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Rubrik: Brennpunkte

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Neonazi-Untersuchungsausschüsse beschlossen

Plakat für einen Vortrag über Rechtsextremismus: E... Foto: dpaPlakat für einen Vortrag über Rechtsextremismus: Ein Untersuchungsausschuss soll klären, warum die Zwickauer Neonazi-Gruppe jahrelang agieren konnte, ohne dass Sicherheitsbehörden sie im Visier hatten. Foto: Uwe Zucchi / Archiv Foto: dpa
Plakat für einen Vortrag über Rechtsextremismus: Ein Untersuchungsausschuss soll klären, warum die Zwickauer Neonazi-Gru...
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Foto: dpa
Plakat für einen Vortrag über Rechtsextremismus: Ein Untersuchungsausschuss soll klären, warum die Zwickauer Neonazi-Gruppe jahrelang agieren konnte, ohne dass Sicherheitsbehörden sie im Visier hatten. Foto: Uwe Zucchi / Archiv Foto: dpa
Plakat für einen Vortrag über Rechtsextremismus: Ein Untersuchungsausschuss soll klären, warum die Zwickauer Neonazi-Gruppe jahrelang agieren konnte, ohne dass Sicherheitsbehörden sie im Visier hatten. Foto: Uwe Zucchi / Archiv

Berlin/Erfurt (dpa) - Untersuchungsausschüsse im Bundestag und im Erfurter Landtag werden mögliche Pannen der Sicherheitsbehörden bei den Neonazi-Morden aufarbeiten. Beide Parlamente votierten am Donnerstag jeweils einstimmig für die Einsetzung der Gremien.

Im Bundestag erklärten Vertreter alle Fraktionen, dass die Vorgänge rückhaltlos aufgeklärt werden müssten, um Konsequenzen für Verfassungsschutz und Polizei zu ziehen. Parteipolitische Auseinandersetzungen sollen dabei nicht im Vordergrund stehen. Der Bundestags-Untersuchungsausschuss kommt an diesem Freitag zur konstituierenden Sitzung zusammen.
Die beiden Ausschüsse soll klären, warum die rechtsextreme Zwickauer Neonazi-Gruppe jahrelang in Deutschland rauben und morden konnte, ohne dass Sicherheitsbehörden sie im Visier hatten. Auf das Konto der Rechtsterroristen sollen unter anderem Morde an neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern sowie an einer Polizistin gehen. Der Bundestags-Untersuchungsausschuss hat die Möglichkeit, einen Sonderermittler einzusetzen. Zudem wird es eine Bund-Länder-Kommission geben, um die Zusammenarbeit der Behörden von Bund und Ländern kritisch zu hinterfragen.
Für den Untersuchungsausschuss in Erfurt sicherte Thüringens Innenminister Jörg Geibert (CDU) die Unterstützung der Landesregierung zu. «Wir sind den Opfern dieser beispiellosen Verbrechensserie und ihren Angehörigen eine umfassende Aufarbeitung dieses umfassenden Gesamtkomplexes schuldig», sagte Geibert, der wegen seiner bisher zurückhaltenden Informationspolitik im Parlament in der Kritik steht.
Die thüringer Ausschussvorsitzende Dorothea Marx (SPD) erklärte: «Zu dem Ermittlungsversagen von gestern darf nicht das Aufklärungsversagen von heute hinzukommen.» Die Aufklärung dürfe nicht länger hinter verschlossenen Türen erfolgen.
Im Bundestag sagte der Unions-Innenexperte Hans-Peter Uhl (CSU), der Vorwurf, dass die Sicherheitsbehörden auf dem rechten Auge blind seien, dürfe nicht stehenbleiben. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, meinte, das Vertrauen in den Rechtsstaat sei mit der Neonazi-Mordserie in Teilen der Bevölkerung nachhaltig erschüttert worden. «Nur ein Untersuchungsausschuss kann Zeugen unter Wahrheitspflicht vorladen und sie zwingen, zu sagen, was sie wissen, damit alles auf den Tisch kommt.»
Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, sagte, die Taten der Rechtsextremisten gehörten zweifelslos zu den schwersten Verbrechen in der Bundesrepublik. Der Ausschuss müsse auch Belege für die Verfassungswidrigkeit der rechtsextremen NPD sammeln, um diese in einem zweiten Verbotsverfahren zu verwenden. Ein erstes Verfahren war 2003 vor dem Bundesverfassungsgericht an der Frage von V-Leuten des Verfassungsschutzes in Führungsgremien der Partei gescheitert. Ob es einen zweiten Anlauf für ein NPD-Verbot geben wird, ist noch offen.
Die Parlamentarier in Berlin hoffen, dass auch die Länder an der Aufklärung mitarbeiten werden. Ein Bundestags-Untersuchungsausschuss widmet sich primär Verfehlungen von Bundesbehörden. Die Grünen sind überzeugt, dass auch Zeugen aus den Ländern aussagen müssen und das Gremium auch Einsicht in Landesakten nehmen darf. Sie stützen sich dabei auf Ausführungen des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages.
Unterdessen tut sich Sachsens Landtag weiterhin schwer mit der Zwickauer Terrorzelle. Anders als im Bundestag oder in Thüringen gibt es keine Auseinandersetzung um das Thema. Ob auch im Dresdner Landtag ein Untersuchungsausschuss eingerichtet wird, ist noch offen. Das Regierungslager aus CDU und FDP lehnt ihn ab. Die Opposition will den Ausschuss, ist sich aber auch noch nicht ganz einig.

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