minuten beim Angeklagten aufgehalten hatten.

Aufgrund der Ermittlungsergebnisse wurde die Wohnung der Eltern und die des Angeklagten im Januar 2018 durchsucht. In der Wohnung der Eltern wurden umfangreiche Drogenfunde gemacht. So wurden Heroin, Marihuana und Drogenersatzstoffe wie Polamidon gefunden.

21 Vorstrafen registriert, davon mindestens sieben mit Drogendelikten

In der Wohnung des Angeklagten wurde das Butterfly-Messer gefunden und sichergestellt. Dazu sagte der 46-Jährige, dass das Messer schon seit langer Zeit in seinem Besitz gewesen und es früher nicht verboten gewesen sei, es zu besitzen. Diese Aussage vermochte ihn allerdings nicht zu entlasten, da diese Art Messer seit 2003 verboten sind und nicht mehr besessen werden dürfen.

Zur Urteilfindung wurde das Vorstrafenregister herangezogen. Hier zeigte sich, dass der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt war. 21 Vorstrafen waren registriert, davon mindestens sieben mit Drogendelikten und weitere mit Beschaffungsdelikten. Die letzte Eintragung stammte aus dem Jahr 2012.

Für die beiden Delikte forderte die Staatanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Da der Angeklagte in den vergangenen Jahren nicht aufgefallen war, sollte die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Drogen und das Messer sowie Drogenzubehör und 290 Euro gefundenes Bargeld, das offensichtlich aus dem Verkauf der Drogen stammte, sollten eingezogen werden. Der Angeklagte stellte keinen Antrag.

Das Gericht verurteilte ihn zu den zehn Monaten Freiheitsstrafe und setzte diese für drei Jahre zu Bewährung aus. Die Drogen und das Bargeld werden eingezogen. Darüber hinaus wird für den Angeklagten ein Bewährungshelfer bestellt.