Verburbelt: Die etwas andere Homepage der HARKE. Screenshot

Verburbelt: Die etwas andere Homepage der HARKE. Screenshot

TGIF 19.05.2017 Von Jörg Nierzwicki

Burble und die sprechenden Sprachatlanten

Letztens überraschte das manchmal arg um Lockerheit bemühte Morgenmagazin (#Moma) von ARD und ZDF mit einem Kurzbeitrag der #Netzreporter. „Lasched will sich nedd auf Koalizionschbardner feschdlegen“ stand da als CDU-Schlagzeile nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen. War das jetzt Schwäbisch, schlecht abgetippt oder eine Hacker-Attacke der AfD? Während ich als Schwabe noch rätsle, enthüllt die fleißige Moma-Netzreporterin Sarah Kumpf das Geheimnis der Memes: www.burble.de Einer von vielen Gimmicks im Netz. Vielleicht aber doch einer, der zum Nachdenken und Nachhören anregen kann. Burble (engl. plappern) übersetzt auf Knopfdruck Websites ins Schwäbische, Fränkische, berlinert ein wenig und kann auch Sächsisch.

Bei www.harke.de ergibt sich so beim lokalen Aufmacher vom Freitagmorgen, 19. Mai, die Überschrift „55482“ Dahinter verbirgt sich die Geschichte des Bahnübergangs am Führser Mühlweg, der durch sicherheitsbedingte Wartezeiten für Aufregung sorgt. Im Artikel daneben gibt’s einen „55502“.

Der Nienburger versteht nichts, der Schwabe wundert sich ob des hochdeutschen Schwäbisch. Wenn ein Schwabe die Video-News der HARKE zu diesen Themen so gesprochen hätte – die Hörer/Leser hätten zu Recht geglaubt, wir hätten die nächste Ausgabe unseres humoristischen Jahresrückblicks DIE FORKE vertont.

Die kunterbunte Burble-Variante sorgte in unserer Chefredaktion für ein kurzes, aber erschrecktes Stirnrunzeln: „Wie, wir haben einen Hacker auf unserer neuen Homepage?“ Der Scherz funktionierte leidlich.

Aber Burble kann manch Facebook-User aus dem norddeutschen Sprachraum ja die Geheimnisse der Dialekte näherbringen. Und dass eine Sprachfärbung noch lange kein Dialekt ist.

Was passiert, wenn Uni-Absolventen auf der Suche nach einer sehr (!) gut bezahlten Stelle „zom Daimler odr zom Bosch“ in die Region Stuttgart kommen, und das als Charakterisierung der Einheimischen hört:

Sendepause.

Mancher Niedersachse denkt an eine neue Verschlüsselung des CIA für die Kommunikation zwischen Donald Trump und Wladimir Putin. Umgekehrt ist das kein Problem. „55399“ (HARKE, 17. Mai, Seite 25) ist eine sturmfeste und erdverwachsene Überschrift, die auch im Schwarzwald ankommt.

In aller Bescheidenheit haben die Schwaben den bekannten Slogan für ihr Ländle gewählt: „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ (Übrigens reinstes Hochdeutsch!) Aber Dialektsprecher, von Aurich bis ins tiefste Bayern, haben halt immer noch zusätzlich eine Geheimsprache parat.

Berührungsängste abbauen

Aber auch diese „Verschlüsselung“ kann man im Netz lernen – und Berührungsängste abbauen. („Der spricht aber so komisch, kommt der aus Sachsen?“)

Die Universität Tübingen bietet einen Link zu ihrem Forschungsprojekt, den „Sprechenden Sprachatlas“.

Wer in Nienburg lernen will, wie man sich im Süden zum Bürgermeister durchfragt, klickt auf den Ort Sersheim – und hört „dr Schultes“. Gerät man ins Badische, kann man die eingedeutschte Version des französischen Maire, nämlich „Määr“, erwischen.

Ähnlich Unterhaltsames und Lehrreiches gibt es für Bayern unter

Wer im Ski-Urlaub in der Disko in den Bergen ohne Probleme ein Mädchen, einen Jungen ansprechen will, sollte wissen, dass die junge Frau, der junge Mann im Chiemgau auf ganz andere Ansprachen reagiert, als im nördlichen Frankenwald an der Grenze zu Thüringen. Peinliche Pannen werden vermieden.

Ähnliche Unterschiede gibt’s durchaus auch beim Platt zwischen Ostfriesland, Westfalen, dem Raum zwischen Weser und Elbe. Heißt das jetzt aktuell Abgasskandal oder Afgasschandaal? Beim Institut für niederdeutsche Sprache gibt’s Rat.

Für Facebook-User einen Nord- und einen Südlink:

Nord:

Süd:

Und für Rock-Fans:

oder

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Erstellt:
19. Mai 2017, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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