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Rubrik: Boulevard

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TV-Saison: Von Kapitän Silbereisen bis Klum-Scham

Thomas Gottschalk war bei Heidi Klums «Kinderfasch...Thomas Gottschalk war bei Heidi Klums «Kinderfasching». Foto: Rolf Vennenbernd
Thomas Gottschalk war bei Heidi Klums «Kinderfasching». Foto: Rolf Vennenbernd
Thomas Gottschalk war bei Heidi Klums «Kinderfasching». Foto: Rolf Vennenbernd

Fernsehjahre sind wie Schuljahre. Sie dauern von Sommerferien zu Sommerferien, oder besser: Sommerpause zu Sommerpause.

In den kommenden Wochen gibt es wieder mehr Wiederholungen, keine neuen «Tatorte», keine neue «heute-Show», kein «Neo Magazin Royale», und auch all die Talkshows gehen in Sommerpause. In der Logik der Fernsehsender lohnt deshalb ein Überblick, was im TV-Jahr vom vergangenen September bis jetzt im Juni so los war.
TRAUMSCHIFF: Die langjährige Hostess Beatrice, Heide Keller, kritisierte die geplanten Neubesetzungen und nannte den Entertainer und künftigen Kapitän Florian Silbereisen eine «Fehlbesetzung». Es herrsche der «dämliche Blick auf die Quote». Silbereisen blieb entspannt und sprach Keller eine Einladung zum Kaffee aus.
TATORT: Münster war wieder Quotenkönig. Die Doppelgängerposse «Spieglein, Spieglein» sahen im März mehr als 14 Millionen. Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) wurde strafversetzt nach Göttingen, wo die neue Kollegin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) sie ohrfeigte. Abschied nehmen hieß es nach gut 21 Jahren von Inga Lürsen in Bremen (Sabine Postel). Ihr Kollege Stedefreund (Oliver Mommsen) starb.
DOKU: Die Dokumentation des Jahres ist wohl «Leaving Neverland». Weltweit aufsehenerregend, blieb die umstrittene Produktion aber bei der ProSieben-Ausstrahlung im April mit mauer Einschaltquote. In dem sehr langatmigen Film erheben die beiden Männer James Safechuck und Wade Robson Missbrauchsvorwürfe gegen den 2009 gestorbenen Popstar Michael Jackson. Die Doku überschattet das King-of-Pop-Gedenken.
SERIEN: Die Free-TV-Ausstrahlung von «Babylon Berlin» lief im Herbst im Ersten recht stark (fast ein Jahr nach der Sky-Premiere). Die zweite Staffel der ARD-Serie «Charité» lief gut, wenn auch etwas quotenschwächer als die erste 2017. Im ZDF startete Peter Heinrich Brix als Ermittler Carl Sievers in der Reihe «Nord Nord Mord» quotenstark. Er folgte Robert Atzorn. Sky brachte die aufwendige Weltkriegsserie «Das Boot» ins Programm.
STREAMING: Beim Streamingdienst Prime Video von Amazon war die zweite «Deutschland»-Staffel zu sehen: In «Deutschland 86» brillierte neben Jonas Nay auch Anke Engelke. Bei Netflix ging Ende Mai die inzwischen dritte deutsche Produktion «How to Sell Drugs Online (Fast)» (Wie man im Internet schnell Drogen verkauft) an den Start (nach «Dark» und «Dogs of Berlin»). Düster und böse war die österreichische Miniserie «M - Eine Stadt sucht einen Mörder» (in Deutschland bei TV Now von RTL). Keine Fortsetzung bekommt die überladene Berliner Clubwelt-Serie «Beat» bei Prime Video.
SERIEN-ENDEN: Der Hammer der TV-Saison war sicherlich das angekündigte Aus des ARD-Klassikers «Lindenstraße». 2020 soll Schluss sein, nach dann fast 35 Jahren. Für die NDR-Comedyserie «Der Tatortreiniger» mit Bjarne Mädel als Schotty war schon nach fast sieben Jahren und 31 Episoden Schluss. International endeten die Erfolgsserien «Game of Thrones» und «Big Bang Theory».
KARNEVAL: Erst gab es «Steltergate», weil Bernd Stelter bei einer Kölner Karnevalssitzung von der Steuerberaterin Gabriele Möller-Hasenbeck auf der Bühne angegangen wurde, nachdem er einen Doppelnamenwitz über CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) gemacht hatte. Der WDR schnitt das fürs Fernsehen raus. Später geriet dann AKK selbst in die Kritik, weil sie in Stockach bei einer Fastnachtsrede über die Einführung von Toiletten für das dritte Geschlecht zu witzeln versuchte: «Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln...»
EUROVISION: Der Eurovision Song Contest hatte diesmal viel Lästerei zur Folge wegen des missglückten Gastauftritts von Superstar Madonna in Tel Aviv. Das deutsche Abschneiden im Finale am 18. Mai war erwartbar schlecht und wurde ein paar Tage danach sogar noch schlechter. Wegen einer Punktepanne landete Deutschland mit dem Duo S!sters und dem Song «Sister» nur auf dem vorletzten Platz, in der Show selbst war noch der drittletzte verkündet worden. Dass der Sieger aus den Niederlanden kam, geriet fast in Vergessenheit.
TAGESSCHAU: Am 14. März erschraken Millionen, weil Sprecher Jan Hofer am Ende der «Tagesschau» ganz benommen wirkte. Zuvor hatte er schon genuschelt und sich versprochen. Nach kurzer Zeit ging es ihm aber wieder besser. Er selber vermutete, ein Medikament nicht vertragen zu haben.
BARES FÜR RARES: Ein Rekord-Deal von 42.000 Euro für ein Reliquienkreuz mit angeblichen Holzsplittern des Kreuzes Jesu löste Debatten aus - wurden die Verkäuferinnenn zu billig abgespeist? Hätten die Showmacher sie zu einem Auktionshaus schicken müssen?
GNTM: «Germany's Next Topmodel» ist eh umstritten - aber zum diesjährigen Finale hagelte es besonders viel Häme für Heidi Klum und ihre Show. Ein Festival des Fremdschämens sei das gewesen, schrieben Kritiker. TV-Urgestein Thomas Gottschalk wirkte in der Finalshow zu allem Überdruss total fehl am Platze und kommentierte: «Für mich ist das alles großer Kinderfasching hier.»
GOLDENE KAMERA: Denkwürdig war der Aufritt der schwedischen Klimaaktivistin und Schülerin Greta Thunberg, die den Promis die Leviten las und mehr Flugscham forderte. Es sei absurd, dass Kinder ihre Ausbildung opferten, um gegen die Zerstörung ihrer Zukunft zu protestieren, viele Stars jedoch lieber um die Welt jetteten.
SHOW: Als TV-Moment des Jahres lobten viele die Aktion von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, die in ihrer neuen Show «Joko & Klaas gegen ProSieben» 15 Minuten zur völlig freien Verfügung gewannen. Statt zu blödeln, gab das Duo zur besten Sendezeit am 29. Mai drei Menschen Raum für die Themen Flüchtlingshilfe/Seenotrettung im Mittelmeer, Obdachlosigkeit und Kampf gegen Rechtsextremismus.
YOUTUBER: Mit seinem Video «Die Zerstörung der CDU» mischte der Youtuber Rezo im Mai die Politik auf - und viele wollten ihn danach in ihrer TV-Sendung haben. Er entschied sich im Juni für Jan Böhmermann und das «Neo Magazin Royale», wohl auch wegen des kurzen Weges von Aachen nach Köln: Er appellierte an Parteien und Politiker, weniger Scheiße zu bauen und klarer und menschlicher in der Sprache zu werden.
CASTINGSHOWS: Der Theologiestudent Samuel Rösch gewann «The Voice of Germany», der gelernte Altenpfleger Davin Herbrüggen «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS), der Illusionist Stevie Starr wurde «Supertalent», die elffache Mutter Silvia Wollny siegte bei «Promi Big Brother», Evelyn Burdecki beim Dschungelcamp «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!», die Teenies Mimi & Josefin bei «The Voice Kids» und Ex-Handballer Pascal Hens bei «Let's Dance».
ABSCHIEDE: Prägende TV-Persönlichkeiten sind gestorben. So musste das deutsche Fernsehpublikum Abschied nehmen von «Kommissarin» Hannelore Elsner (mit 76), «ZDF-Hitparade»-Moderator Dieter Thomas Heck (mit 80), dem früheren «Tagesschau»-Sprecher Wilhelm Wieben (mit 84), «In aller Freundschaft»-Schauspielerin Ursula Karusseit (mit 79), der früheren «Formel Eins»-Moderatorin Stefanie Tücking (mit 56), von Kabarettist und Sportkommentator Werner Schneyder (mit 82), TV-Auswanderer Jens Büchner (mit 49) und dem früheren DSDS-Kandidaten und Dschungelcamp-Bewohner Daniel Küblböck (verschollen mit 33).

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