Wie hier in der Marsch bei Binnen blüht derzeit der Gelbsenf auf vielen Feldern.

Wie hier in der Marsch bei Binnen blüht derzeit der Gelbsenf auf vielen Feldern.

Landkreis 22.11.2020 Von Nikias Schmidetzki

Blickfang zur natürlichen Düngung

Gelbsenf und Ölrettich sorgen aktuell für strahlende Felder

Der November ist nicht gerade für farbenfrohe Natur bekannt, gilt eher als grau und trist. Tatsächlich gab es in den vergangenen Tagen nicht nur immer wieder Sonne, vielerorts blühen derzeit sogar jetzt gelbe, weiße und ab und zu auch lilafarbige Pflanzen auf den Feldern. Spaziergänger und Hobbyfotografen haben ihre Freude daran; was dort jedoch so blüht, ist vielen gar nicht bekannt.

Das, berichtet Henrich Meyer zu Vilsendorf, Leiter der Nienburger Bezirksstelle der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, gehe vielen so. Die Pflanzen sehen nicht nur – für kurze Zeit – hübsch aus, sie erfüllen auch ihre Zwecke.

„Bei den leuchtend gelb blühenden Pflanzen handelt es sich um Gelbsenf, der am häufigsten angebauten Zwischenfrucht in der Region. Senf gehört zur Familie der Kreuzblüter und ist eng mit dem bekannten Raps verwandt. Etwas seltener ist der weiß blühende Ölrettich zu sehen. Häufig steht Ölrettich in gemeinsamen Mischungen mit Senf auf den Feldern“, klärt Meyer zu Vilsendorf auf.

Als Zwischenfrüchte werden Feldpflanzen bezeichnet, die zwischen anderen zur Hauptnutzung vorgesehenen Kulturen angebaut werden. „In der Regel dienen sie zur Gründüngung, also zur Bodenverbesserung, seltener werden sie als Tierfutter genutzt“, erklärt der Leiter der Bezirksstelle. Hier in der Region finde der Anbau überwiegend vor dem Maisanbau oder der Bestellung mit Zuckerrüben statt. Meyer zu Vilsendorf:

Auch Ölrettich blüht noch im Herbst.

Auch Ölrettich blüht noch im Herbst.

„Zwischenfrüchte werden im Spätsommer in der Regel nach der Getreideernte ausgesät und bedecken die Felder über Winter. Etliche Zwischenfrüchte sind nicht frostfest und sterben dementsprechend in kalten Wintertagen ab. Ein durchaus gewollter Effekt, um in den Folgekulturen keine Probleme mit deren Aufwuchs zu bekommen.“

Die Entscheidung ob und welche Zwischenfrüchte von den Landwirten angebaut werden hänge von vielen Faktoren ab. So müsse unter anderem die Verträglichkeit zu anderen Kulturen in der Fruchtfolge beachtet werden. Ebenso müssten sich die Landwirte entscheiden, ob die Zwischenfrucht in Reinkultur oder mit Mischungen anderer Arten ausgesät wird. Insgesamt stünden etwa ein Dutzend verschiedener geeigneter Pflanzenarten zur Verfügung.

Und was genau bringen die Zwischenfrüchte den Landwirten? Der Experte der Landwirtschaftskammer: „Die Vorteile des Zwischenfruchtanbaus sind vielfältig, sie dienen beispielsweise der Nährstoffspeicherung und Verminderung der Nährstoffverlagerung, dem Erosionsschutz und der Humusbildung.“

Wie lange sich Spaziergänger und Fahrradfahrer noch an der strahlenden Natur erfreuen dürfen, ist ungewiss. „Frost mögen die Pflanzen nicht“, sagt Meyer zu Vilsendorf.

Zum Artikel

Erstellt:
22. November 2020, 12:44 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 11sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.