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Rubrik: Boulevard

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Düsseldorf

Ai Weiwei: Tonnenschwere Kunst in Düsseldorf

Ai Weiwei, Straight, 2008-2012. Foto: Federico Gam...Ai Weiwei, Straight, 2008-2012. Foto: Federico Gambarini
Ai Weiwei, Straight, 2008-2012. Foto: Federico Gambarini
Ai Weiwei, Straight, 2008-2012. Foto: Federico Gambarini

An der Kunst von Ai Weiwei kommt keiner vorbei. Besucher können gar nicht anders, als durch 40 Kleiderständer voller zurückgelassener Wäsche von Flüchtlingen zu gehen: Vom Babystrampler bis zur Jeans sind die gereinigten Kleider in beklemmender Ordnung gebügelt und beschriftet aufgehängt.

Als das griechische Flüchtlingslager Idomeni 2016 geräumt wurde, sammelten Ai Weiwei und seine Mitarbeiter die zurückgelassene Wäsche ein. Die daraus entstandene Arbeit «Laundromat» ist Teil der Ausstellung mit seinen Arbeiten in Düsseldorf.
Vom 18. Mai bis zum 1. September zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen unter dem knappen Titel «Ai Weiwei» Arbeiten des in Berlin lebenden 61 Jahre alten Künstlers und Menschenrechtlers. Installationen sind darunter, Skulpturen, Filme, Fotowände, Bilder aus Legosteinen und Darstellungen voller Details, bei denen man genau hinsehen muss. Die politisch inspirierten Werke des Chinesen haben teilweise so gewaltige Ausmaße, dass das Museum sie auf zwei Häuser verteilt hat.
«Als Aktivist ist er Künstler, und als Künstler ist er Aktivist», sagte Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung und Mit-Kuratorin, über Ai Weiwei. Alles hat auch mit Politik zu tun. Zwei seiner besonders großen Schlüsselwerke sind in Hallen im Stammhaus der Kunstsammlung aufgebaut. «Wir sind glücklich, dass wir diese Räume haben», meinte die Museumschefin.
Die Arbeit «Straight» - wie «gerade biegen» - besteht aus 164 Tonnen Stahl, die sortiert und gebündelt in Kisten aus rohem Holz liegen. Die Metallstäbe wurden nach einem verheerenden Erdbeben 2008 in China, bei dem auch Tausende Schulkinder starben, aus den Trümmern der Schulen geborgen. Jahrelang hämmerten Arbeiter die Metall-Knäule wieder gerade. Die Stäbe liegen wie aufgebahrt in Holzkisten. An der Wand hängen die Namen der gestorbenen Schüler. Weil die Arbeit extrem schwer ist, schaltete das Museum sicherheitshalber einen Statiker ein.
Geradezu spektakuläre Ausmaße hat die 650 Quadratmeter große Arbeit «Sunflower-Seeds» aus dem Jahr 2010. Sie besteht aus 100 Tonnen Sonnenblumenkernen aus Porzellan, die in China von Hand bemalt wurden. Die kleinen Kerne sind zu einem knöchelhohen, riesigen Rechteck aufgeschüttet. Obwohl jedes Figürchen weiß und schwarz bemalt ist, wirkt die ganze Masse grau und schier unendlich. Das Einzelne geht unter.
Einige Exponate haben mit Ai Weiwei und seinen regimekritischen Äußerungen gegenüber der Regierung in China zu tun. Im April 2011 wurde er in China inhaftiert und 81 Tage festgehalten. Die Gefangenschaft hat er beklemmend nachgestellt. Die Betrachter blicken durch Gucklöcher in Eisenkisten und sehen Ai Weiwei in seiner Zelle, beim Essen, mit angeketteter Hand beim Verhör. Stets mit zwei Bewachern in Uniform an der Seite.
«Ich bin selbst ein Migrant», sagte der Künstler am Donnerstag. Für das Thema steht in der Ausstellung ein nachgebautes 17 Meter langes Schlauchboot aus Bambus und Sisal. Die Passagiere erscheinen als geisterhafte Figuren, das Boot als Totenschiff. Für die Düsseldorfer Schau hat Ai Weiwei ein Selbstporträt beigesteuert, das ihn schwungvoll gehend zeigt. Es bezieht sich auf ein Foto des von ihm geschätzten, gleichfalls politischen Künstlers Joseph Beuys. «Er sieht besser aus», kommentiere Ai Weiwei.


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