Das Ehepaar Kleindienst.

Das Ehepaar Kleindienst.

21.12.2014

Bierstube noch zweimal die Woche geöffnet

„Zum Goldenen Krug“ in Hilgermissen: Marianne und Heinz Kleindienst wollen ab dem 1. Januar kürzer treten

Von Horst Achtermann

Hilgermissen. Marianne (67) und Heinz (70) Kleindienst, betreiben seit 1983 in Hilgermissen das Gasthaus „Zum Goldenen Krug“. „1962 hat mein Vater, Wilhelm Clasen die Gaststätte mit drei Fremdenzimmern hier gebaut, er war nebenbei noch Briefträger“, blickt Marianne Kleindienst zurück. 1983 hat sie die Gaststätte übernommen, ihre Mutter war plötzlich gestorben. Marianne machte sich schnell einen Namen. Ihre gutbürgerliche Küche, vor allem ihre „groß geschnittenen Schnitzel“ sind in der Region um Hilgermissen bekannt. „Nicht nur bei den Feuerwehrkameraden“, sagt Marianne, die sich das Kochen mit Unterstützung durch ihre Mutter beigebracht hat. „1994 wollten wir es wissen und haben tief in unsere Taschen gegriffen, einige hunderttausend DM waren es schon“, sagt Heinz Kleindienst, der 45 Jahre seinen Beruf als Automechaniker ausgeübt hat.

Ein Saal für 120 Personen wurde gebaut, die Küche vergrößert und auf den neuesten Stand gebracht. Fünf Fremdenzimmer mit Dusche, WC und Fernsehen sowie eine Ferienwohnung wurden geschaffen. Monteure, überwiegend Schlosser, finden bei Firmen in der Umgebung ihre Arbeit. „Sie kommen aus Mecklenburg und dem Oderland und haben bei uns eine günstige Unterkunft“, weiß Heinz Kleindienst und ergänzt, „allerdings feilschen die Firmen auch um den Preis“.

Mariannes Kochkünste haben sich schnell rumgesprochen. „So haben wir viele Essen, auch zu privaten Feierlichkeiten, außer Haus geliefert“. Vorn in der kleinen Gaststube bedient Heinz seine Stammgäste nach Feierabend, „die sich bei Bier und Korn vieles zu erzählen haben“. „Allein vom Umsatz an der Theke kann man allerdings nicht leben“, stellt Heinz Kleindienst fest. Die Investition in Küche und Fremdenzimmer im Jahr 1994 habe sich gelohnt, der Saalbau weniger, erzählt das Ehepaar. Die Übernachtung mit Frühstück und kleiner Karte für 30 Euro ist schon ein Angebot.

Nun ist mit dem normalen Geschäft am 31. Dezember Schluss. Ständige Öffnungszeiten können beide aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr durchstehen. Zwei Kinder sind beruflich ihren eigenen Weg gegangen, helfen zwar gerne, sehen aber in der Gastronomie keine Zukunft, erzählt Marianne Kleindienst. Interessenten, die die Gaststätte pachten wollten, gab es. „Doch jüngere Leute, die alles neu machen wollten, bekamen das Geld nicht von der Bank“.

Wenn Heinz Kleindienst am 31. Dezember den Schlüssel umdreht, wird im neuen Jahr kürzer getreten. Die Bierstube will er dann für Stammgäste am Dienstag und Donnerstag jeweils von 17 bis 22 Uhr öffnen. „Die Übernachtungen sollen bleiben, meine Lieblingsbeschäftigung“, betont Marianne Kleindienst.

So können die Radfahrer, die über den Weserradweg kommen, sich freuen. „Anmeldungen für Juni 2015 hat das Ehepaar Kleindienst schon. Saalbetrieb findet allerdings nicht mehr statt. Der Saal kann gemietet werden, Anfragen unter Telefon 0 42 56/2 72.

Es ist zwar nicht der Grund allein, aber als der Euro kam, wurde es weniger, stellte Heinz Kleindienst rückblickend fest. Die Stammgäste fehlten. Treffen zum Dämmerschoppen, etwas essen, das wurde weniger. „Es tut mir sehr leid, 32 Jahre haben wir gerne diese Arbeit gemacht.“ Marianne Kleindienst merkt man es an. Es fällt ihr wirklich schwer, es nicht mehr so machen zu können, wie sie es 32 Jahre lang getan hat.

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Erstellt:
21. Dezember 2014, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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