Beim Besprechungsabschluss zur Waldinventur in der Försterei Memsen im ungleichaltrigen Mischwald mit Revierleiter Uwe Niedergesäss (Vierter von links) und Forstgutachter Heiko Karstens (Vierter von rechts). Foto: Landesforsten / Städing

Beim Besprechungsabschluss zur Waldinventur in der Försterei Memsen im ungleichaltrigen Mischwald mit Revierleiter Uwe Niedergesäss (Vierter von links) und Forstgutachter Heiko Karstens (Vierter von rechts). Foto: Landesforsten / Städing

Landkreis 29.08.2020 Von Die Harke

Bunte Baumartenvielfalt bescheinigt

Waldinventur im nördlichen Landkreis Nienburg fällt positiv aus

Drei Monate war Forstgutachter Heiko Karstens im Auftrag der Niedersächsischen Landesforsten für die zehnjährige Bestandsaufnahme in der Revierförsterei Memsen zwischen Neubruchhausen und Hoya unterwegs.

„Die Wälder des Forstrevieres Memsen sind durch eine sehr bunte Baumartenverteilung gekennzeichnet und die Waldböden sind überdurchschnittlich gut mit Nährstoffen und Wasser versorgt“, erklärte Karstens, der auf die Inventur von Wäldern spezialisiert ist und seine Ergebnisse nun im Forstamt Nienburg vorstellte.

Mit einem Anteil von fast zwei Dritteln Laubbäumen und lediglich einem guten Drittel Nadelbäumen hat das Revier eine Baumartenverteilung, die die Landesforsten langfristig landesweit anstreben. Das 1220 Hektar große Revier besteht zudem zur Hälfte aus intensiv gemischten Erdmann-Beständen.

Oberförster Erdmann begann vor über hundert Jahren von Neubruchhausen aus Mischwälder zu entwickeln, die sich heute als besonders stabil und als beispielgebend für die ökologische Waldentwicklung der Landesforsten zeigen. Seit genau 35 Jahren bewirtschaftet Uwe Niedergesäss als Revierförster das anspruchsvolle Revier mit so vielen verschiedenen Baumarten und den besonderen Mischwaldformen.

Beste Noten wurden ihm jetzt für die Pflege und Nutzung der Waldbestände sowie ihre Verjüngung durch Pflanzung oder natürliche Ansamung (Naturverjüngung) durch den Forstgutachter ausgestellt. Dabei hat Niedergesäss, der auch Nachwuchsförster ausbildet, obendrein den Waldnaturschutz nicht vernachlässigt - anderthalb Mal so viele sogenannte Habitatbäume wie vorgegeben, hat er im Revier ausgewiesen. Diese Bäume haben Spechthöhlen oder sind als Lebensraum seltener oder bedrohter Arten wichtig für die Artenvielfalt.

Auch für die Zukunft des Waldes ist gut vorgesorgt. Auf einem Viertel der Waldfläche wachsen junge Bäume für die nächste Waldgeneration heran. Dabei dominiert deutlich die Buche gefolgt von Douglasien und weiteren Baumarten.

Die natürliche Waldverjüngung, bei der sich die Bäume von selbst aussäen - oft gefördert durch eine leichte Bearbeitung des Waldbodens – spielt hier eine wichtige Rolle. Buchen, Weißtannen, Bergahorne, Douglasien und Lärchen verjüngen sich auch dank einer guten Jagdstrategie in vielen Bereichen von selbst. Diese Dynamik soll für das kommende Jahrzehnt genutzt werden.

Ein weiteres Viertel des Waldes soll mit Nachwuchs aus den genannten Baumarten für noch stärker gemischte Wälder vorbereitet werden. Auf der Ertragsseite kann die Holznutzung um zehn Prozent gesteigert werden, da zunehmend Bäume in erntefähige Dimensionen wachsen, wie Forstexperte Karstens statistisch belegte.

Sorgen bereitet Uwe Niedergesäss derzeit die Entwicklung des Borkenkäfers in seinen Fichtenbeständen, die allerdings lediglich zweieinhalb Prozent seiner Wälder ausmachen. Dazu sind auch seine Eschenwälder von dem europaweit grassierenden Eschentriebsterben betroffen. Besonders gravierend ist die jüngst festgestellte Verbreitung der neuartigen Rußrindenkrankheit, die bereits zwei Bergahorn-Bestände vernichtet hat.

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Erstellt:
29. August 2020, 16:18 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 18sec

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