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Rubrik: Boulevard

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Trier

Dogscooting: Wenn der Hund das Herrchen zieht

Erst der Hund, dann das Herrchen: Mario Reitz läss...Erst der Hund, dann das Herrchen: Mario Reitz lässt sich von seiner Schäferhündin Kira ziehen. Foto: Harald Tittel
Erst der Hund, dann das Herrchen: Mario Reitz lässt sich von seiner Schäferhündin Kira ziehen. Foto: Harald Tittel
Erst der Hund, dann das Herrchen: Mario Reitz lässt sich von seiner Schäferhündin Kira ziehen. Foto: Harald Tittel

Schäferhündin Kira kann es kaum erwarten, vor den Roller gespannt zu werden. Aufgeregt läuft sie umher, nachdem Mario Reitz ihr das Geschirr angezogen hat.

Noch schnell die Zugleine des Scooters ans Geschirr angeklickt - und los gehts: «Go!», ruft Reitz, der inzwischen auf seinem Tretroller steht. Und Kira rennt. Blitzschnell setzt sich der Scooter in Bewegung - und mit hohem Tempo düst das Zuggespann über die Wiese.
«Es ist schön, dass ich den Hund hier einfach auslaufen lassen kann, dass er alle Energie rauslassen kann und mehr oder weniger frei ist», sagt Reitz, der mit seiner belgischen Schäferhündin seit rund zwei Jahren Dogscooting macht. Seine Hündin sei einfach «ein Power-Paket». Und wenn sie ihn etliche Kilometer durch Wiesen und Wald gezogen habe, sei sie wohlig entspannt. «Sie liegt dann abends glücklich am Sofa.» Und er genieße es, mit seiner Hündin bei solchen Touren in der Natur zu sein, sagt der Bäcker aus Hockweiler bei Trier. «Es ist ein tolles Gefühl.»
Auf die Idee, sich einen Dogscooter zuzulegen, kam der 35-Jährige, weil er nach etwas suchte, um seine Hündin auszulasten. Zuvor hatte er mit Kira (6) bereits reichlich «Gebrauchshundesport» gemacht und sie unter anderem in Fährtenarbeit und Gehorsam trainiert. Den Scooter zu ziehen lernte sie nach seinen Worten ganz schnell: «Wir haben das zwei, drei Mal geübt - dann ist sie schon geradeaus gelaufen.»



Rollerfahren mit dem Hund sei eine Trendsportart, sagt Trainer Markus Behr in Üxheim-Ahütte in der Eifel. Er gilt im Hundeschulen-Netzwerk von Hunde-Profi Martin Rütter als Experte für Zughundesport. Es gebe das Dogscooting zwar schon ein paar Jahre, aber: «Es findet immer mehr Anhänger. Man kann schon sagen, dass da weiter ein Boom vorhanden ist.» Prinzipiell sei der Sport für jeden lauffreudigen Hund geeignet.
Überhaupt werde Outdoor-Sport mit dem Hund als Partner zunehmend beliebter. Beim sogenannten Canicross halten sich Hundebesitzer und Vierbeiner - durch eine Leine verbunden - beim Laufen durchs Gelände fit. Beim «Bikejöring» wird der Hund mit einem Zugseil am Fahrrad befestigt. Und dann gebe es noch das Training mit einem dreirädrigen Wagen («Dogtrike») oder einem vierrädrigen Modell («Sacco Cart»), das meist von zwei Hunden gezogen werde, erzählt Behr, der mehrere europäische Schlittenhunde (Hounds) hat.
Was den gemeinsamen Sport so interessant macht? «Das schönste Gefühl ist wirklich diese Einheit, die man als Team bildet», sagt Behr. Zudem mache es Freude, seinen Hund sowohl körperlich als auch geistig auszulasten. «Geistig, weil er vor dem Scooter läuft und die Kommandos von hinten bekommt, die er sorgfältig umsetzen muss.» Er empfiehlt Hundebesitzern, die ihren Hund vor den Roller spannen wollen, sich gut zu informieren. Wichtig sei ein passendes Geschirr. «Falsche Geschirre können zu inneren Verletzungen führen. Wenn man einen Hund hat, der kräftig zieht, kann es zu Hautverbrennungen kommen.» Eine vernünftige Ausrüstung koste um die 800 Euro. Gebremst wird über zwei Bremsen am Lenker des Rollers - wie beim Fahrrad.
Tierschützer haben keine grundsätzlichen Bedenken gegen jene «Sportarten». Sofern die Hunde «spielerisch motiviert» würden, freiwillig und freudig bei der Sache seien, spreche aus Tierschutzsicht nichts gegen eine Ausübung, teilt der Deutsche Tierschutzbund in Bonn mit. Man müsse aber auf das Alter des Hundes und seinen Gesundheitszustand achten, um ihn nicht zu überfordern. Kritisch seien Wettbewerbe und Leistungsshows - wenn Leistungen von Tieren erzwungen würden. «Da sind die Bedingungen oft nicht tiergerecht.»
Wenn Reitz in seiner Freizeit auf seinem Roller mit bis zu Tempo 40 über die Wege saust, zieht er neugierige Blicke auf sich. «Manche Leute sind überrascht, viele sind begeistert», erzählt er. Er sei aber auch schon als Tierquäler beschimpft worden. «Das ignoriere ich.» Bei ihm stehe das Wohl des Hundes im Fokus. Bei seiner Tour macht er immer wieder Pausen und lässt seinen Hund im Bach trinken und abkühlen. «Im Sommer fahre ich gar nicht, weil es zu warm ist.» Und zu Hause trainiere Kira auf einem Hunde-Laufband. «Einfach nur zur Entspannung.»
Dass Dog-Scooter auch praktisch sein können, zeigte sich im Januar bei einem Polizeieinsatz in Worms. Da lieh sich ein Polizist das Gefährt samt Hündin kurzerhand bei einer Dame aus, um einen rabiaten Jogger zu verfolgen. Mit Erfolg: Der Beamte konnte den Sportler einholen, der die Dog-Scooterin beleidigt und vom Roller gestoßen haben soll. Nach einem klärenden Gespräch aller Parteien war alles wieder gut. Und: Hündin Pina Colada bekam reichlich Leckerlis.


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