Goldbarren in unterschiedlicher Größe liegen bei einem Goldhändler in einem Tresor. Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine, hat der Goldpreis seinen höchsten Stand seit Januar 2021 erreicht. Foto: Sven Hoppe/dpa

Goldbarren in unterschiedlicher Größe liegen bei einem Goldhändler in einem Tresor. Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine, hat der Goldpreis seinen höchsten Stand seit Januar 2021 erreicht. Foto: Sven Hoppe/dpa

Frankfurt/Main 24.02.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Börsen auf Talfahrt - Wirtschaft in Turbulenzen

Die Nervosität an den Märkten ist seit Tagen spürbar. Nun hat die russische Invasion die letzten Hoffnungen an den Finanzmärkten pulverisiert. Börsen und Wirtschaft stehen vor turbulenten Zeiten.

Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat rund um den Globus für Schockwellen an den Kapitalmärkten gesorgt. „Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Es herrscht Krieg in Europa“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners in Frankfurt. Weltweit rauschten Aktienkurse nach unten, viele Investoren flüchteten in Anlagen wie Gold und deutsche Staatsanleihen, die in Krisenzeiten als sicher gelten. Auf Verbraucher könnten nach Berechnungen von Ökonomen drastische Preissteigerungen zukommen, denn Russland ist ein großer Gaslieferant für Deutschland und Europa, aber zum Beispiel auch einer der weltgrößten Anbieter von Aluminium, das in vielen Produkten steckt. Weiter rasant steigende Rohstoffpreise könnten die seit Monaten hohe Teuerung noch anheizen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent kostete am Donnerstag erstmals seit 2014 mehr als 100 Dollar. Der Aluminium-Preis kletterte auf ein Rekordhoch von 3388 US-Dollar. Ein Scheffel Weizen kostete mit knapp 935 US-Cent so viel wie seit 2012 nicht mehr. Russland könnte mit Lieferstopp von Gas reagierenExperten und Expertinnen schließen nicht aus, dass Russland auf verschärfte wirtschaftliche Sanktionen mit einem Stopp seiner Gaslieferungen reagiert und damit die Preisspirale antreibt. „Kommt es zu gravierenderen Liefereinschränkungen, könnte sich der Gaspreis (...) noch weiter erhöhen. In diesem (...) Szenario würde die Inflationsrate in diesem Jahr auf 6,1 Prozent und 2023 auf fünf Prozent klettern“, rechnete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für Deutschland vor. „Die Verbraucher, aber auch die Unternehmen, hätten also noch weniger im Portemonnaie als ohnehin schon.“ Die deutsche Wirtschaft stellt sich auf erhebliche Rückschläge ein. „Die wirtschaftlichen Folgen dieser Invasion sind noch nicht absehbar, sie sind aber ganz sicherlich schwerwiegend“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Peter Adrian, der Deutschen Presse-Agentur. Deutschlands exportorientierte Maschinenbauer rechnen damit, dass Strafmaßnahmen gegen Russland auch ihr Geschäft treffen werden. Der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Karl Haeusgen, betonte zugleich: „Der VDMA unterstützt die Entscheidung, die Aggression hart zu sanktionieren.“ Bislang gingen Volkswirte davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach einem schwachen Winter infolge der anhaltenden Corona-Pandemie im Frühjahr wieder zulegen wird. Die Eskalation des Ukraine-Konflikts ist jedoch Gift für die Konjunktur. „Mit den aktuellen Entwicklungen ist unser Negativ-Szenario, ein offener Krieg zwischen der Ukraine und Russland, eingetreten“, hieß es von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Wir gehen davon aus, dass die Realwirtschaft rund um den Globus spürbare Einbußen hinnehmen muss.“ Aluminium kletterte auf ein Rekordhoch Rohstoffpreise zogen bereits am Donnerstag kräftig an: Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent kostete erstmals seit 2014 mehr als 100 Dollar. Der Preis für Aluminium kletterte auf ein Rekordhoch von 3388 US-Dollar. Am Donnerstagmorgen hatte der russische Präsident Wladimir Putin den Angriff der Ostukraine offiziell angeordnet. US-Präsident Joe Biden, die westlichen Verbündeten und die Nato verurteilten Putins Vorgehen scharf und kündigten weitere Sanktionen an. Russland hat nach den Worten von Biden „vorsätzlich“ einen „Krieg“ gegen die Ukraine begonnen. Europaweit eröffneten die Börsen mit großen Verlusten. Auch die Börsen in Asien reagierten mit kräftigen Verlusten auf die russische Invasion in der Ukraine. In Tokio ging der Leitindex Nikkei 225 mit einem Minus von 1,81 Prozent bei 25.970,82 Punkten aus dem Handel. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland büßte 2,03 Prozent auf 4529,32 Punkte. Am russischen Aktienmarkt ging der Ausverkauf weiter: Der RTS-Index brach um fast die Hälfte auf 612 Punkte ein. Binnen sechs Handelstagen summierten sich die Verluste dort auf rund 60 Prozent. Die russische Notenbank kündigte Interventionen am Devisenmarkt an, nachdem der Rubel auf ein Rekordtief zum US-Dollar gefallen war. Anleger flüchteten in Gold oder StaatsanleihenSchon am Mittwoch waren wichtige Börsenbarometer in den USA abgerutscht: Der Dow Jones Industrial fiel mit knapp 33.085 Punkten auf das niedrigste Niveau seit April 2021. Der breit gefasste S&P 500 verlor 1,84 Prozent auf 4225,50 Punkte. Er sackte ebenso auf das niedrigste Niveau seit Juni 2021 ab wie der technologielastige Nasdaq 100, der am Ende sogar 2,60 Prozent auf 13.509,43 Zähler einbüßte. Anleger flüchteten in Gold oder Staatsanleihen: Eine Feinunze Gold (rund 31,1 Gramm) kostete im frühen Handel 1949 US-Dollar, das ist der höchste Stand seit Januar 2021. Auch der deutsche Anleihemarkt legte zu: Am Morgen zog der richtungsweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future um etwa ein Prozent auf 167,64 Punkte an. Die Europäische Zentralbank (EZB), von der im März eine Weichenstellung zum Ausstieg aus der seit Jahren ultralockeren Geldpolitik erwartet wird, muss den Krieg in der Ukraine in ihren Entscheidungen berücksichtigen. „Wir werden bei unserer Sitzung im März eine umfassende Beurteilung der wirtschaftlichen Aussichten vornehmen. Dazu gehören auch die jüngsten geopolitischen Entwicklungen“, sagte EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane in einem am Mittwochabend veröffentlichten Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Die geopolitischen Spannungen sind aktuell ein sehr bedeutsamer Risikofaktor, vor allem für Europa“, sagte Lane.

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Erstellt:
24. Februar 2022, 11:54 Uhr
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