Besuch des 1. Vorsitzenden des Fördervereins des Versicherungsmuseums, Horst Gröner, bei Patricia Berger vom Nienburger Archiv. Foto: Stadt- und Kreisarchiv

Besuch des 1. Vorsitzenden des Fördervereins des Versicherungsmuseums, Horst Gröner, bei Patricia Berger vom Nienburger Archiv. Foto: Stadt- und Kreisarchiv

Nienburg/Gotha 27.07.2020 Von Die Harke

Brückenschlag von Gotha nach Nienburg

Nienburger Kaufmann Heinrich Rudolph Teil der Ausstellung „200 Jahre Feuerversicherung“

In Gotha wurde eine Sonderausstellung eröffnet, die eine Brücke nach Nienburg schlägt. Das Deutsche Versicherungsmuseum Ernst Wilhelm Arnoldi feiert mit dieser Ausstellung 200 Jahre Feuerversicherung aus Gotha. 1821 vertrieben 156 Agenturen die Gothaer Feuerversicherung, darunter die Agentur des Kaufmanns Geyer in Nienburg. Die Ausstellung zeigt auf, wie Arnoldi im damaligen Deutschen Bund ein Netz von Agenturen aufbaute, die Verträge für die Feuerversicherungsbank vermittelten. Beispiele aus Gotha, Göttingen und Nienburg veranschaulichen dieses verzweigte Agentursystem.

Horst Gröner, Kurator der Ausstellung und 1. Vorsitzender des Fördervereins des Versicherungsmuseums, machte sich für die Recherche auf in das Stadt- und Kreisarchiv nach Nienburg. Ausgangspunkt war ein Agenturbuch des Nienburger Kaufmanns Heinrich Rudolph Geyer aus dem Jahr 1824, das sich im Besitz des Versicherungsmuseums befindet. Es ist handgeschrieben und umfasst insgesamt neun Seiten. Aufgeführt sind 72 Versicherte aus Nienburg und acht weiteren Orten des Umkreises mit ihren Verträgen. Vermerkt sind die angefallenen Ausgaben und die Provisionsabrechnung der Agentur Geyer. Das Besondere ist, dass Geyer der einzige Agent der frühen Gothaer Versicherungen ist, der mit diesen Aufzeichnungen überliefert, wie das System der freien Agenturen funktioniert haben mochte. Geyer hatte bereits im ersten Geschäftsjahr der Feuerversicherungsbank von Arnoldi, 1821, vier Versicherungen vermittelt, so belegt es das Journal für Versicherungsverträge.

Christopher Lohmann (rechts), Vorstandsvorsitzender der Gothaer Allgemeine Versicherung AG, und Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch betrachten das in einer Vitrine ausgestellte Material zur Agentur des Kaufmanns Heinrich Rudolph Geyer in Nienburg. Foto: Horst Gröner

Christopher Lohmann (rechts), Vorstandsvorsitzender der Gothaer Allgemeine Versicherung AG, und Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch betrachten das in einer Vitrine ausgestellte Material zur Agentur des Kaufmanns Heinrich Rudolph Geyer in Nienburg. Foto: Horst Gröner

Eine große Vitrine mit drei Ausstellungstafeln und verschiedenen Exponaten sind dem Leben und Wirken des Kaufmanns Geyer gewidmet. Geyer bot in Nienburg diverse Produkte und Dienstleistungen feil: feine Raffinade, weißen, gelben und braunen Kandis, verschiedene Sorten Kaffee und Tee, Reis, kandierte Feigen, Knackmandeln, Champignons und Sardellen. Er verkaufte aber auch Jagdgewehre und vermittelte Wohnhäuser. Gemeinsam mit seinem Compagnon F. Rump betrieb er vermutlich ab 1823 in der Henriettenstraße eine Essigfabrik. Das Gebäude steht heute noch. In der Fabrik wurde auch Senf hergestellt: „Der feine Tafelsenf aus der Fabrik der Herren Geyer u. Comp in Nienburg ist eins der ausgezeichnetsten Fabricate der Art…“, so in einer hannoverschen Zeitung nachzulesen.

Heinrich Rudolph Geyer schrieb aber auch Nienburger Zeitungsgeschichte. Um die Erfolgsaussichten für die Genehmigung eines neu zu gründenden Wochenblattes in Nienburg zu erhöhen, richtete 1821 der Magistrat der Stadt und nicht Geyer als zukünftiger Verleger ein entsprechendes Gesuch an die hannoversche Provinzialregierung. In Aurich hatte er bereits ein ähnliches Blatt herausgegeben. Nachdem die Erlaubnis am 12. November 1821 erteilt wurde, erschien in Nienburg 1822 die erste Nummer der „Nienburger Anzeigen für den Bürger und Landmann“. Nach dem Tode Geyers im Jahr 1839 übernahm sein Compagnon F. Rump Herausgabe und Redaktion des Blattes. Für die Ausstellung in Gotha stellten das Nienburger Archiv und die Bibliothek des Museums Nienburg Faksimiles der „Nienburger Anzeigen“ zur Verfügung.

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Erstellt:
27. Juli 2020, 17:45 Uhr
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