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Rubrik: Boulevard

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Wien

Iffland-Ring an Jens Harzer übergeben

Jens Harzer, deutscher Schauspieler und Ensemblemi...Jens Harzer, deutscher Schauspieler und Ensemblemitglied am Thalia Theater Hamburg, erhält den Iffland-Ring im Wiener Burgtheater. Foto: Herbert Neubauer/APA
Jens Harzer, deutscher Schauspieler und Ensemblemitglied am Thalia Theater Hamburg, erhält den Iffland-Ring im Wiener Bu...
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Jens Harzer, deutscher Schauspieler und Ensemblemitglied am Thalia Theater Hamburg, erhält den Iffland-Ring im Wiener Burgtheater. Foto: Herbert Neubauer/APA
Jens Harzer, deutscher Schauspieler und Ensemblemitglied am Thalia Theater Hamburg, erhält den Iffland-Ring im Wiener Burgtheater. Foto: Herbert Neubauer/APA

Jens Harzers Dank für die Überreichung des Iffland-Rings, der wohl größten Auszeichnung im deutschsprachigen Theater, kam ohne eigene Worte aus.

Der 47-Jährige las am Sonntag im Wiener Burgtheater lieber die Erzählung «Unverhofftes Wiedersehen» von Johann Peter Hebel aus dem Jahr 1811. Darin stirbt ein Bergmann kurz vor der Hochzeit, seine unter Tage konservierte Leiche wird Jahrzehnte später geborgen und die Beerdigung von der immer noch trauernden Verlobten als Hochzeit inszeniert. 
Danach herzte Harzer die Festredner Peter Handke und Johan Simons, wurde minutenlang vom Publikum gefeiert - und verließ die Bühne. Es wirkte, als wolle er die Bedeutung des Moments nicht noch durch eigenes Zutun aufladen. Der Träger des Iffland-Rings gilt als der «Würdigste» unter den Schauspielern im deutschen Sprachraum. Der im Februar gestorbene Schweizer Bruno Ganz hatte den Ring Harzer testamentarisch auf Lebenszeit vermacht.
Die Intendantin des Burgtheaters, Karin Bergmann, bezeichnete die Auszeichnung als ein «geheimes Vermächtnis», das unbeeinflusst von Feuilletons und öffentlicher Meinung zugedacht werde. Der Ring sei keine Goldmedaille, sondern ein «Zeichen der emphatischen Anerkennung eines großen Künstlers an einen anderen großen Künstler». Handke erinnerte in seiner Festrede an das Geheimnis der Schauspielkunst. «Es ist nicht Menschenkenntnis, sondern es ist Menschenerkenntnis im Moment des Spiels.» Der Intendant des Schauspielhauses Bochum, Johan Simons, würdigte als Laudator die Präsenz Harzers auf der Bühne, den es zu beobachten lohne, auch wenn er scheinbar nur ruhig in der Ecke sitze.  
Der in Wiesbaden geborene Harzer - seit vielen Jahren Ensemble-Mitglied am Hamburger Thalia Theater - hatte zunächst Engagements an den Münchner Kammerspielen und beim Bayerischen Staatsschauspiel. Bei den Salzburger Festspielen mimte Harzer von 2001 bis 2004 im «Jedermann» den Tod. Am Burgtheater war er mit dem Gastspiel «Immer noch Sturm» von Peter Handke zu sehen. Im Fernsehen spielte Harzer Rollen im «Tatort» und der Serie «Babylon Berlin». 2008 und 2011 war Harzer laut Kritikerumfrage der Zeitschrift «Theater heute» Schauspieler des Jahres.
Der Ring wurde vom damals berühmten Schauspieler August Wilhelm Iffland (1759-1814) gestiftet. Seine heutige Bedeutung gewann er aber erst im Lauf der Zeit. Jeder Träger muss innerhalb der ersten drei Monate bereits einen Nachfolger bestimmen. Unter den neun bisherigen Trägern sind ausschließlich Männer, was zuletzt Kritik hervorgerufen hatte. Angeblich hatte Bruno Ganz, der den Ring 23 Jahre lang trug, ursprünglich den Burgtheater-Schauspieler Gert Voss als Nachfolger auserkoren. Voss starb aber 2014. 
Harzers Vorbild war Bruno Ganz. Bei dessen Beisetzung in Zürich verlas Harzer die Trauerrede des Dramatikers Botho Strauß. In der Botho-Strauß-Inszenierung «Ithaka» an den Münchner Kammerspielen standen Harzer und Ganz 1996 gemeinsam auf der Bühne. Ganz als Odysseus, Harzer als sein Sohn.
In einem Interview mit der «New York Times» sagte Harzer kürzlich: «Das Schöne an dem Ring ist, dass er eine subjektive Wahl ist. Das macht ihn fast sympathisch». In der Frage, ob die Auszeichnung künftig auch an eine Schauspielerin gehen sollte, positionierte sich Harzer eindeutig. Natürlich sollte eine Frau ihn bekommen können, meinte er. «Ich würde provokativ sagen, es ist unwichtig, ob der Name auf meinem Papier ein Mann oder eine Frau ist.» In dem Interview betonte er auch die dunkle Seite des Rings. Die Auszeichnung mit der Pflicht zum künstlerischen Testament bedeute, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Darin habe er Erfahrung. Vor zwei Jahren sei bei ihm eine lebensbedrohliche Erkrankung festgestellt worden. Aufgrund der Diagnose habe er seine Bühnenarbeit unterbrechen und sich diversen Operationen unterziehen müssen. «Mein Vorteil ist, dass ich in den letzten Jahren mit dem Tod konfrontiert war.» 

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